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Umwelt: Ein Kampf um Milliarden

07. März 2006, 18:18

Hybridmodelle sind auch am Auto-Salon gross in Mode. Aber hinter den Kulissen wetteifern die Autobauer darum, wessen Technologie massgebend für die Autoindustrie sein wird. Dabei gehts um sehr viel Geld.

Peugeot 307 CC Hybride HDi: Die Franzosen versprechen für den Diesel-Hybriden einen «Quantensprung» beim Verbrauch.
Peugeot 307 CC Hybride HDi: Die Franzosen versprechen für den Diesel-Hybriden einen «Quantensprung» beim Verbrauch.
Von Reto Pieth

Der Hybridantrieb war die erste wirklich neue Unter-der-Haube-Technologie der Autoindustrie seit fast hundert Jahren. Doch es ist noch längst keine einheitliche Technologie. Mehrere Autobauer haben in den vergangenen Monaten und Jahren bereits verschiedene Hybridversionen entwickelt – oder sind daran. Wessen Hybridantrieb sich als Standard in der Autobranche durchsetzt, wird darüber entscheiden, wer in der Autoindustrie künftig den Ton angibt und andere Autobauer hinter sich scharen kann.

Die gegenwärtige Ausmarchung um den Standard im Hybridantrieb ist dem Wettbewerb zwischen VHS und Betamax in den frühen Tagen der Videokassette nicht unähnlich. Wer den Kampf ums Hybriddesign schliesslich gewinnt, wird der Autoindustrie nicht nur seinen Stempel aufdrücken, sondern wird dank den Lizenzgebühren, die andere Autobauer entrichten müssen, auch zu immensen Einkünften kommen.

Toyota liegt an der Spitze
Momentan liegt Toyota in der Hybridtechnologie klar auf der Poleposition. Allein in den USA wollen die Japaner ab 2010 jährlich eine Million ihres erfolgreichen Hybridautos Prius absetzen, und sie sind bereits mit anderen Hybriden – zum Beispiel dem Luxusgeländewagen Lexus RX 400h – auf dem Markt. In Tokio hatte man aber auch gehofft, andere Autokonzerne würden den Hybridantrieb von Toyota gegen eine Lizenzgebühr übernehmen. Doch diese Hoffnungen erfüllten sich bisher nicht. Im Gegenteil: Statt auf den Hybridzug von Toyota aufzuspringen, entwickelt oder entwickelte die Konkurrenz ihre eigene Hybridtechnologie oder schloss sich zu diesem Zweck zu verschiedenen Allianzen zusammen.
25 Prozent weniger Benzinverbrauch
So tat sich der schlingernde Riese General Motors mit DaimlerChrysler und BMW zusammen, um ein Hybridsystem zu entwickeln, das einfacher als die Hybridtechnologie von Toyota ist. Dieser Hybridantrieb soll sich kostengünstiger produzieren, und leichter in grössere Fahrzeuge und Geländewagen einbauen lassen und bei diesen «Schluckspechten» Treibstoffeinsparungen von bis zu 25% erzielen. Mercedes bastelt unter anderem an einem «Mild-Hybrid», bei dem ein Benzinaggregat mit einem Elektromotor kombiniert und ins Getriebegehäuse integriert wird. Das beansprucht deutlich weniger Platz als ein Hybridantrieb mit getrennten Benzinund Elektromotoren wie das bei Toyota der Fall ist. Und bei BMW arbeiten die Ingenieure mit Hochdruck daran, den Strom in Hochleistungskondensatoren, statt in konventionellen Batterien zu speichern. Eine zweite Hybrid-Allianz haben VW, Konzerntochter Audi und Porsche gebildet. Sie wollen ebenfalls eine eigene Technologie entwickeln, die aber noch nicht marktbereit ist – im Gegensatz zu Honda und Ford, die beide im Alleingang mit eigenen Hybridmodellen auf den Markt gekommen sind.

Besonders Honda liegt dicht hinter dem Spitzenreiter Toyota. Doch die von Honda für den Accord entwickelte Hybridtechnologie unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von Toyota. Der Prius hat je einen Benzin-und einen Elektromotor, der von der Batterie gespiesen wird. Das Hybridsystem des Accord – Integrated Motor Assist – ist eher ein überdimensionaler Anlasser, der die Leistung des Benzinaggregats steigert und es abstellt, wenn der Wagen anhält und leer läuft. Doch das Honda-System kann den Accord nicht antreiben, ohne dass der Benzinmotor läuft, während der Prius bei niedrigen Geschwindigkeiten als reines Elektromodell funktionieren kann. Die Einsparungen beim Benzinverbrauch sind beim Accord daher deutlich geringer als beim Prius, trotzdem ist der Hybrid-Aufpreis bei Honda ebenso hoch.

Macht und Milliarden
Es kostet vorläufig deutlich mehr, Hybridantriebe zu produzieren als konventionelle Treibstoffaggregate. Denn Hybridmodelle erfordern sehr viele Zubehörteile, die herkömmliche Autos nicht benötigen. Und erst wenn diese Teile normiert sind und in wirklich grossen Mengen hergestellt werden können, lassen sich auch die Produktionskosten der Hybridautos senken. Genau aus diesem Grund haben die Hybridhersteller ein so grosses Interesse, möglichst viele Partnerkonzerne an sich zu binden: Das verteilt Forschungs- und Entwicklungskosten und ermöglicht die Massenproduktion der benötigten Zubehörteile.

Alles der Umwelt zuliebe? Wohl kaum: Denn der Hybriddesign-Gewinner wird in der Branche nicht nur den Ton angeben – es geht auch um Macht und Milliarden.

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