Gasfahrzeuge (4)
Kostengünstig Gas geben
07. Dezember 2004, 23:52Wer statt Benzin oder Diesel Erdgas in den Tank packt, spart Geld. Das prädestiniert Erdgasautos zum Einsatz als Taxis und Firmenfahrzeuge.
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Die Wirtschaftlichkeit von Erdgas ist unschlagbar. Ein Praxistest von «Fuhrpark + Management», einem deutschen Fachblatt für die Betreiber von Firmenflotten, attestiert zum Beispiel dem Opel Astra CNG bei den Betriebskosten «eine für diese Fahrzeugklasse einmalige Kostenbilanz». Im Test lag der Durchschnittsverbrauch bei 5,7 Kilo Gas pro 100 Kilometer, was bei den tiefen, steuerlich begünstigten deutschen Gaspreisen von durchschnittlich 0.68 Euro Spritkosten von 4.17 Euro pro 100 Kilometer ergab. Das schafft kein Dieselauto - und ein Benziner schon gar nicht.
Deshalb steigen in Deutschland derzeit viele Taxifahrer auf Erdgas um - unterstützt durch das Bundesumweltministerium, das den Umsteigern einen Zuschuss zahlt. Hinzu kommt meist eine Prämie des lokalen Gaswerks. Der Berliner Taxifahrer Gazi Ilhan etwa fährt seit zwei Jahren einen Volvo V70 mit Erdgasantrieb. Die tiefen Betriebskosten weiss er zu schätzen: «Gestern habe ich in 14 Stunden gerade mal 63 Euro eingefahren. Mit einem Diesel wäre ich da längst pleite», zitiert ihn das Fachblatt «Das Erdgasfahrzeug».
Konzerne wie die Deutsche Telekom, bei denen Umweltschutz nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, setzen ebenfalls auf Erdgas. Bei der Telekom, die mit 40 000 Wagen einen von Europas grössten Fuhrparks unterhält, sind es derzeit 100 Fahrzeuge, im nächsten Jahr werden nochmals 300 angeschafft. «Die 100 Autos haben drei Millionen Kilometer zurückgelegt - problemlos», sagt Flottenchef Michael Musiolik.
Sparpotenzial von 20 bis 36 Prozent
In der Schweiz ist Erdgas zurzeit nicht steuerlich begünstigt - entsprechend mehr kostet es. Dennoch lässt sich das Einsparpotenzial sehen. Das zeigen Berechnungen von Gasmobil AG in Arlesheim BL, dem Unternehmen, das im Auftrag der Schweizer Gasindustrie das Autofahren mit Erdgas und Biogas fördert. Laut Marketingleiter Serge Savary fährt man bei einem mittleren Preis von 1.55 Franken pro Kilo Erdgas zurzeit 30 Prozent günstiger als mit Benzin und immer noch 20 Prozent günstiger als mit Diesel. Denn ein Kilogramm Erdgas beinhaltet gleich viel Energie wie rund 1,5 Liter Benzin. Noch günstiger fährt, wer mehrheitlich Naturgas (siehe Kasten) tankt: Weil es nur 1.38 kostet, spart man damit gegenüber Benzin sogar 36 Prozent.
Diesen Einsparungen stehen Mehrkosten beim Ankauf gegenüber: Im Moment kosten Erdgasautos 2000 bis 5000 Franken mehr als die vergleichbaren Benziner. Allerdings bietet die Erdgasindustrie zurzeit je nach Wohnregion diverse Förderzuschüsse. Erdgas Zürich zum Beispiel unterstützt Private beim Kauf eines Erdgasautos mit 1000 Kilo Gratis-Naturgas im Wert von 1380 Franken. Wer viel fährt, hat die verbleibenden Mehrkosten rascher amortisiert als jemand, der wenige Tausend Kilometer pro Jahr zurücklegt.
Die meisten der über 1000 Erdgasautos, die in der Schweiz in Betrieb sind, gehören zu einem Firmenfuhrpark. Mit 23 Fahrzeugen betreibt die Zürcher Flughafenbetreiberin Unique eine der grössten Erdgasflotten. Initiiert wurde das Projekt, das auch eine eigene Naturgas-Tankstelle umfasst, im Rahmen des Luftprogramms des Kantons Zürich zur weiteren Reduktion der Emissionen am Flughafen. Finanziert wird dies durch die emissionsabhängigen Landegebühren, die Unique von den Airlines einfordert. Laut Frédéric Langsch, Leiter Fahrzeugcenter, sind diese Landegebühren zweckgebunden: Sie müssen so eingesetzt werden, dass die Umweltbilanz des Flughafens weiter verbessert wird. «Der Einsatz von CO2-neutralem Naturgas zur Begrenzung der Schadstoffemissionen ist etwas vom Ausgereiftesten und Besten, das es gibt», ist Langsch überzeugt.
Bund schafft Erdgasautos an
Auch der Bundesrat hat erkannt, dass die Umweltbilanz für die Anschaffung von Erdgasautos spricht. Als Beitrag zum aktiven Klimaschutz sollen ab sofort 5 Prozent der neu zu beschaffenden Personenwagen für die Bundesverwaltung und die Instruktoren der Armee Autos mit Erdgasantrieb sein. Die 5 Prozent sind nicht sehr viel, aber bei jährlich 600 Neuwagen ergibt das immerhin 30 Erdgasautos pro Jahr.
Die Kosten würden noch mehr fürs Erdgas sprechen, wenn es wie in Deutschland steuerlich begünstigt wäre. In der Schweiz haben sich National- und Ständerat letztes Jahr im Grundsatz zwar für eine solche Reduktion ausgesprochen, doch sie dürfte wohl erst 2007 realisiert werden. Dadurch sollte sich der Kostenvorteil von Erdgas im Schweizer Schnitt nochmals verbessern - gegenüber Benzin zum Beispiel von 30 auf 40 Prozent. Regionen mit hohen Preisen werden allerdings stärker profitieren als Regionen wie Zürich, wo Naturgas bereits jetzt nur 1.38 Fr. kostet, weil es von der Mineralölsteuer befreit ist.
Diese Entwicklung wäre ganz im Sinn der Erdgasindustrie: «Das führt zu einer gesunden Harmonisierung des Erdgaspreises, der heute mit über 40 Prozent Unterschied eindeutig zu stark differiert», so Serge Savary, Marketingleiter bei Gasmobil. Aus umweltpolitischer Sicht stellt sich allerdings die Frage, ob normales Erdgas steuerlich gleich stark bevorzugt werden soll wie CO2-neutrales Biogas.
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