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Toyota will auch General Motors überholen

29. November 2005, 12:59

Bei den grössten Automobilkonzernen der Welt ist ein heftiger Positionskampf im Gang. Toyota, neu auf Platz zwei, jagt Spitzenreiter GM.

Von Michael Rehsche

Bis 2003 lautete die Reihenfolge: 1. General Motors, 2. Ford, 3. Toyota. Vergangenes Jahr hat Toyota nun aber zum grossen Sprung angesetzt und erstmals Ford von der zweiten Position verdrängt. Damit hat sich ein schon seit Jahren anhaltender Trend fortgesetzt, der klar darauf hindeutet, dass die japanische Nummer eins ein kontinuierliches Wachstum aufweist, während die beiden grossen amerikanischen Konkurrenten auf allen Weltmärkten, mit Ausnahme von China, Marktanteile verlieren. Diese Entwicklung geht auch im laufenden Jahr weiter.

GM kämpft um die Führung

Kaum hatte Toyota den Platz als zweitgrösster Automobilkonzern erobert, rechneten Statistiker das Wachstum der Japaner hoch und kamen zum Resultat, dass diese ums Jahr 2010 rund 14 Prozent des Weltmarkts abdecken werden, genauso viel wie heute die Nummer eins der Welt, General Motors (GM). Das würde bedeuten, dass in fünf Jahren GM und Toyota gleichauf liegen.

Die Amerikaner wehren sich gegen diese Konkurrenz. Mit einer Reihe neuer Modelle für die amerikanischen, europäischen und asiatischen Märkte wollen sie ihren Rang verteidigen. Paul Ballew, GM-Chefanalyst für das globale Marketing, erklärt: «Wir haben nicht die Absicht, den Rang des Spitzenreiters aufzugeben.»

Toyota bei der Qualität im Vorteil

Toyota selbst hält sich mit Kommentaren zurück. Es heisst lediglich: «Nicht der Rang ist entscheidend, sondern die Kundenzufriedenheit.» In diesem Sektor hält die Marke laut Untersuchungen der renommierten Rating-Agentur J.D. Power auf zahlreichen Märkten Topplätze, so in den USA, aber auch in Europa. Der grosse Konkurrent General Motors rangiert in dieser Statistik, zumindest in den USA, unter «ferner liefen».

Den Grundstein für den Aufschwung in den letzten fünf Jahren legte Toyota in den Neunzigerjahren. Er basiert auf drei Säulen: Seit den 70er-Jahren bekommt die Marke gute Noten für Qualität und Ausrüstung ihrer Fahrzeuge. In der Folge konnten auch die Garantieleistungen verlängert werden. Hinzu kam ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. In der Toyota-Konzernzentrale war man sich aber im Klaren, dass Qualität und Kundenzufriedenheit allein nicht ausreichen würden, um weiterzuwachsen. Es braucht auch neue Modelle und ein ansprechendes, unverwechselbares Design. Das kommt in einer neuen Modellgeneration zum Ausdruck, die von den Kleinwagen Aygo und Yaris über den Corolla und den Avensis bis zur Luxusmarke Lexus reicht.

Fortschritte im Motorenbau

Zudem hat Toyota begonnen, seine Motorenpalette konsequent auf Sparsamkeit zu trimmen. Lange Zeit fuhren japanische Hersteller auf dem Gebiet moderner Dieselmotoren hinter der Konkurrenz her. Dies hat sich in den letzten Jahren gründlich geändert. Toyota hat beispielsweise den D-4D-Katalysator entwickelt, der die NOx-Emissionen und auch die Russpartikel effizient reduziert. Diese Dieselmotoren gelten heute als die saubersten auf dem Markt.

Zum Vergleich der Hauptkonkurrent General Motors: In den USA sind Dieselmotoren überhaupt kein Thema. Lediglich in Europa bietet die Tochtergesellschaft Opel sie an. Doch ausgerechnet Opel kämpft mit zu hohen Kosten und hat zu spät attraktive Modelle bereitgestellt. Opel und damit GM haben gegenüber Toyota Marktanteile verloren.

Konzepte für die Zukunft

Ähnliches gilt für den Hybridmotor, eine Kombination aus Verbrennungs- (Benzin, Diesel) und Elektromotor. Diese innovative Antriebstechnik verleiht Toyota einen deutlichen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz und gewinnt mit den steigenden Benzinpreisen immer mehr an Bedeutung.

Toyota hat zwei Arten von Hybridantrieben entwickelt. Einen für kleinere Verbrennungsmotoren bis 1,5 Liter Hubraum. Er kommt im Prius zum Einsatz. Als erster Hersteller setzt Toyota zudem einen so genannten Power-Hybrid in einem grossen Fahrzeug ein, im Lexus RX 400h. Es handelt sich um einen so genannten SUV (Sport Utility Vehicle), einem sportlichen Geländewagen.

Im September hat Toyota zudem angekündigt, dass das Hybridangebot ausgeweitet werden soll. Nach der Mittelklasselimousine Prius und dem SUV RX 400h, die sich auch in der Schweiz reger Nachfrage erfreuen, folgt nächstes Jahr der Lexus GS 450h. Dazu heisst es aus der Konzernzentrale: «Der Hybridantrieb ist die Schlüsseltechnologie nicht nur für Toyota und Lexus, sondern für die gesamte Automobilindustrie.» Der Toyota-Konzern beabsichtigt in den nächsten fünf Jahren für alle Modelle wahlweise einen Hybrid anzubieten.

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