Runflat-Reifen verdrängen Reserverad
11. April 2006, 13:18Reifen mit Notlauf-Eigenschaften, Noträder, Reparaturkit oder halt doch das herkömmliche Reserverad? Keine Frage: Die Zeichen stehen eindeutig auf Runflat-Reifen.
Reto Pieth, Grafton
Runflat? Als die US-Marktforschungsfirma J.D. Power and Associates kürzlich von Tausenden von Automobilisten wissen wollte, was sie sich am meisten in einem Neuwagen wünschten, gaben überraschenderweise 87 Prozent der befragten Amerikaner zur Antwort: Runflat-Reifen.
Diese so genannten Plattfahrpneus können auch bei einem völligen Verlust des Luftdrucks wegen eines Lochs, eines Einstichs oder einer anderen Reifenpanne bei normalem Tempo noch bis zu 150 Kilometer gefahren werden – selbst in den USA weit genug, damit der betroffene Fahrer mit dem Auto zu einer Reparaturwerkstatt gelangen kann.
Denn die Runflat-Reifen sind mit speziell konstruierten Stützeinlagen in den kt. «Sie sind derart steif, dass der Reifen selbst bei völligem Druckverlust noch das Gewicht des Wagens tragen kann», sagt Goodyear-Technikchef Joseph M. Gingo. Doch wie immer, wenn es um wichtige Industriestandards geht, sind sich die Konzerne (noch) nicht einig: Noträder, Reparaturkits, Runflat-Reifen oder das herkömmliche Reserverad? Hier scheiden sich zwar noch immer die Geister, doch der Trend geht ganz eindeutig in Richtung Runflat-Reifen.
BMW setzt auf Runf lat
Deshalb erfüllen immer mehr Autobauer diesen Wunsch der Automobilisten und rüsten ihre Modelle entweder serienmässig oder als Option mit Runflat-Reifen aus. Denn das ist im Falle einer Panne nicht nur viel bequemer, sondern auch viel sicherer: Denn jährlich sterben weltweit noch immer Hunderte von Menschen beim Reifenwechsel auf öffentlichen Strassen. Die Runflat-Reifen sind aber nicht nur sicherer und bequemer, sie schaffen auch zusätzlichen Platz – beispielsweise für die immer umfangreicher werdende Unterhaltungselektronik – und sparen Gewicht.In Europa setzt vor allem BMW auf Runflat: Die 3er-Reihe und andere Modelle aus Bayern werden bereits serienmässig mit den praktischen Flachmännern ausgerüstet.
Amerikanische Erfindung
Obowhl Runflat-Reifen erst in den letzten Jahren zum eigentlichen Thema geworden sind, handelt es sich dabei um keine neue Idee: Der Reifenhersteller Goodyear experimentierte schon in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts damit und führte 1978 den ersten «selbstgenügsamen» Reifen, den SST, ein.An einem Serienfahrzeug feierte der Runflat-Reifen 1994 Premiere: Chevrolet bot seine Corvette damals mit der aufpreispflichtigen Option auf Runflat-Reifen an. Andere Sportwagen wie der BMW Z8 oder Dodge Viper SRT-10 folgten dem guten Beispiel.
Jetzt werden immer mehr «normale» Automodelle mit den Runflat-Reifen angeboten. Nach einer Schätzung von Reifenhersteller Goodyear, der rund die Hälfte des Marktes für diese Pneus beherrscht, können heute weltweit bereits bei 40 Modellen Runflat-Reifen bestellt werden. Und bei Goodyear ist man überzeugt, dass es Ende 2006 bereits rund 90 Modelle sein werden. Denn seit 2003 hat sich der Markt für Runflat-Reifen jedes Jahr verdoppelt. Das haben längst auch die anderen Reifenhersteller bemerkt, und nebst Goodyear bieten beispielsweise auch Michelin, Bridgestone, Dunlop, Pirelli und Continental Runflat-Reifen an. Allerdings mit unterschiedlichem Erfolg, wie ein Test der deutschen Fachzeitschrift «Auto, Motor und Sport» gezeigt hat: Von den fünf getesteten Runflat-Produkten wurden nur zwei mit dem Prädikat «besonders empfehlenswert» ausgezeichnet.
Verschiedene Allianzen
Das dürfte sich schon bald verändern und verbessern. Denn Goodyear und Michelin haben eine Allianz geschlossen, um die Forschung und Entwicklung von Runflat-Reifen gemeinsam zu betreiben. Dieser Allianz hat sich auch Pirelli angeschlossen, während Bridgestone und Continental eine eigene Forschungsgemeinschaft gebildet haben. Und was spricht gegen Runflat-Reifen? Eigentlich nur der höhere Preis. Doch der wird, dank den grösseren Stückzahlen, schon bald sinken.Auto
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