Alternative Treibstoffe
Wasserstoff, Erdgas oder sauberer Diesel?
06. März 2007, 10:49Womit werden wir übermorgen fahren? Mit welchem Treibstoff, mit welchen Antrieben und mit welchen Autos? Ein Überblick zur gegenwärtigen Planung der deutschen Automobilhersteller.
Diesel, Gas oder Ethanol, Hybrid-Kom binationen, Elektroaggregate, Brennstoff zellen oder Verbrennungsmotor: Die Alternativen für die Antriebstechnik der kommenden Autogenerationen sind vielfältig. Doch niemand kann genau vorhersagen und beurteilen, welcher Antrieb das grösste Potenzial birgt und welcher Treibstoff auf Dauer ökonomisch und ökologisch am sinnvollsten sein wird. Fest steht nur: Die fossilen Kraftstoffe gehen zur Neige, der Handlungsdruck auf die Autoindustrie steigt. Wie die deutschen Hersteller auf die Herausforderung reagieren, zeigt der folgende Überblick und ein persönlicher Besuch beim 77. internatioanlen Auto-Salon in Genf, der am kommenden Donnerstag eröffnet wird.
Audi: Klartext in Sachen alternative Antriebe ist aus Ingolstadt derzeit nicht zu hören. Trotz der Geheimniskrämerei lassen sich ein paar konkretere Details festhalten: 2005 zeigte Audi den Gelände wagen Q 7 als Hybrid-Konzeptauto mit einem kombinierten Benzin-Elektro Antrieb. «Diese Technologie wollen wir in Serie bringen. Wir entwickeln derzeit zusammen mit anderen Unternehmen die entsprechenden Systeme», sagt Audi Sprecher Josef Schlossmacher. Noch in einem frühen Forschungsstadium befindet sich ein Brennstoffzellenfahrzeug.
BMW: Wo sich andere Hersteller mehrere Optionen offen halten, geben sich die BMW-Verantwortlichen fest entschlossen: Wasserstoff heisst das Zauber wort in München. Und weil das sportlichdynamische Image der Marke auf keinen Fall angetastet werden soll, plant BMW, den Wasserstoff in klassischen Verbren nungsmotoren zu verfeuern. Wie das funktioniert, zeigt BMW mit einer Klein serie von 100 Fahrzeugen der 7er-Reihe, die flüssigen Wasserstoff tanken, der dann in einem Zwölfzylindermotor für Vortrieb sorgt. Zudem hat BMW bekannt gegeben, mit Mercedes einen gemeinsamen Hybridanstrieb für die Oberklasse zu entwickeln.
Ford: Der deutsche Ableger des USRiesen verfolgt eine 3-Wege-Strategie: Erdgas, Flüssiggas und Bioethanol heissen die Alternativtreibstoffe, zu denen bereits die passenden Serienautos ange- boten werden. Allerdings ist das noch nicht das Ende des Zukunftsgedankens, denn «die drei Kraftstoffe sind aus unserer Sicht Brückentechnologien auf dem Weg in die Wasserstoff- und Brennstoff zellenzukunft», sagt der Ford-Sprecher Isfried Hennen. Derzeit bietet Ford den C-Max als Erdgas-Pkw an, der Focus soll bald folgen. Dazu kommen Focus und CMax Flexifuel, die Benzin und Bioethanol in beliebigem Mischverhältnis vertragen
Mercedes-Benz: Die «Erfinder des Automobils» sind, was seine Zukunft be trifft, auf mehreren Feldern aktiv. Ange boten wird zum Beispiel der E 200 NGT, eine Limousine mit bivalentem Benzin Erdgas-Antrieb. Die Hybrd-Kooperation mit BMW beweist, dass man auch in Stutgart auf Hybrid setzt: 2008 soll der Dodge Durango als erstes Modell des Daimler-Chrysler-Konzerns mit Hybrid antrieb debütieren, «und wenig später wird ein Modell von Mercedes folgen», heisst es in Stuttgart. Ausserdem kündigte kürzlich Forschungsvorstand Thomas Weber das erste Serienauto mit Brenn stoffzellenantrieb für den Zeitraum 2012 bis 2015 an, das mit Wasserstoff fährt. Zu dem forschen die Schwaben am «Dies otto», also der Vereinigung der Verbren nungsprinzipien von Diesel- und Otto motoren, die deutlich effizienter mit dem Kraftstoff umgehen sollen
Opel: Die deutsche Marke befindet sich – im Gleichschritt mit dem Mutter konzern General Motors – auf einem «March to Zero Emissions». Erste Station des Weges ist die Optimierung der bekannten Verbrennungsmotoren. Sodann sollen Hybrid-Antriebe entwickelt und als dritter Schritt schliesslich die Brennstoffzellentechnologie zur Serienreife gebracht werden. Derzeit gibt es drei Opel-Modelle mit Erdgas-Antrieb (Zafira, Combo, Astra Caravan). Was die Hybridtechnik anlangt, so wird diese von General Motors im Verbund mit BMW und Daimler-Chrysler vorangetrieben. Was das Thema Wasserstoff und Brenn stoffzelle betrifft: General Motors, der grösste Autokonzern der Welt, steckte bislang mehr als eine Milliarde Dollar in die Erforschung dieser Zukunftstechnik. Aktuelles Ergebnis ist unter anderem der Opel Zafira Hydrogen 3 mit Wasserstoff tank und Brennstoffzellenantrieb.
Porsche: Wenn Leistung und Sport lichkeit die massgeblichen Gradmesser für einen Hersteller sind, dann wird es schwierig beim Thema alternative An triebe. Dieselmotoren sind für Porsche tabu, weil sie nicht den Performance Ansprüchen der Marke genügen. Statt dessen plant man «bis zum Ende dieses Jahrzehnts» einen Hybridantrieb für den SUV Cayenne. Zudem hat Porsche im Vorfeld des Salons «umfangreiche Mass nahmen zur Verbesserung der Umwelt verträglichkeit» angekündigt.
VW: Bei den Wolfsburgern herrscht Vielfalt in Sachen alternative Antriebe. Verfügbar sind verschiedene Modelle, die mit Erdgas oder Benzin betrieben werden können. Zudem arbeitet VW an der Serienreife von Hybridautos und entwickelt einen «Diesotto»-Motor, der nur mit speziellem, synthetischem Kraftstoff betrieben werden kann. Auch mit der Brennstoffzellen-Forschung befasst sich VW, erst vor einigen Wochen wurde die erste Hochtemperatur-Brennstoffzelle vorgestellt. Der Fahrplan für die weiteren Projekte: Bis 2010 soll ein Prototyp mit Hochtemperatur-Brennstoffzelle laufen, und «noch vor 2020», so sagt ein VWSprecher, solle «ein wettbewerbsfähiges Serienmodell auf der Strasse sein». In Genf zeigt VW den Passat Bluemotion.
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