Weltkonzern General Motors: Auf drei verschiedenen Wegen in die Zukunft
20. Mai 2008, 08:00Die Automobilbranche sucht nach der Antriebslösung der Zukunft. Weltkonzern General Motors (GM) forscht dabei in verschiedene Richtungen. Eine Strategie, die aufgehen könnte.
Von Thomas Borowski, Turin*
«Die Senkung von Treibstoffverbrauch und CO2-Emissionen sowie die Steigerung der Energievielfalt haben bei unseren Entwicklungsarbeiten oberste Priorität», sagt Mike Arcamone, Vice President GM Powertrain Europe in Turin. Hier hat General Motors (GM) als weltgrösster Automobilhersteller seinen europäischen Forschungshauptsitz für Motoren- und Getriebe-Technologien. Ein Bereich, der aus Umweltschutzgründen bei allen Automobilherstellern an Wichtigkeit dazugewonnen hat und heute zur grössten Herausforderung der Industrie zählt. Ein Bereich, der wie kein Zweiter darüber entscheidet, ob ein Auto mit seinen Verbrauchswerten die Akzeptanz der Käuferschaft – aber auch der Umweltgesetze verabschiedenden Politik – findet.
Dreigleisige Strategie
Alleine in Europa baut GM für seine Marken Opel, Saab, Chevrolet und Cadillac täglich 17'000 Motoren und Getriebe zusammen. Insgesamt sollen es weltweit jeden Tag mehr als 37'000 Motoren und 33'000 Getriebe sein. Verständlich also, dass General Motors Wert darauf legt, seine Bemühungen zur Emissionsreduzierung bekannt zu machen. Denn im Gegensatz zur Konkurrenz setzt GM hier auf eine dreigleisige Strategie, die nur von einem solchen Grosskonzern gefahren werden kann. Die Bereiche sind: Optimierung von Verbrennungsmotoren, Hybridund Elektrofahrzeuge und Wasserstoff-Brennstoffzellen-Elektrofahrzeuge.
Benziner mit Selbstzündung
«Wir sind der Überzeugung, dass Erdöl und Erdgas noch für die nächsten 20 bis 30 Jahre als Kraftstoff basis zur Verfügung stehen werden», sagt Professor Uwe Grebe, Exekutiv-Direktor bei der GM-Motorenvorausentwicklung. Deshalb habe die Verbesserung herkömmlicher Verbrennungsmotoren vordringliche Priorität, so Grebe. Bereits in der Fahrerprobung ist ein Benzinmotor mit Selbstzündung. Mit der von Dieselmotoren bekannten Technik soll laut GM der Benzinverbrauch um rund 15 Prozent sinken.
Weiter verspricht Grebe mit zwei neuen Motoren mehr Leistung bei geringerem Verbrauch: Ein 140 PS starker 1,4-Liter-Turbobenziner soll ab 2010 in Opel-Modellen 8 Prozent sparsamer sein und die Euro-5-Abgasnorm erfüllen. Und bereits ab kommendem Jahr gibt es in der Schweiz im Opel Zafira CNG neu einen 150 PS starken 1,6-Liter-CNG-Turbo mit Erdgasantrieb. Aber auch Verbrennungsmotoren, die mit Biokraftstoffen wie Biogas, Biodiesel oder Benzin-Ethanol-Gemisch E85 angetrieben werden können, bilden bei den GM-Marken Opel und Saab heute einen immer gefragteren Anteil umweltfreundlicher Motorisierungen.
Das zweite Standbein der GM-Strategie sollen laut Grebe in naher Zukunft die Hybrid-Fahrzeuge bilden. Als erstes GMModell wird in Europa demnächst der grosse SUV Cadillac Escalade serienmässig mit dem neu entwickelten 2-Mode-Hybrid angeboten. Das Antriebssystem kombiniert zwei Elektromotoren von je zirka 80 PS Leistung mit einem V8-Verbrennungsmotor, der auf E85-Biokraftstoff ausgelegt ist. Im Stadtverkehr wird das Auto laut GM Geschwindigkeiten bis zu 48 Stundenkilometern im reinen Elektroantrieb fahren können und damit im innerorts Treibstoffeinsparungen von bis zu 50 Prozent ermöglichen.
700 Ingenieure arbeiten am Volt
Auf dem Weg zum «Null-Emissionen-Fahrzeug» setzt auch General Motors auf den Elektroantrieb oder die Kombination von Wasserstoff-Brennstoffzellen und Elektroantrieb. Am GM-Konzeptfahrzeug Volt, das mit Elektroantrieb rund 700 Kilometer weit fahren kann und dabei einen CO2-Ausstoss von unter 40 Gramm pro Kilometer aufweisen soll, arbeiten laut Grebe derzeit über 700 GM-Ingenieure «als Toppriorität» an der Erarbeitung der Serienreife.
Und mit dem HydroGen4 startete GM im September 2007 bereits die vierte Testphase mit Brennstoffzellentechnologie. Hundert solcher Fahrzeuge durchlaufen derzeit bei Kunden in den USA Langzeittests. Zehn dieser mit 100 PS starken Elektromotoren ausgerüsteten und immerhin bis zu 160 Stundenkilometer schnellen Autos sollen laut Grebe noch im Laufe dieses Jahres in Berlin zu Testzwecken eingesetzt werden.
* Thomas Borowski besuchte die GM Tech Show in Italien am 15. Mai auf Einladung von General Motors Suisse SA.
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