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Renault Twingo

Der neue Twingo ist kein Twingo mehr

05. Juni 2007, 17:43

Schade! Oder doch nicht? Der Twingo, Renaults Kleinster, hat in 14 Jahren (fast) Kultstatus erlangt. Doch der Neue ist wenig aufregend – aber dafür in vielen Belangen das bessere Auto.

Erwachsen: Der Renault Nouveau Twingo ist kein Twingo mehr, sondern ein um 30 Zentimeter verkürzter Clio.
Erwachsen: Der Renault Nouveau Twingo ist kein Twingo mehr, sondern ein um 30 Zentimeter verkürzter Clio.
Von Peter Hegetschweiler, Ljubljana*

Niedlich war er für viele. Klein und eher hässlich für andere. Aber eigenständig, das war er in jedem Fall. Der Renault Twingo polarisierte vom ersten Tag an – und genau das war seine grosse Stärke. Obwohl man damals, 1993, noch nicht eigentlich befürchten musste, dass sich künftig die Autos, auch die Kleinsten, immer ähnlicher und noch ähnlicher werden. Von der Technik her genauso wie vom Design. Man denke nur an die Drillinge von Citroën (C 1), Peugeot (107) und Toyota (Aygo).

Mit dieser Eigenständigkeit ist es jetzt endgültig vorbei. Auch beim Twingo. Wohl deshalb hat man sich bei Renault lange überlegt, wie es weitergehen soll. Denn obwohl 14 Jahre eine fast schon rekordverdächtig lange Laufzeit bedeuten: Den Twingo haben die Franzosen immerhin 2,4 Millionen Mal verkauft.

Alles eine Frage des Geldes
Gerne hätte man das Besondere, das fast schon Kultige am knuddeligen Kleinen in irgend einer Form beibehalten. «Aber im Kleinwagen-Segment verdient man allein mit Kreativität und Innovation heute kein Geld mehr», gibt Philippe Boy, Marketing-Leiter des Twingo-Projekts am Hauptsitz in Paris, nüchtern zu bedenken. Das belegt er mit folgender Erkenntnis: «Die wichtigsten Kriterien beim Kauf sind heute das Handling, der Preis und der Verbrauch. In dieser Reihenfolge. Erst an vierter Stelle folgt das Design. Zudem erlangen Sicherheit und Robustheit auch bei den kleinsten Autos eine immer grössere Bedeutung. Nur als reines Stadtauto fährt heute längst keiner einen Renault Twingo mehr.» Aus diesen Gründen hat in Paris ein radikales Umdenken in Bezug auf die Neulancierung des Twingo stattgefunden: Der alte genügte in allen Belangen (längst) nicht mehr. Dass man nicht auch noch eine Namensänderung ins Auge fasste, hatte gemäss Philippe Boy ebenfalls finanzielle Gründe: «Bis ein neuer Name wirklich greift, muss sehr viel investiert werden. Das wollten wir uns ersparen.» Zudem sei man der Meinung, dass es für einen Kleinwagen von Renault auch in Zukunft kein besseres Synonym gebe als eben Twingo.

So ist der Nouveau Twingo, auch wenn ihn die Franzosen weiterhin so bezeichnen, kein Twingo mehr. Vielmehr ist er die um 30 Zentimeter verkürzte Version des Nouveau Clio, des Clio III. Der ist seinerseits mit exakt 3,986 Meter nur um wenige Millimeter kürzer als der Grande Punto von Fiat, der im B-Segment seit eineinhalb Jahren längenmässig die Marke setzt.

Da kann es für Renault eigentlich nur von Vorteil sein, dass sie mit dem Clio-Twingo eine schnittige Waffe im kaum weniger umstrittenen A-Segment erhalten. Und das ist er, der Neue, in vielen Belangen. Auf gleicher Plattform wie der Clio stehend, verfügt er über eine Vielzahl von Features und Attributen, die seinem grossen Bruder entsprechen und ihn auch sicherheitsmässig auf ein ganz anderes Level stellen. Und das bei einem Auto, das es in der Basisversion (1,2 Liter mit 60 PS) schon ab 12'990 Franken zu kaufen gibt.

Nun läuft der Twingo auch mit Diesel
Für den Marktstart in der Schweiz stehen vier Motorisierungen bereit, drei Benziner und erstmals überhaupt beim Twingo ein Diesel. Bei gleichem Hubraum von 1,2 Liter entwickelt der Basis-Benziner 60 PS, der 1.2 16V 75 PS und das Top-Aggregat der GT-Version gar 100 PS. Was den Nouveau Twingo selbst weit über die Stadtgrenzen hinaus zu einem sportlich-komfortablen Reiseauto macht (0 auf 100 km/h unter zehn Sekunden, Spitze 189 km/h). Der Preis steigt dann allerdings bis auf 20'390 Franken.

Der neue Diesel letztlich, der 1.5 dCi mit Common-Rail-Direkteinspritzung, erbringt eine Leistung von 65 PS und soll sich mit einem Verbrauch von 4,3 Liter bescheiden. Die Benziner schlucken je nach Motorisierung zwischen ebenfalls vernünftigen 5,6 und 5,9 Liter.

Klar, sparsam war der Twingo schon immer. Doch jetzt darf er sich auch rühmen, betont umweltfreundlich zu sein. Auch er basiert auf dem neuen eco2-Konzept von Renault, für die gesamte Baureihe soll ein Schadstoffausstoss von weniger als 140 g/km garantiert sein.

Renaults Gesamtziel ist es, künftig pro Jahr eine Million Autos zu produzieren, die diesen Wert nicht überschreiten.

* Peter Hegetschweiler fuhr den neuen Twingo auf Einladung von Renault Suisse am 31.5./1.6. in Slowenien.

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