Nissan Patrol
Edler Ausritt mit dem Zugpferd
19. Oktober 2004, 22:56Gezähmt hat Nissan den Patrol nicht. Aber die Japaner haben ihr erfolgreiches Allzweckfahrzeug um einiges eleganter gemacht.
Auch der neue Nissan Patrol bleibt, was er immer schon war. Ein Allzweckfahrzeug. Ein Arbeitstier. Änderungen an diesem Konzept, das sich seit über 50 Jahren bewährt hat, würde ihm seine Kundschaft - klein, aber fein (und vor allem markentreu) - nie verzeihen.
Ein Klassiker in mancher Hinsicht
Schon der Umstand, dass seit seiner Einführung erst die fünfte Generation auf dem Markt ist, sagt darüber eigentlich alles. Noch immer macht die klassische Bauweise dieses ebenso klassischen 4×4-Fahrzeuges, mit einer verwindungssteifen Ganzstahlkarosserie, die sprichwörtliche Robustheit des Autos aus.
Unangetastet lässt Nissan beim Patrol auch das Grundkonzept des Antriebsstrangs: Sowohl die Version mit der manuellen Fünfgangschaltung als auch das Automatikmodell verfügen nach wie vor über ein zweistufiges Verteilgetriebe, das per Wählhebel die Aktivierung des Allradantriebes wie auch einer Geländeunterstützung ermöglicht. So geschaltet, schafft der Patrol selbst in schwierigem Gelände Steigungen bis 39 Prozent, und Wasser bis zu einer Tiefe von 70 Zentimetern ist für ihn kein Problem. Selbst Wüstensand schreckt ihn nicht, in der Rallye Dakar-Paris hat er dies längst bewiesen.
Bei Testfahrten auf Sizilien hat uns der Patrol, Ausgabe 2005, nicht im Sand, aber auf (erkaltetem) Lavagestein überzeugt. Auf im wörtlichsten Sinn abwegigen Pfaden in Richtung Kraterrand ganz oben am 3300 Meter hohen Ätna schaffte er den Anstieg zunächst problemlos mit dem Hinterradantrieb. Erst als kaum mehr ein Vorwärtskommen möglich schien, schon gar nicht mit einem 2,4 Tonnen schweren und mehr als fünf Meter langen Fahrzeug, liess der zugeschaltete Allrad mit Untersetzung den Patrol auch diese Herausforderung meistern.
Da Nissans Zugpferd auch Anhängerlasten bis zu 3500 kg bewältigt (mit Automatikgetriebe 700 kg weniger), ergibt sich als Fazit: Der Patrol bleibt allen modischen Strömungen in diesem Segment zum Trotz der Crossover schlechthin.
Jedenfalls für alle, die ihr Auto auch tatsächlich in schwierigem Gelände nutzen wollen, nicht bloss zur Fahrt auf den Golfplatz oder zur Alphütte. Landwirten beispielsweise dient ein solcher Crossover, Bau- oder Bergführern. Oder Holzfällern, die mit dem Patrol auch Baumstämme wegschleppen können.
Etwas mehr Eleganz
Trotzdem: Im Sog der Crossover-Booms, dem sich auch Nissan mit Modellen wie dem X-Trail oder dem auf Frühjahr angekündigten Murano nicht entziehen kann, haben die Japaner auch den Patrol moderat dem Trend angepasst. In der Topversion Elegance etwa gibts Ledersitze in Alcantara, Armaturenträger und Türverkleidung sind zweifarbig, die Türgriffe verchromt. Erstmals bietet Nissan im Patrol ein Navigationssystem auf DVD-Basis an. Und mit Ausnahme des Daches haben die Designer alle Aussenbleche neu gestaltet, der Front einen Hauch von Eleganz verliehen. Selbst 17-Zoll-Leichtmetallfelgen können neuerdings geordert werden. Wer also tatsächlich will, kann selbst das Nissan-Zugpferd Patrol an einem sonnigen Sonntag für einmal zu einem edlen Ausritt nutzen.
Angetrieben wird der Patrol von einem Vierzylinder-Turbodiesel; von einem Sechszylinderaggregat will Nissan vorderhand nichts (mehr) wissen. Und kein Thema ist auch ein Russpartikelfilter. Der modifizierte 3,0-Liter-Direkteinspritzer mit Ladeluftkühlung und Abgasturbolader mit variabler Schaufelgeometrie leistet neu 160 PS (bisher 158), das maximale Drehmoment liegt schon ab 2000 U/min an und konnte im Vergleich zum Vorgängermodell von 354 auf 380 Newtonmeter gesteigert werden.
Spitzengeschwindigkeit (160 km/h) und Beschleunigung (0 auf 100 km/h in rund 15 Sekunden) sind bei einem solchen Auto eigentlich ohne Relevanz. Viel entscheidender sind die überdurchschnittliche Durchsetzungskraft im Gelände wie auch die Lade- und Zugkapazität. Und das bei einem Verbrauch von deutlich unter 10 Litern. Ausser man fährt eben doch in der Stadt herum.
In der dreitürigen Version ist der Nissan Patrol, Modelljahr 2005, ab 49 800 Fr. zu haben, als Fünftürer ab 55'400 Fr. Der Preis für die Luxusversion Elegance (nur fünftürig) beläuft sich auf 65'700 Fr. Die Auslieferung erfolgt ab sofort.
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