Mercedes SL 65
SL 65 AMG: Nicht von dieser Welt
11. April 2006, 13:20AMG, die Sportabteilung von Mercedes, zeigte in Spanien ihre neue V8-Palette. Doch kein Auto ist so faszinierend wie der SL 65 AMG. Wieso? Weil so viel Kraft noch nie so locker zu fahren war.
Einst war AMG der Haustuner von Mercedes, heute ist die Mercedes-Tochter AMG die Sportabteilung der Schwaben. Und Schwaben sind, das weiss man, einerseits fleissig und andererseits sehr geschäftstüchtig. So verwundert es keineswegs, dass AMG in diesem Jahr zur grössten Modelloffensive der 40-jährigen Firmengeschichte bläst. Denn die Nachfrage nach den Muscle Cars aus Affalterbach ist ungebrochen. «Seit 1999 haben sich unsere Verkaufszahlen mehr als vervierfacht», freut sich AMG-Chef Volker Mornhinweg. «Heute produzieren wir über 20 000 Hochleistungsautomobile pro Jahr: sportliche Coupés, Cabrios, Limousinen, Roadster und SUVs.»
Herzstück mit 6,3 Liter Hubraum
Während die beiden Topmodelle S 65 und SL 65 auch in Zukunft von dem legendären V12-Biturbo befeuert werden, präsentierte AMG in Granada das neue Herzstück der Modelloffensive: einen 6,3-Liter-V8-Saugmotor mit 481 bis 514 PS, je nachdem, in welchem Modell das neue AMG-Herz schlägt. «Der weltweit stärkste Serien-Saugmotor kombiniert auf einzigartige Weise hohe Drehzahlen mit grossem Hubraum», so Mornhinweg zu der ersten kompletten AMG-Eigenentwicklung.Versprechen gehalten: Der getestete Luxus-SUV ML 63 AMG verwandelt sich mit dem von den Schwaben stolz «63er» genannten neuen V8 in einen veritablen Sportwagen. Der Spurt von null auf Tempo 100 in fünf Sekunden und eine elektronisch abgeriegelte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h sind zwar durchaus beeindruckend, aber selbst eingefleischte Auto-und Rennsportfans müssen sich die Frage gefallen lassen, obs denn so viel Kraft wirklich in einem Auto – vor allem in einem SUV – braucht. Denn selbst wer den Zweitönner mit Samthandschuhen anfasst, kann die Physik nicht überlisten und wird wohl selten weniger als 18 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrennen.
16 AMG-Modelle
Unabhängig davon soll das AMGSportabzeichen bis Ende Jahr bereits an 16 verschiedenen Autos prangen. Damit deckt die Sportabteilung beinahe die gesamte Mercedes-Palette ab. Nur die A-und die B-Klasse kommen ohne AMGPower aus. «Und daran wird sich auch definitiv nichts ändern», beendet AMGChef Mornhinweg mögliche Spekulationen über eine sportliche Aufwertung der Kompaktklasse.Dafür denken die Schwaben bereits sehr intensiv über eine Sportversion des erst kürzlich vorgestellten Mercedes GL – einem über 5 Meter langen und 2 Meter breiten Fullsize-SUV – nach. Auch wenn der bullige «63er» bis Ende Jahr in 14 der 16 AMG-Modelle verbaut werden soll, bleibt der altbekannte V12-Biturbo aus dem SL 65 und dem S 65 das Nonplusultra in Sachen Leistung und vor allem Leistungsentfaltung. Denn während der «63er» nach Drehzahlen giert, stellt der V12 bereits zwischen 2000 und 4000 U/min elektronisch limitierte 1000 Newtonmeter zur Verfügung. Das genügt, um die S-Klasse in 4,4 Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen. Mit dem SL hat der 612 PS starke 6-Liter-Motor noch leichteres Spiel und rennt die Prestigestrecke in 4,2 Sekunden. Apropos Prestige: Der V12-Biturbo von AMG gewann bei den International Engine Awards erst kürzlich den Titel «Best Performance Engine».
Stärkster Serien-Roadster der Welt
Das macht durchaus Sinn. Denn die Fahrt mit dem SL 65 AMG ist tatsächlich ein exquisites Vergnügen, und im krassen Gegensatz zum Supersportler Mercedes SLR McLaren ist der laut AMG «stärkste Serien-Roadster der Welt» auch absolut alltagstauglich. Wer den Gasfuss und seine Emotionen im Griff hat, kann mit dem SL 65 AMG ebenso entspannt cruisen wie mit einem ganz gewöhnlichen Mercedes SL. Der Motor verzichtet auf jegliche Starallüren und gebärdet sich im Stadtverkehr ebenso souverän wie auf der Landstrasse, der Autobahn oder vor dem In-Lokal. Die 5-Gang-Automatik – zum «63er» liefert AMG eine 7-Gang-Automatik – passt hervorragend zu dem enorm durchzugsstarken Motor und verrichtet seine Arbeit absolut unaufgeregt und lässig.Wer trotzdem mal «das Biest» aus der schwäbischen Schönheit locken will, sollte dies unbedingt auf einer Rennstrecke tun. Denn trotz elektronischen Hilfen wie ESP und der weiterentwickelten Active Body Control, kurz ABC, ist der SL 65 AMG für den normalen Strassenverkehr eigentlich immer viel zu schnell.
Oder, wie es Xavier Naidoo so treffend besingt: «Das, was mir an dir gefällt, ist einfach nicht von dieser Welt.» AMG, die Sportabteilung von Mercedes, zeigte in Spanien ihre neue V8-Palette. Doch kein Auto ist so faszinierend wie der SL 65 AMG. Wieso? Weil so viel Kraft noch nie so locker zu fahren war.%perl>
Steckbrief
Marke/Modell:
Mercedes SL 65 AMG. Zweiplätziger Roadster mit Blechdach.
Motoren/Leistung:
6-Liter-12-Biturbo mit 612 PS und 1000 Nm Drehmoment.
Fahrleistungen:
0 bis 100 km/h in 4,2 Sekunden, Spitze 250 km/h.
Verbrauch:
Zwischen 10,4 Liter (Autobahn) und 23,4 Liter (Stadtverkehr). Schadstoff-Ausstoss 362 g/km.
Energieeffizienz:
G.
Preis:
Ab 326 400 Franken.
Informationen:
www.mercedes.ch
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