Statt fett mit Lara fit mit Maya

27. Juni 2005, 21:47

Die Spieleindustrie versucht sich im Gesundheitsmarkt. In den USA wurde eine virtuelle Fitnesstrainerin bereits zum Star.

Fitnessprofi Maya: Zu jeder Übung gibt sie Tipps, merkt sich, wenn man schwänzte, und überrascht mit kecken Sprüchen.
Fitnessprofi Maya: Zu jeder Übung gibt sie Tipps, merkt sich, wenn man schwänzte, und überrascht mit kecken Sprüchen.
Von Christian Bütikofer

«Baby, es geht nur um dich!» Maya flirtet gerne. Sie ist die persönliche Fitnesstrainerin im Computerspiel «Yourself Fitness» der amerikanischen Firma Respon Design. «Exergaming» nennt die Branche diese neue Gattung Spiele. Sie verbindet sportliche Betätigung (Exercise) mit Computerspielen (Gaming). Maya tut vieles für den schönen Körper wie ihre Konkurrentinnen aus herkömmlichen Fitnessvideos. Doch gegenüber ihnen hat sie einen Vorteil: Maya reagiert auf ihre Kunden. Sie belohnt nach Leistung wie in jedem normalen Computerspiel: Je länger man mit «Yourself Fitness» trainiert, desto mehr virtuelle Fitnessräume stehen zur Verfügung – vom Chinapark ab in die Wüste oder nach Hawaii. Und Maya verleiht auch Medaillen für besondere Leistungen, von Bronze bis zu Gold. Und sie fragt einen nach dem Befinden nach 20 harten Liegestützen: «War es auch gut für dich?»

Mit Durchschnitt zur Fitnessikone

Maya ist keine der bekannten Computer-Überfrauen wie Lara Croft. Ganz im Gegenteil: Maya hat auch Schönheitsfehler, wie diverse Leberflecken zeigen. Sie wurde kreiert, um unauffällig zu sein. Keiner Ethnie sollte sie zu sehr gleichen, sportliches Aussehen musste sie haben, ohne durch ihre Formen einzuschüchtern. Die Strategie ging auf: Die Figur wurde vom «Xbox Magazine» gleich zur virtuellen Frau des Jahres gekürt, das Spiel «Yourself Fitness» steht heute für die Exergaming-Industrie schlechthin. «Maya», sagt Phinea Barnes von Respon Design, «ist durch und durch ein Kunstprodukt, massgeschneidert auf die Bedürfnisse unserer Zielgruppe, der 25- bis 35-Jährigen.» Die sind besonders auf Schlanksein getrimmt.

Der Wunsch nach dem perfekten Körper ist alt, und so ist auch die Kombination von Fitness und Spiel für PCs eigentlich nichts Neues. Bereits in den 90er-Jahren startete die Firma Konami mit «Dance Dance Revolution» (DDR) ein Spiel, indem die Akteure zu vorgegebenen Mustern tanzten. DDR verkauft sich bis heute, das Spiel ist nun ausgerüstet mit einem Kalorienverbrennungszähler. Seit Dezember 2003 gingen mehr als 2 Millionen Kopien über den Ladentisch, obwohl DDR nicht mit dem Fitnessargument beworben wurde.

Die Erfolge von DDR und «Yourself Fitness» animierten bald weitere Firmen, auf den Trimm-dich-Zug aufzuspringen. Schon bald wird das geplante Playstation-Produkt «Kinetic» von Eye Toy die Etablierten konkurrieren. In diesem Exergame wird man zusätzlich durch eine Webkamera gefilmt. Die virtuellen Fitnesstrainer sollen dann noch aktiver auf die Leistungen ihrer Schützlinge reagieren.

Skepsis bei Experten

Konami, Eye Toy und Respon Design sind nicht die einzigen Exergaming-Unternehmen – viele weitere wittern das grosse Geld im Gesundheitsmarkt. Neben den jungen Erwachsenen haben diese Firmen vor allem eine Zielgruppe im Auge: die mit Videogames vertrauten übergewichtigen Kinder. In den USA leiden laut dem Center for Disease Control and Prevention (CDCP) nicht nur etliche Erwachsene an zu vielen Kilos, auch 16 Prozent der Knaben und 14 Prozent der Mädchen zwischen 6 und 11 Jahren sind übergewichtig. Einige Exergaming-Manager sehen in ihren Produkten gar die einzige Lösung für Amerikas Gewichtsproblem: «Wenn etwas Ihre Kinder von der Couch fernhält, dann unsere Produkte», sagt Shawn Clement, Verkaufsmanager der Firma Electric-Spin Corp., die ein Fitness-Golfspiel anbietet.

So sicher sind sich Gesundheitsexperten dessen nicht. Frank Hu, Professor für Ernährung der Universität Harvard, befürwortet zwar Exergaming, glaubt aber, dass das immer grösser werdende Gewichtsproblem in den USA nicht mit Computergames zu lösen ist. Etliche Eltern, die sich im Internet zu Familienthemen austauschen, sprechen Exergaming gar jeden Nutzen ab. So meint Mark Sicignano im Blog «Families and Technology»: «Exergaming ist etwa so sinnvoll wie die Zugabe von Vitaminen in Junkfood.»

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