Digital

Kleiner Liebling der Gamer und Hacker

29. August 2005, 20:49

Mit ihrer portablen Spielkonsole PSP will Sony nun auch den hiesigen Markt erobern und die Konkurrenz von Nintendo übertrumpfen.

Sonys Antwort auf den Gameboy kommt endlich in die Schweiz.
Sonys Antwort auf den Gameboy kommt endlich in die Schweiz.
Von Christian Bütikofer

Diese Woche landet die tragbare Spielkonsole PSP (Playstation Portable) nun auch in Europa. Die Konsole kommt fast ein Jahr nach ihrer Einführung in Japan sowie ein halbes nach der in den USA am 1. September in die Schweiz. Mit der PSP will Sony den führenden Hersteller in diesem Bereich – Nintendo – das Fürchten lehren.

Gamen, hören, gucken

Dies soll vor allem durch den Bildschirm geschehen – die PSP ist die einzige portable Konsole, die über einen vernünftig grossen Bildschirm verfügt. Auf anderen Kleinkonsolen schaut man in ein Fenster, hier versinkt man in den Spielen, vor allem, wenns so richtig rasant zu und her geht. Es verwundert daher nicht, dass zwei der drei mitgelieferten Games («Ridge Racer» und «Wipeout Pure») reine Rennkracher sind. Die analoge Taste und der breite Screen eignen sich beide hervorragend für Rennspiele. So viel Bildschirm hat seinen Preis: Die PSP ist ein richtiger Spielprügel, der nicht in jede Westentasche passt. Die mitgelieferte Schutzhülle erinnert eher an eine Neoprensocke und ist wahrlich dürftig ausgefallen. Als einzige portable Konsole bietet die PSP MP3-Unterstützung – doch damit wird ein MP3-Player wie der iPod noch lange nicht überflüssig. Ebenso verhält es sich mit der Foto- und der Videounterstützung: nette Gimmicks, die eigenständige Lösungen für diesen Bereich nicht abzulösen vermögen.

Es scheint, als hätte sich Sonys gewagte Strategie, zum Launchbeginn vor allem eigene, ziemlich ähnliche Lizenztitel der grossen Konsolen Playstation 1 und 2 auf die PSP zu portieren, nicht zu ihrem Nachteil gewendet.

Liebling der Hackerszene

Allen anderen portablen Konsolen um Meilen voraus ist die PSP vor allem in einem: Dank der leistungsfähigsten Hardware aller portablen Spielkonsolen und der Möglichkeit, die PSP auch mit USB-Memorysticks zu füttern, ist sie rasch zum Liebling der Hacker geworden. Diese bauen mit ausgeklügelten Programmen ältere Spielkonsolen auf der PSP nach (Emulation). So ist es möglich, Konsolenklassiker wie NES, SNES, Gameboy, MegaDrive, PC Engine oder auch den Computer Amiga auf der PSP zu simulieren. Damit stehen einem plötzlich Hunderte von älteren Spielen dieser Konsolen zur Verfügung. Die Games werden meist übers Internet heruntergeladen.

Daraus entstanden aber nicht nur Vorteile – bereits ist es einigen Programmierern gelungen, auf der PSP raubkopierte Spiele laufen zu lassen. Sie machen sich einen externen USB-Speicher zu Nutze und umgehen damit die proprietären kleinen Silberscheiben, auf denen die Spiele verkauft werden.

Natürlich will die PSP auch vielseitig vernetzbar sein – via Bluetooth und WLAN soll das möglich werden, neu gibt es sogar einen Webbrowser. Doch Spiele, die diese Funktionen unterstützen, sind Mangelware, und bis man unverhofft auf einen anderen PSP-Spieler trifft, mit dem man direkt über Bluetooth zocken kann, dürften ein paar Wochen vergehen.

Die Playstation Portable kostet hier knapp 400 Franken, jedes Spiel um die 80 Franken. Die PSP ist momentan zwar die stärkste Kleinkonsole – doch ihr Erfolg ist damit noch nicht garantiert: Entscheiden werden die Qualität und die Masse der verfügbaren Spiele – die sind bisher noch Mangelware. Darum dürfte es noch eine Weile dauern, bis Sony hier 400 000 verkaufte PSPs melden kann, wie dies Nintendo mit dem Gameboy bereits gelang.

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