Kompatible Musikshops bleiben ein Wunsch
10. Juli 2006, 00:47Das neue französische Urheberrecht verlangt, dass online gekaufte Musik auf den Playern verschiedener Hersteller läuft. Leider ist es ein Papiertiger.
Seit gut zwei Jahren gibt es auch bei uns die Möglichkeit, einzelne Songs und ganze Alben legal im Internet zu kaufen. Weltweiter Marktführer ist iTunes von Apple, wo seit dem US-Start 2003 bereits über eine Milliarde Musiktitel verkauft wurden. Weitere, nicht ganz so erfolgreiche Angebote gibt es unter anderem von Sony (Connect) oder Microsoft (MSN Music).
Wer bei iTunes oder Connect Musik kauft, darf diese auf seinem PC hören oder auf CD brennen, möchten die Kunden sie aber unterwegs auf einem mobilen Player geniessen, sind sie gezwungen, den passenden MP3-Player vom jeweiligen Hersteller zu benutzen (iPod für iTunes, ein Sony-Player für Connect). Damit verdienen die Anbieter nämlich ihr Geld, die Onlineshops werfen ihnen kaum etwas ab, da der Löwenanteil des Verkaufspreises an die Musikindustrie und die Kreditkartenanbieter geht. Folglich haben sie kein Interesse, dass die Leute ihre Onlineshops dazu nutzen würden, die Player anderer Hersteller zu füllen. MSN Music harmoniert zwar mit den Playern verschiedener Hersteller (jedoch weder mit Apple- noch mit Sony-Geräten). Mittlerweile arbeitet selbst Microsoft an einem eigenen MP3-Player, denn das geschlossene Geschäftsmodell à la Apple und Sony ist viel erfolgreicher.
Für eine freie Wahl des Players
Das Nachsehen haben die Kunden, denn sie müssen sich für einen Anbieter entschliessen und sind auf absehbare Zeit festgefahren, was ihre MP3-Player-Auswahl angeht. Diese unbefriedigende Situation für die Kunden ist darüber hinaus ein Hemmnis für das Geschäft mit den legalen Downloads. Diese wachsen zwar rasant, gerade hat die Ifpi Zahlen veröffentlicht, die von einer Verdreifachung der Onlineverkäufe gegenüber dem Vorjahr berichten. Doch gemäss verschiedener Analysten könnte das Geschäft noch viel besser laufen, wenn die Kunden dieser Läden ihre Player frei wählen dürften.
Just dies zu ermöglichen, dazu sind französische Gesetzesmacher Anfang Jahr angetreten und wollten im neuen Urheberrecht vorschreiben, dass Anbieter besagter Shops ihre Verschlüsselungstechnologien (DRM) gegenseitig anderen Herstellern offen legen müssen.
Die Piraterie-Keule schlägt zu
Bereits diese Absicht führte zu einem Aufschrei der Anbieter, Apple sprach offiziell von «staatlich geförderter Piraterie», mit der etwas abwegigen Begründung, dass die Weitergabe ihres DRM-Systems an andere Hersteller unweigerlich dazu führen würde, dass ihr DRM von jedermann umgangen werden könnte. Lobbyisten haben in der Folge heftig interveniert und dabei zur Piraterie-Keule gegriffen: Wenn das Gesetz so in Kraft trete, sei man gezwungen, die legalen Angebote aus Frankreich abzuziehen. Folglich blieben dann nur noch illegale Wege, online an Musik heranzukommen.
Das Argument hat gezogen. Im nun beschlossenen Gesetz ist die ursprüngliche Forderung zwar drin, doch daneben liefert es den Anbietern gleich die Möglichkeiten mit, ihre geschlossenen Geschäftsmodelle weiterzuführen. So ist es nämlich auch künftig legal, dass verkaufte Songs nur auf den eigenen Playern laufen, wenn die Inhaber des Urheberrechts dem zustimmen. Kaum ein Künstler oder eine Plattenfirma wird sich das Onlinegeschäft vermiesen, indem es dabei nicht mitspielt. Die Piraterie-Keule wirkt auch hier.
Apple will zum aktuellen französischen Gesetz und zu den Folgen für iTunes keinen Kommentar abgeben. Bei Sony prüft man derzeit noch die neue Situation, will aber ebenfalls noch nichts sagen.
Aufbegehren in weiteren Ländern
Somit haben Apple, Sony und Co. eine wichtige Schlacht für sich entschieden. Ihr Ausgang zeigt, wie wenig nationale Gesetze gegen international agierende Unternehmen mit einer gewissen Marktmacht ausrichten können. Zwar begehren weitere Länder, darunter die skandinavischen, ähnlich wie die Franzosen auf, doch sollte man sich als Konsument nicht allzu viel davon versprechen. In der Schweiz läuft ebenfalls eine Revision des Urheberrechts; ein Passus, der verlangt hatte, dass gekaufte Musik auf allen Geräten abspielbar sein muss, ist bereits gekippt worden.
Immerhin kann man den MP3-Player seiner Wahl weiterhin mit Musik ab CD füllen – sofern einem die Musikindustrie dabei nicht ebenfalls Steine in den Weg legt. Da überrascht es wenig, dass die illegalen Downloads weiterhin florieren. Die laufen auf jedem Abspielgerät.
































































