Auf der Suche nach Google
03. September 2004, 13:53Die kultige Internetfirma aus dem Silicon Valley hat mit ihrem Börsengang für Aufsehen gesorgt. In Zürich, wo sie ein Forschungszentrum aufbaut, ist sie dagegen kaum greifbar.
Von Felix Müller
Zürich. – Google steht für einfaches Suchen. Auf sich selbst scheint die seit kurzem börsenkotierte Firma ihre Kernkompetenz allerdings nicht anzuwenden. Zumindest in Zürich nicht, wo Google daran sein soll, das europäische Forschungszentrum einzurichten. Gesichert ist: Das Unternehmen aus dem kalifornischen Mountain View hat Büros im zweiten Stock des hellblau gestrichenen Waser-Hauses am Limmatquai bezogen. Gerüchteweise ist zu hören, dass Google im Frühjahr die inzwischen der Post gehörende Schweizer Suchmaschine search.ch kaufen wollte, deren damalige Besitzer dies jedoch ablehnten. Von den angekündigten hochkarätigen und hoch bezahlten Informatikerinnen und Informatikern im Dutzendpack sollen bisher fünf bis sechs am Limmatquai vor ihren Bildschirmen sitzen. Wer von Google mehr zu den Plänen in Zürich erfahren will, brennt bei den als chaotisch und unkommunikativ bekannten Kaliforniern an.
Der erste Suchschritt (vor drei Monaten) liess sich noch gut an. Auf das englisch formulierte Mail an die Konzernzentrale trifft innert Sekunden eine automatisierte Antwort ein – man melde sich umgehend. Dann folgen drei Wochen Funkstille und der Rat von Branchenkennern, nicht Mountain View zu kontaktieren, sondern das Verkaufsbüro in Deutschland. Für einmal hilft Google – digital – weiter: Das Büro ist in Hamburg, und dort gibt es sogar einen Kommunikationsverantwortlichen namens Stefan Keuchel. Der nimmt das Telefon ab, erklärt sich zuständig. Also, jetzt geht es vorwärts, die erweiterte Suche hat funktioniert.
Was dann folgt, ist eine eigentliche Odyssee, die sich über zwei Monate erstreckt. Zuerst findet Keuchel, es sei noch nicht der richtige Zeitpunkt, um über Google in Zürich zu berichten. Doch in einem Monat sei es so weit. Vier Wochen später gehen Mails hin – und kaum einmal zurück, weil Keuchel keine Antwort gibt. Seinen Büroanschluss nimmt er nicht ab, und wenn er mal via Handy erreichbar ist, lässt er mit verschwörerisch leiser Stimme wissen, er sei in einer Sitzung und rufe zurück. Was er nie tut.
Sofas und Bier im Empfangsraum
Dann klappt es endlich – via Mail. Ende August komme er nach Zürich und stehe Red und Antwort. Einen Tag vor dem Termin sind allerdings immer noch keine Details fixiert, und Keuchel ist hartnäckig nicht erreichbar. Vielleicht lohnt es sich doch, am vereinbarten Tag rasch am Limmatquai vorbeizuschauen. Auf das Läuten öffnet eine verschlafene junge Amerikanerin. Es ist der Tag nach dem Börsengang, vielleicht ist sie mit ihren Mitarbeiteraktien über Nacht reich geworden und hat gefeiert. Barfuss steht sie im Türrahmen, der alte Geist – Googles erster Standort soll eine Garage gewesen sein – ist also noch da. Im Hintergrund zeichnet sich eine Bürolandschaft ab, die gestylt wirkt. Bunte Sofas stehen im Empfangsraum, mit niedlichen Google-Kissen drauf. Violette Leuchten geben Licht. Ein verglaster Getränkeautomat enthält Eistee, Softdrinks und zuunterst Bier. Nein, sie dürfe keine Auskunft geben, sagt die Amerikanerin, und dort sei die Türe.
In der Branche heisst es, dass die Google-Pläne für das Forschungszentrum in Zürich vor allem auf die persönliche Initiative von Europäern zurückgehen. Eine davon soll die 38-jährige deutsche Starinformatikerin Monika Henzinger sein, die ihre zwei Kinder in Europa aufziehen will. Henzinger war seit 2001 Forschungsdirektorin bei Google, hat aber just jetzt eine Professorenstelle an der ETH in Lausanne angenommen. «Ein schwerer Verlust für Google», sagen Informatikspezialisten.
Dependance für Amerikamüde
Was Google wirklich in Zürich vorhat, bleibt unklar. Ist das Büro am Limmatquai nur eine Dependance für American-Lifestyle-Müde, oder entsteht tatsächlich ein Forschungszentrum, das sich etwa mit dem Aufbau der nächsten Generation von Suchmaschinen befasst? Ein letzter Versuch am Limmatquai: Nein, man dürfe keine Auskunft geben. Zuständig sei eine PR-Managerin in der Zentrale im Silicon Valley. Wetten, dass diese an Stefan Keuchel in Hamburg verweist?
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