Digital

Bücher ausleihen – online

27. Dezember 2004, 21:19

In den USA lassen Bibliotheken ihre Bestände von Google digitalisieren, und Benutzer können elektronische Bücher übers Internet ausleihen. Die hiesigen Büchereien staunen.

Elektronische Bücher lassen sich rund um die Uhr und überall ausleihen.
Elektronische Bücher lassen sich rund um die Uhr und überall ausleihen.
Von Simone Luchetta

Kürzlich meldete die Suchmaschine Google, dass sie dabei sei, den Bestand grosser amerikanischer Universitäten einzuscannen und in den Suchmaschinenindex aufzunehmen. Angefangen wird zunächst mit fünf führenden Bibliotheken: Nebst Oxford, Harvard und Stanford beteiligen sich Michigan und die New York Public Library. Die ersten 10 000 Bände sind bereits online verfügbar.

Die New York Public Library ( www.nypl.org ) geht einen Schritt weiter. Seit Anfang November können sich ihre 1,8 Millionen Mitglieder durch eine elektronische Bibliothek von 3000 Titeln klicken und dabei zwischen Bestsellern, Romanen und Ratgeberliteratur wählen. Die Benutzer leihen die elektronischen Texte wie üblich für eine bestimmte Zeit aus, laden sie herunter und lesen sie auf dem Computer, auf einem Taschencomputer (auch Handheld oder PDA genannt), oder einem anderen Gerät, das mit einer Gratis-Reader-Software ausgerüstet ist. Ist das Buch fällig, werden die Dateien unlesbar und der Titel in den Kreislauf zurückgeführt. Mahngebühren entfallen.

Die ausgeliehenen Texte sind unendlich auf Papier kopierbar, digitale Kopien können keine gezogen werden. In den ersten acht Tagen wurden so 1000 Bücher ausgeliehen, 400 Titel standen auf der Warteliste, wie die «New York Times» berichtete. Ein Vorteil elektronischer Bibliotheken liegt in der Verfügbarkeit. Wer ein E-Book ausleihen will, kann dies zu jeder Zeit und von jedem Internetcomputer auf der Welt aus tun. Zudem sind E-Books leicht und prädestiniert, das chronische Platzproblem der Bibliotheken zu lösen.

Schlüsselfeature: Tragbarkeit

Neu ist die elektronische Ausleihe nicht. Seit 1998 gibt es netLibrary, eine Online-E-Book-Sammlung ausschliesslich für Bibliotheken. Aber die New Yorker warteten vor dem Start bewusst auf eine Software, die es den Nutzern erlaubt, die Texte auf den Handhelds zu lesen und nicht am Computer. Geliefert hat ihnen diese schliesslich die Firma OverDrive, die im November auch ein Programm für die Ausleihe von Hörbüchern auf den Markt brachte. In Cleveland wird sie bereits mit Erfolg eingesetzt.

«Vor Jahren konnten die Bibliotheksbenutzer online Kataloge abfragen, Bücher reservieren und Mahngebühren zahlen. Heute können sie nicht nur E-Books und Hörbücher ausleihen, sondern Filmtrailer ansehen und bald auch aktuelle Filme ausleihen», schreibt die «New York Times».

Hier zu Lande sieht es anders aus. Surfende Bibliotheksbenutzer können vom heimischen Computer aus immer noch nur recherchieren und reservieren oder die Gebühren zahlen. Wer nach E-Books fragt, merkt bald, dass er oder sie von tiefster Zukunft spricht. Man habe von der E-Book-Ausleihe Kenntnis, ähnliche Projekte in der Schweiz seien aber nicht bekannt, sagt etwa der Sprecher der Zentralbibliothek (ZB) Zürich. Als Grund wird hier und auch in der Landesbibliothek in Bern das Urheberrecht ins Feld geführt. Dass in den USA dieses Problem offenbar gelöst wurde, ist entgangen. Und dass die E-Book-Ausleihe auch eine technische Herausforderung ist, hat – so scheints – hier noch gar niemand gemerkt.

Digital

Meistgelesen in der Rubrik Digital

Lokale Suche

Marktplatz

Facebook

Werden Sie Tagi-Fan.

Internet auf dem Fernsehen: Der Trend geht klar in diese Richtung. Werden Sie sich einen Smart TV kaufen?

Ja, auf jeden Fall

 
15.1%

Nein, interessiert mich nicht

 
40.2%

Erst wenn die Geräte billiger geworden sind

 
35.1%

Ich habe schon einen

 
9.7%