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Hollywood nascht vom Tauschbörsentopf

10. April 2006, 22:17

Filme übers Netz herunterladen ist praktisch, bequem – und meistens illegal. Mit In2Movies gibts in der Schweiz bald Harry Potter und Co. legal im Internet.

Von Christian Bütikofer

Wer heute die neusten Kinofilme zu Hause geniessen will, lädt die Streifen illegal über so genannte Tauschbörsensoftware herunter. Eine legale Alternative existiert nicht. Die Filmindustrie übte sich bisher lieber im Verklagen und Verteufeln der Tauschbörsennutzer, statt Alternativen anzubieten.

Das wird sich nun alles ändern, geht es nach dem Willen des Hollywood-Studios Warner Bros, das zum US-Medienriesen Time Warner Inc. gehört. Mit der Webseite In2Movies ( www.in2movies.ch ) will Warner eine «Download-to-Own-Plattform für Spielfilme und TV-Serien» in Deutschland, der Deutschschweiz und Österreich schaffen. Doch was steckt hinter dem Schlagwort «Download-to-Own»?

Bei In2Movies kann man die bezahlten Filme für immer behalten. Dies im Gegensatz zu so genannten Video-on-Demand-Angeboten, wo die heruntergeladenen Filme nach einiger Zeit nicht mehr laufen.

Damit stellt sich In2Movies der Konkurrenz von Video-on-Demand-Anbietern wie Cablecom oder Bluewin. Die Filme von In2Movies werden übers Internet heruntergeladen, was mit einer ähnlichen Technik geschieht, wie sie die bekannten Tauschbörsenprogramme schon lange einsetzen: Wer bei In2Movies einen Film herunterlädt, gibt gleichzeitig anderen In2Movies-Benutzern, die den gleichen Film übertragen, seine Datenteile weiter. Das macht den Download schneller.

Damit die Filme nicht illegal verbreitet werden, setzt In2Movies zusätzlich auf eine Download-Plattform des Medienhauses Bertelsmann. Wer anderen Benutzern seine heruntergeladenen Filme mit der In2Movies-Tauschbörsensoftware anbietet, erhält «Credits», die man bei weiteren Einkäufen einlösen kann.

Billiger als DVD, dafür weniger Inhalt

«In einer ersten Phase», so Jürg Hofmann, Managing Director von Warner Home Video Schweiz, «wird in der Schweiz das gleiche Material wie in Deutschland angeboten.» Danach ist denkbar, dass Filmmaterial speziell für Schweizer Bedürfnisse bereitsteht. Das müssen nicht nur spezielle Filme sein; auch zusätzliche Features wie englischer Ton und deutsche Untertitel sind möglich.

Denn beim Start von In2Movies gibts die Filme nur in deutscher Synchronisation. Das gefällt zwar dem deutschen Geschmack, in der Schweiz wird jedoch oft die Originalsprache mit deutschen Untertiteln vorgezogen. Die Filme bei In2Movies enthalten zudem kein Bonusmaterial und keine weiteren Tonspuren, was bei einer gekauften DVD normalerweise beides enthalten ist. Zudem lassen sich die Filme nur mit dem Windows Media Player 10 anschauen, was Windows XP zwingend voraussetzt. In der ersten Phase ist es auch nicht möglich, die Filme auf ein Medium wie einen DVD-Rohling zu sichern. Daher liegt der Preis einer Download-DVD leicht unter dem einer DVD, die man im Laden kauft. Laut Hofmann will Warner aber eine «Kannibalisierung der DVD» verhindern.

«Antwort auf Piraterie»

Das Projekt ist weit fortgeschritten. In Deutschland und Österreich startet das Angebot am 12. April. Jürg Hofmann hofft, dass In2Movies in der Deutschschweiz zwischen Mai/Juni bereitsteht. Für ihn ist das Projekt «eine Antwort auf die Piraterie». «73 Prozent der Tauschbörsenbenutzer würden gerne Filme legal herunterladen und etwas dafür bezahlen», sagt er und spricht damit die GfK-Brennerstudie 2005 an, die in Deutschland von der Filmförderungsanstalt Berlin erhoben wurde.

«Das Ziel von In2Movies ist die Day-on-Day-Veröffentlichung», sagt Hofmann. Das heisst: Sobald ein Film als DVD erhältlich ist, steht er auch zum Download bereit. Das kommt nicht von ungefähr: Bei Warner hat man festgestellt, dass die Filme vor allem ab dem Zeitpunkt illegal ins Netz gestellt werden, sobald sie als DVD verfügbar sind.

Doch In2Movies ist nicht nur ein Mittel zur Pirateriebekämpfung. Jürg Hofmann sieht die Plattform als eine «mögliche Alternative zu den DVD-Läden», die einen «Zusatzmarkt» eröffne, denn In2Movies führe zu einer Erweiterung des Angebots. Offenbar spekuliert man bei Warner darauf, dass Filme, die im Retail-Geschäft nur ein Nischenpublikum ansprechen oder unerwartet schlecht laufen, übers Internet ohne grossen Aufwand trotzdem weiterhin bequem zum Verkauf stehen.

www.in2movies.ch

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