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Das offene Wikipedia bringt dem Netz mehr Qualität

26. Juni 2006, 23:39

Am Wikipedia-Tag 2006 in Zürich informierten die Macher des Lexikons über ihre Arbeit. Und ETH-Professor Bertrand Meyer bekennt sich zum freien Nachschlagewerk.

Bertrand Meyer mag Wikipedia.
Bertrand Meyer mag Wikipedia.
Von Christian Bütikofer

Sein vermeintlicher Tod wurde im Lexikon Wikipedia an Weihnachten 2005 verkündet. Doch Bertrand Meyer, Informatikprofessor an der ETH, nahms gelassen. Nun hielt er am Wikipedia-Tag in Zürich einen lebendigen Vortrag zum freien Lexikon Wikipedia. Darin stellte er klar, warum er das Nachschlagewerk trotz wiederholter Kontroversen um falsche Lexikoneinträge als eine bedeutende Komponente des Internets betrachtet.

Wikipedia ist ein so genanntes Wiki. Darunter versteht man eine im Web verfügbare Seitensammlung, die von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch online geändert werden kann. Das bekannteste Wiki ist das besagte freie Lexikon Wikipedia. Weil jedermann Artikel erstellen und verändern kann, ist es jedoch auch möglich, dass sich Fehler einschleichen oder jemand absichtlich Falschinformationen verbreitet – wie geschehen im Fall von Bertrand Meyers Biografie, die in Wikipedia abrufbar ist.

Auf Grund dieses offenen Systems wächst das Lexikon zwar schnell und wäre wohl ansonsten gar nie so erfolgreich geworden, wie es heute ist. Wegen Falschinformationen wurde Wikipedia aber auch massiv kritisiert – nicht wenige sprechen ihr ab, als verlässliches Lexikon zu taugen.

Dauerhafter und zuverlässiger

Wenn Bertrand Meyer diese Kritik hört, dann vermutet er ein Missverständnis: «Wikipedia steht nicht mit zertifizierten Lexika wie der ‹Encyclopedia Britannica› im Wettstreit», mein Meyer, sondern Wikipedia «misst sich mit Non-Wikipedia-Webseiten». Millionen von Leuten würden das Internet zum Überprüfen und Finden von Informationen benutzen. Schon vor Wikipedia wurde das Web zu einer Primärquelle für Antworten auf spezifische, einfache Fragen. Früher hätte man eine Suchmaschine angeworfen und für seine Fragen auf irgendeiner Webseite eine Antwort gefunden - die Frage war nur, ob diese Webseite verlässliche Antworten lieferte. Heute sei dank Wikipedia die Qualität der Antworten im Web markant gestiegen.

Ein anderes Problem des Internets, das dank Wikipedia weit gehend gelöst wurde, ist nach Meyer die Dauerhaftigkeit. Damit spricht er das Problem an, dass viele Webseiten mit der Zeit wieder verschwinden. So hat Meyer für ein Buchprojekt grossen Aufwand betreiben müssen, nur damit die Links, die er im Buch angab, nicht gleich wieder verschwinden. Wikipedia liefert hier Stabilität.

Wikis sind virtuelle Wandtafeln

Der Erfolg von Wikipedia zeigt das Potenzial der Wikis. Wie Professor Beat Döbeli von der Fachhochschule Nordwestschweiz in einem anderen Vortrag erklärte, würden Webseiten nach dem Wiki-Prinzip immer mehr an Schulen eingesetzt. Döbeli verglich Wikis mit einer virtuellen Wandtafel; das Internet würde so erstmals zu einem Medium, das Lehrer und Schüler fürs Teamwork sinnvoll nutzen könnten. Das aktive Erstellen von Beiträgen fördere die Motivation der Schüler; die Möglichkeiten zur Veränderung von Inhalten führe zu einer verstärkten inhaltlichen Auseinandersetzung; die Verknüpfungsmöglichkeiten (Links) zu einer Verankerung des Wissens; die Teamwork-Komponente fördere die Sozialkompetenz, und da zum Schreiben in Wikis keine Programmierkenntnisse nötig seien, würden die Hürden zur Nutzung von Wikis bei Lehrern und Schülern beträchtlich gesenkt.

www.wikimedia.ch
www.wikipedia.ch

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