Der Begriff «Podcast» stösst an Grenzen
16. Oktober 2006, 21:58Statt des bereits einigermassen etablierten Begriffs «Podcast» wünscht sich der bekannteste Podcaster der USA eine Umbenennung in Netcast.
Es tönt wie eine totale Schnapsidee. In einer Phase, in der ein noch nicht einmal zweijähriges, frisches Medium gerade zum Sprung aus der Freak-Ecke in Richtung Mainstream ansetzt, entfacht sich ein Streit über dessen Bezeichnung. Doch die Kritik am Namen Podcast hat beim genaueren Hinhören durchaus ihre Berechtigung.
Auslöser ist der Umstand, dass Apple zunehmend aggressiver den Begriff «Pod» für sich beansprucht, da sie ihre Marke iPod schützen will. So wurden unter anderem die Macher der Software iPodder von Apples Rechtsabteilung gezwungen, ihr Programm umzutaufen. Nun kann man damit zwar immer noch Podcasts abonnieren und herunterladen, doch die Software heisst nun Juice. Etliche Podcaster befürchten, dass Apple auch ihnen gegenüber solche Forderungen aufstellen könnte, was bisher allerdings nicht passiert ist.
Eigentlich ist Apple ein grosser Förderer der Podcasts, da man diese direkt in der zum iPod gehörigen PC- und Mac-Software iTunes abonnieren kann. Drei von vier Podcasts werden auf diesem Weg heruntergeladen. Der iPod-Hersteller ist dabei natürlich alles andere als selbstlos, denn sein namensstiftender MP3-Player profitiert von jeder Nennung des Begriffs Podcast.
Podcasts kommen auch ohne iPod aus
Umgekehrt führt dieser Name allerdings auch zu Missverständnissen. «Es passiert mir immer noch zu oft, dass Leute auf mich zukommen und sagen, sie würden ja gerne meine Podcasts hören, hätten aber leider keinen iPod», beklagt sich der US-Podcaster Leo Laporte. Die Mehrheit des Publikums hört die Podcasts direkt am Computer und gar nicht auf einem MP3-Player. «Ich danke Apple für alles, was sie für uns getan haben, aber es gab uns schon, bevor sie aufgesprungen sind», sagt Laporte.
Diese Kritik kommt nicht etwa aus dem Mund eines notorischen Mac-Hassers, im Gegenteil: Laporte hat schon zahlreiche Bücher über Macs geschrieben und macht in all seinen Podcasts, die bis zu 300 000 Hörer zählen, kein Geheimnis daraus, dass der Ex-Radio-Sprecher und frühere Mac-Programmierer ein grosser Apple-Fan ist. Vor kurzem wurde er zur «Podcast-Person des Jahres» gewählt. Laporte nutzt die Gelegenheit zu einem Aufruf, die Bezeichnung zu überdenken. Er schlägt Netcast vor und überlegt öffentlich, den Begriff schützen zu lassen. «Nicht für mich selbst, ich würde ihn umgehend einem unabhängigen Konsortium abtreten», versichert er.
Ncast, Zencast oder gar nichts
Denn Apples Unterstützung schreckt andere Hersteller davon ab, ebenfalls auf den Begriff Podcast zu setzen. So versucht etwa Creative, wenn auch erfolglos, diese als Zencast vor den Wagen ihrer eigenen MP3-Player namens Zen zu spannen. Nokia hätte sie neuerdings gerne als Ncast auf ihren Handys der N-Serie.
Noch schlimmer aber ist es, wenn namhafte Hersteller ganz auf die Unterstützung von Podcasts verzichten. So sucht man etwa im Menü des kommenden Zune von Microsoft vergeblich nach Podcasts, auch unter keinem anderen Namen werden sie unterstützt. Dasselbe gilt für den Windows Media Player oder Windows Vista generell. Microsoft hat verständlicherweise wenig Lust, auf ihrem MP3-Player indirekt Werbung für die Konkurrenz zu machen. «Das schadet uns Podcastern», so Laporte, «und es schadet den Hörern, weil sie je länger, je mehr nur noch eine Quelle für Podcasts haben, nämlich iTunes.»
Für Netcast ist es schon zu spät
Laporte ist Medienprofi genug, um zu wissen, dass der Zug für eine Umbenennung längst abgefahren ist. «Podcast als Name wird erhalten bleiben, ich bin nicht naiv. Aber unser Hauptanliegen als Pod- respektive Netcaster muss es sein, unser Publikum zu erweitern. Darum stosse ich letztlich diese Diskussion an», sagt Laporte.
Die Podcaster-Gemeinde reagiert denn auch eher verhalten auf Laportes Ideen. Zwar stimmen die meisten seiner Argumentation zu, doch den Namen jetzt zu ändern, halten sie für schlicht unmöglich. «Optimal wäre es gewesen, wenn wir von Anfang an einen neutralen Namen benutzt hätten» schreibt ein Kommentator auf Digg.com . Doch mittlerweile steht der Begriff Podcast ja schon im Duden, und alle grossen Medienhäuser, die selber entsprechende Angebote produzieren, setzen voll auf den Begriff Podcast.%perl>
«Digital» startet Digitalk
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Zu Gast in der ersten Ausgabe sind Matthias Aebi, Schweizer Internetpionier und Mitinhaber von Futurelab ( www.futurelab.ch ), und Matthias Leisi, Ex-Präsident der SIUG (Swiss Internet User Group, www. siug.ch ). Die Themen der Woche sind unter anderem Google und YouTube, der Streit um den Begriff «Podcast» und die Frage, wie viel seiner persönlichen Daten soll man Firmen wie Google oder dem Internet generell anvertrauen?
Mit dem auf «Tages-Anzeiger Online» verfügbaren Podcast betreten die beiden «Digital»-Redaktoren Roger Zedi und Matthias Schüssler mediales Neuland. Digitalk wird sich in den kommenden Wochen weiterentwickeln, wobei auch dem Feedback der Hörer Rechnung getragen wird. Kritik, Fragen und Wünsche nehmen sie gerne per E-Mail auf digital@tagesanzeiger.ch entgegen. (TA)
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