Die meiste Gratis-Musik gibts via Google
11. Februar 2008, 17:27Musik gibts gratis im Web, eine kleine Software findet sie leicht. Und an der Uni Florida entsteht ein Musikdienst, der einen fürs Tauschen bezahlen will.
Von Christian Bütikofer
Es war schlichtweg Betrug. Mit grossem Getöse verkündete die amerikanische Firma Qtrax Ende Januar an der Musikmesse Midem in Cannes, sie würde dieser Tage einen weltweit zugänglichen Gratis-Downloaddienst für Musik starten. Qtrax, mit angeblich 25 Millionen Songs, die neue Napster-Suchmaschine? Mitnichten. Bis heute funktioniert vom «Dienst» vor allem das Anmeldeformular.
Ein anderer Gratis-Downloaddienst existiert dafür schon lange. Die Suchmaschine Google findet auch Musikdateien en masse, doch bis vor kurzem waren nur versierte Nutzer in der Lage, die dazu benötigten Suchbegriffe – auch «Google Hacks» genannt – richtig einzusetzen. Mit dem kleinen Programm Google Hacks, das Google selbst anbietet, wird die Suche nach MP3 und Co. zum Kinderspiel ( http://code.google.com/p/googlehacks ). Die Software kann aber noch mehr: Auch E-Books, Videos oder Schriften spürt es zum Download auf. Während der Installation sollte man darauf achten, die Option «Toolbar» nicht auszuwählen, sonst klinkt sich nach der Google Hacks-Installation auch noch eine nervende Toolbar in den Browser ein. Mit dem Google Hack-Progrämmchen findet man ganz einfach ganze Alben oder einzelne Musikstücke, die Bands wie die Smashing Pumpkins gratis ins Netz stellten.
Google Hacks hat nichts mit dem Bittorrent-Netzwerk zu tun. Eigentlich gibt es nirgendwo wie in diesem Netzwerk so einfach und schnell Gratismusik – eine CD ist innerhalb von Minuten auf dem Rechner. Die Sache hat aber einen Haken: Wer mit Bittorrent-Programmen Songs herunterlädt, muss sie auch anderen anbieten und verstösst dadurch mit grosser Wahrscheinlichkeit gegen das Urheberrecht.
Der CD-Player im Web
Auf der sicheren Seite ist man bei Webradios. Mit einem Programm wie No23 MP3 Recorder ( http://no23.de/no23web ) zeichnet man automatisch die Songs auf und speichert sie auf der Festplatte – alles ganz legal.
Viel praktischer und genauso legal ist der französische Dienst Deezer ( www.deezer.com ). Im Unterschied zu normalen Webradios kann man dort ganze Alben suchen, anhören und mit Hilfe von No23 gleich auf die eigene Festplatte bannen. Deezer ist praktisch ein CD-Player im Webformat und auch für Schweizer zugänglich – eine grosse Ausnahme, denn diverse spannende Musikdienste bieten ihr Angebot leider nur national an. So wurde der beliebte Musikdienst Pandora für Europäer gesperrt und Last.fm ( www.last.fm ), das nun auch wie Deezer ganze Alben zum Suchen und Anhören offeriert, beschränkt sich mit diesem Angebot auf die USA, England und Deutschland.
Wer einfach nach dem Zufallsprinzip Gratismusik suchen will, der klinkt sich mit Vorteil in Community-Seiten wie das Schweizer Musikportal MX3 ( www.mx3.ch ) oder Tonspion ( www.tonspion.de ) ein. Auch die Hype Machine ( http://hypem.com/radio ) sollte man sich einmal ansehen. Dieser Dienst durchsucht Blogs, die über Musik schreiben, verlinkt direkt zu Gratis-MP3s und spielt sie auch als Webradio ab. Eine weitere Anlaufstelle für kostenlose Songs ist Sideload ( www.sideload.com ). Nachdem man sich registrierte, kann man aus über 400'000 Liedern auswählen und sie gleich online speichern.
Songs anbieten, Geld scheffeln
Einen anderen Weg geht das Uni-Startup Grooveshark aus Florida. Auch hier kann man nach Interpreten suchen, ganze Playlists zusammenstellen und gratis anhören – soweit nichts Neues. Gleichzeitig aber kann man beliebig viele Lieder auf Grooveshark laden. Wer gefundene Musik nicht nur übers Web anhören sondern gleich herunterladen will, der muss pro Song 99 Cents zahlen. Lädt ein anderer Grooveshark-User einen Song vom eigenen Liederpool herunter, erhält man einige Cents.
Grooveshark möchte ein Mittelding zwischen Online-Shops wie iTunes, Tauschbörsen à la Bittorrent und auf Musik spezialisierten Social Network-Seiten nach dem Vorbild von iLike ( www.ilike.com ) sein. Nach Darstellung der Grooveshark-Macher ist ihr Projekt legal. Die Künstler würden entschädigt, sagen sie.
Es ist jedoch fraglich, wie sich die Grooveshark-User beim Tauschen im legalen Rahmen bewegen sollen, wenn sie dort andern Usern Musik zum Verkauf anbieten. Die Lizenz zum Verkaufen von Madonna-Songs dürfte keine Privatperson besitzen. Die Streaming-Funktion ist für Schweizer zugänglich, Kreditkarten werden aber nur aus den USA akzeptiert. Es bleibt zu hoffen, dass Grooveshark nach vollmundigen Ankündigungen nicht den gleichen Pfad beschreitet wie Qtrax.































































