Wirtschaft

Die Fondsmanager waren ihr Geld nicht wert

14. Januar 2005, 18:31

Kein Schweizer Anleihenfonds hat in den letzten drei Jahren den Index geschlagen. Doch den Fondsgesellschaften und Banken schadet das nicht.


Von Marco Zanchi

Die Wahl des Geldmanagers entscheide über den Anlageerfolg, argumentieren die Banken und Fondsgesellschaften – und jede empfiehlt sich dem Anleger als beste Adresse. Doch Investoren sollten vielmehr danach fragen, ob es sinnvoll ist, den Banken und Anlagefonds überhaupt Kapital anzuvertrauen. Diesen Schluss legt eine Analyse zur Wertentwicklung von Schweizer Obligationenfonds nahe, die der «Tages-Anzeiger» durchgeführt hat. Diese Fonds bilden einen wichtigen Grundstock in den Portefeuilles vieler Privatanleger. Der Befund bestätigt die Ergebnisse einer Analyse des TA für Schweizer Aktien vom Mai 2003: Keinem Fondsmanager gelang es über zehn Jahre, den Schweizer Aktienmarkt zu schlagen.

Die Ergebnisse des Vergleichs stellen der Fondsindustrie schlechte Noten aus: Keiner der über 50 Fonds, die der Datenanbieter Feri Trust in der Kategorie Franken-Obligationen aufführt, hat über die letzten drei Jahre punkto Rendite den Index geschlagen. Als Referenzwert dient der Citigroup Switzerland Government Bond Index. Dieser bildet die Performance des Schweizer Staatsanleihenmarktes ab. Für den Zeitraum von 2001 bis 2004 weist der Index eine jährliche Durchschnittsrendite von 5,48 Prozent aus. Der beste Fonds brachte es auf 5,02 Prozent, der schlechteste rentierte 1,95 Prozent (siehe Tabelle Seite 59). Auch im Vergleich über ein und fünf Jahre schnitt der Index am besten ab.

Gründe für die schwache Leistung

Das Ergebnis ist umso bemerkenswerter, wenn berücksichtigt wird, dass die überwiegende Mehrheit der Fonds auch in Unternehmensanleihen investieren. Diese weisen höhere Risiken als Staatspapiere auf, bieten aber auch die Chance auf höhere Erträge. Hätte man den Index um Unternehmensanleihen erweitert, wäre der Performance-Abstand zu den Fonds im Betrachtungszeitraum noch höher ausgefallen. Bis zu 0,3 Prozentpunkte schätzt Professor Heinz Zimmermann von der Uni Basel.

Es lässt sich einwenden, dass Renditen nur aussagekräftig sind, wenn sie im Verhältnis zum Risiko betrachtet werden. Diesen Zusammenhang gibt die so genannte Sharpe Ratio wieder. Ihr Risikomass ist die Schwankungsbreite der Erträge (Volatilität). Je höher die Sharpe Ratio, desto besser die Performance einer Investition relativ zu ihrem Risiko. So betrachtet, relativiert sich das Analyseergebnis: Der Anleihenindex fällt ins Mittelfeld zurück.

Experten halten eine reine Renditebetrachtung jedoch für statthaft. Dirk Schmelzer vom VZ Vermögenszentrum sagt: «Die verglichenen Fonds sind hinsichtlich Strategie und Anlagemöglichkeiten sehr ähnlich. Es macht deshalb wenig Sinn, die Rendite um das Risiko zu adjustieren.» Auch Heinz Zimmermann hält den reinen Renditevergleich für zulässig: «Der Citigroup-Index ist eine anerkannte Grösse. Fondsmanager kennen die Duration dieses Indexes und müssen sich daran messen lassen. Wenn sie davon abweichen, so tun sie dies freiwillig und gehen damit ein aktives Risiko ein.»

Das Analyseergebnis stellt die Daseinsberechtigung aktiv gemanagter Fonds in Frage. Denn die Manager verkaufen sich über ein Argument: mit ihrem Knowhow überdurchschnittliche Kapitalrenditen erzielen zu können. Damit werben sie um die Anleger, und dafür kassieren die Banken und Fondsgesellschaften Gebühren. Doch wenn es ihnen misslingt, verliert das Verkaufsargument seine Wirkung.

Wie lassen sich die hohen Renditeunterschiede zwischen dem Index und einem durchschnittlichen Fonds erklären? Ein wichtiger Grund sind die Gebühren, die das Fondsmanagement abzwackt. Die Managementgebühr hat jährlich rund 0,8 Prozent des Ertrages weggefressen. Die Spanne reicht bis 1,9 Prozent. Für die Total Expense Ratio, eine Masszahl, die die Fondskosten umfassender spiegelt, weist Feri Trust im Schnitt einen Wert von 0,93 Prozent aus. «Wir wissen, dass die Performance wesentlich von den Kosten abhängt. Aber die Banken drücken sich drum herum, die Kosten auszuweisen. Sie haben kein grosses Interesse daran», sagt Zimmermann. Den Fondsmanagern ist zugute zu halten, dass nicht sie die Höhe der Gebühren festlegen, sondern die Bank oder Fondsgesellschaft.

Ein weiterer Grund für die Performanceunterschiede ist die Erfolgsquote der Anlageentscheide. Dabei spielen neben dem Können des Managers auch Glück und Pech eine Rolle sowie die Furcht, schlechter als seine Kollegen abzuschneiden und negativ aufzufallen. Dies kann Fondsmanager verleiten, mit der Herde zu gehen. Und diese lief im letzten Jahr in die falsche Richtung: Die Marktzinsen stiegen nicht – wie vorausgesagt –, sondern fielen. Wer falsch lag, erlitt Renditeeinbussen.

Mehr Indexprodukte, bitte!

Die tiefere Volatilität der Anleihenfonds relativ zum Index lässt sich so deuten, dass die Fondsmanager auf Anleihen mit kürzeren Laufzeiten gesetzt haben, um sich vor vermeintlich steigenden Zinsen zu schützen. Denn je länger die Laufzeit, desto höher in der Regel die Volatilität und die Ertragsschwankungen. Wenn nun die Zinsen – wie geschehen – fallen, fährt man mit kurzen Laufzeiten schlechter als der Index. Denn dieser ist der Markt und enthält somit auch die langen Laufzeiten.

Was soll ein Anleger tun? Im Gegensatz zu Aktien kann er nicht auf eine breite Palette börsenkotierter Anlagefonds (Exchange Traded Funds) ausweichen, die kostengünstig einen Marktindex abbilden. Eine Ausnahme sind zwei XMTCH-Produkte der Credit Suisse, die das Laufzeitenspektrum von Schweizer Staatsanleihen ab drei Jahren abdecken. Die Managementgebühr beträgt 0,15 Prozent je Jahr.

Eine Alternative ist der Indexfonds Synchrony Market Fund. Wie die XMTCH-Produkte orientiert er sich am Index für Schweizer Staatsanleihen der Schweizer Börse SWX. Das magere Angebot zeigt, dass Banken Gelegenheit hätten, ihre Innovationsfähigkeit zu beweisen.

Der Grund für die Passivität ist schnell gefunden. Indexfonds und Exchange Traded Funds sind aus ihrer Sicht unattraktiv, denn die Managementgebühren sind mager.

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