Wirtschaft

Das Börsenparkett ist rutschig

19. Mai 2006, 19:05

Geht ein Unternehmen an die Börse, rechnen Anleger oft nur mit «sicheren» Kursgewinnen. Was gilt es zu beachten, bevor Investoren überhaupt neue Aktien zeichnen?


Von Marcel Sigrist

Knapp zwei Monate nach dem Start auf dem Schweizer Börsenparkett notieren die Aktien des auf alternative Anlagen spezialisierten Zuger Vermögensverwalters Partners Group auf etwa 81 Franken. Anleger, denen im Rahmen der Schweizer Neuemission Aktien zugeteilt wurden, können sich freuen: Gegenüber dem Ausgabepreis von 63 Franken haben sie bislang 25 Prozent verdient. Investoren dagegen, die erst nach dem ersten Handelstag Aktien gekauft haben (Schlusskurs: 84 Franken) und die Titel bis jetzt halten, liegen im Minus.

Neuaktionären der deutschen Fluggesellschaft Air Berlin, die ihren Börsengang sogar um eine Woche verschieben musste, ist es noch schlechter ergangen. Die Papiere werden nur schon eine Woche nach der Erstnotiz unter dem Ausgabepreis gehandelt. Welche Regeln sollten Anleger beachten, bevor sie sich überhaupt zu einer Zeichnung neuer Aktien entschliessen und nicht wieder die gleichen Fehler begehen wie Ende der Neunzigerjahre im Internethype?

Anfängerfirmen meiden. Privatanleger sollten strikt kein Geld für unternehmerische Experimente einsetzen. Ein Börsenkandidat muss gemäss Experten mindestens 50 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften, seit zwei Jahren Gewinne schreiben und etwa 50 Vollzeitstellen ausweisen. Diese 50-2-50-Regel macht Investoren zwar nicht gegen böse Überraschungen immun, aber sie hilft, eine Vorauswahl zu treffen.

In das investieren, was man versteht. Der erfolgreiche amerikanische Anlage-Guru Warren Buffet investiert bekanntlich nur in solche Unternehmen, deren Geschäftsmodell er versteht. Wer sich trotz eindrücklicher und – vordergründig auch – einleuchtender Businesspläne letztlich keinen Reim darauf machen kann, wie der Börsenkandidat eigentlich sein Geld verdienen will, sollte die Finger von einer Anlage lassen. Wichtig ist vor allem, dass Investoren sich nicht von vermeintlich «guten» Investment-Geschichten blenden lassen, die ihnen Banken und Vermögensverwalter über den Börsenkandidaten erzählen.

Alt-Aktionäre identifizieren. Geht eine Firma an die Börse, profitieren in der Regel vor allem die bisherigen Eigentümer. Falls sich herausstellt, dass diese nach dem Going Public einen Grossteil ihrer Aktien verkaufen wollen, ist das ein Indiz dafür, dass das Unternehmen seine besten Zeiten wahrscheinlich schon hinter sich hat.

Haltefristen prüfen. Alt-Aktionäre sollten sich dazu verpflichten, ihre Aktienpakete möglichst lange zu behalten. Laufen diese Haltefristen von 12, 18 0der sogar 36 Monaten ab, dann sollten die übrigen Titel der Gesellschaft möglichst breit gestreut sein (hoher Freefloat), damit der Aktienkurs nach dem Verkauf eines solchen Paketes nicht abstürzt. Informationen über Alt-Aktionäre und Haltefristen stehen im Emissionsprospekt.

Verkaufslimiten einbauen. Anleger sollten mit einer so genannten Stop-Loss-Order arbeiten. Damit beauftragen sie ihre Bank, eine Aktie automatisch zu verkaufen, wenn der Kurs eine bestimmte im Voraus festgelegte Schwelle unterschreitet. Verkaufslimiten helfen, die Verluste zu begrenzen.

Was sagen die Manager? Zu viel Gutgläubigkeit kostet Anleger immer Geld. Je vollmundiger die Sprüche des Managements über die rosige Zukunft eines Börsenkandidaten sind, umso mehr Vorsicht ist geboten. Ankündigungen, die nicht mit Fakten unterlegt sind, haben nämlich nur ein Ziel: den Kurs nach oben zu treiben.

Ausgabepreis hinterfragen. Der Emissionspreis ist immer umstritten. Der Verkäufer will einen möglichst hohen, der Käufer einen möglichst tiefen. Für Privatanleger ist eine Beurteilung schwierig. Immerhin, eine Faustregel gibt es: Der Börsenneuling sollte günstiger bewertet sein als Konkurrenzunternehmen, deren Aktien bereits gehandelt werden.

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