Wirtschaft
Jahrzehnte machen Mücken zu Elefanten
18. Dezember 2006, 20:54Im 10-Milliarden-Markt für 3a-Fonds bieten Swisscanto und Credit Suisse die rentabelsten 3a-Produkte an.
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Infografik
- Auch 3a-Fonds haben ihre Öchsle-Grade
Leise rieselt der Schnee? – Nein, im Dezember und Januar fährt jeweils eine Lawine auf die Anbieter von 3a-Fonds nieder. Etwa drei Viertel aller Einzahlungen in die private Altersvorsorge erfolgen in diesen Monaten, schätzen die Anbieter. Der Grund für diese Konzentration in nur zwei Monaten liegt auf der Hand: Im Dezember wollen die Vorsorgesparer noch rasch die Steuern optimieren. 6192 Franken können in diesem und 6365 Franken im nächsten Jahr vom Einkommen abgezogen werden, sofern die Überweisung vor dem 31. Dezember erfolgt. Selbständig Erwerbende, die keiner Pensionskasse angehören, dürfen 5-mal mehr vom Einkommen abziehen.
So gerechtfertigt und beliebt die Steueroptimierung ist: Dass es bei der Säule 3a auch um eine Kapitalanlage geht, sollte dabei nicht vergessen werden. Bei dem in der dritten Säule üblichen langfristigen Anlagehorizont werden aus Mücken wahrlich Elefanten: Schon kleine Renditedifferenzen machen nach Jahrzehnten beträchtliche Unterschiede aus.
Kein unnötiges Traden
Swisscanto, deren 3a-Fonds von den Kantonalbanken und der Coop-Bank vertrieben werden, schneiden im TA-Performance-Vergleich am besten ab. Swisscanto schaffte es sogar als einziger Anbieter, die Benchmark zu übertreffen, und zwar um 0,1 Prozent.
Die gute Leistung habe drei Gründe, erklärt Swisscanto-Chef Gérard Fischer: «Langfristige Strategie, Kontinuität und faire Preise.» Die Swisscanto passe die Portfolios nur neuen Markteinschätzungen an, wenn klare Signale vorhanden sind, und vermeide unnötiges Trading. Dabei achte sie auf fundamentale Faktoren und ökonomisch abgestützte Erkenntnisse. Es sei zudem gelungen, so Fischer, Kontinuität in die Anlageprozesse zu bringen und kostspielige Umstellungen zu vermeiden.
Allerdings hat Swisscanto im Januar 2005 die Gebühren erhöht. Dass die unpopuläre Massnahme die Nettoperformance schmälert und Swisscanto vom Sockel stossen wird, glaubt Fischer nicht: «Die Erhöhungen haben offensichtlich keinen negativen Einfluss gehabt. Zudem befinden wir uns mit ihnen immer noch leicht unter dem Marktdurchschnitt.»
Aktien übergewichtet
Rund 1 Prozent hinter der Benchmark liegen die Fonds von Raiffeisen, Sarasin und Credit Suisse. Deren Fonds schnitten zu Beginn unseres Fünfjahresvergleichs unbefriedigend ab. «Wir hatten die Aktien fast immer übergewichtet», erklärt Kurt Brändle, Chef der CS-Anlagestiftungen. «Jetzt zeichnet sich aber ein klarer Turnaround ab.» Tatsächlich holen die 3a-Fonds der Credit Suisse dank den starken Aktienmärkten seit 2003 den Rückstand auf. Positiv wirkte sich die Übergewichtung der Schwellenländer aus. «Die Vermögensaufteilung leistete generell einen positiven Beitrag zur Performance, im Gegensatz zur Titelauswahl innerhalb der Märkte», erklärt Brändle.
Die UBS verfehlt mit ihren von Fiscainvest auf Vitainvest umgetauften Fonds die Zielrendite um 1,6 Prozent. «Die Anlagestrategie sowie die aktiven Anlageentscheide zielen auf eine langfristige optimale Diversifikation. Mittelfristig kann diese einen negativen Einfluss haben», kommentiert Pressesprecherin Rebeca García das Ergebnis. Sie streicht hervor, dass die Vitainvest-Fonds bei Erreichen der Altersgrenze kostenlos in gleichartige Anlagefonds getauscht werden können. «Damit hat Vitainvest eine unbegrenzte Haltedauer, der Anlagehorizont ist offen», so García. «Das hebt uns von unsern Mitbewerbern deutlich ab.»
Alle 3a-Fonds zusammen liegen mit den von ihnen erzielten Netto-Renditen 0,9% unter der Benchmark. Für Brändle ist das ein gutes Resultat: Vor Kosten, die im Durchschnitt etwa bei 1 Prozent liegen, sei es gerade etwa gelungen, den Vergleichsindex zu erreichen. Vor allem Vertrieb und Beratung seien kostenintensiv.
Natürlich wünschte man sich, dass die 10 Milliarden in 3a-Fonds mehr abwerfen würden. Aber immerhin schneidet die 3. Säule insgesamt besser ab als vergleichbare Mischfonds, die ihren Vergleichsindex um rund 1,5 Prozent verfehlen – und keine Steuervorteile bieten.%perl>
Erster punktgenauer Renditevergleich für 3a-Fonds
Weil 3a-Fonds unterschiedliche Anlagestrategien mit individuellen Aktien- und Obligationen-Anteilen verfolgen, wurden die Fonds für einen Leistungsvergleich bisher meistens in Gruppen mit ähnlichen Anlagestrategien eingeteilt und miteinander verglichen. Dieses Vorgehen führt leider nur zu ungenauen Resultaten. Es lässt auch keine Aussage darüber zu, wie effizient die 3a-Fonds insgesamt sind.
Erstmals präsentiert der TA eine neue, exaktere Methode: Als Benchmark dienen dabei die Pictet-BVG-Indizes 2000 mit einem Aktienanteil von 20 beziehungsweise 60 Prozent. Diese Indizes werden üblicherweise für die Performance-Messung von Pensionskassen eingesetzt, können aber auch für Fonds hilfreich sein. Um einen Fonds mit einem Aktienanteil von beispielsweise 40 Prozent zu beurteilen, wurden die Renditen der beiden Indizes mit je 50 Prozent angerechnet (0,5 mal 20 Prozent plus 0,5 mal 60 Prozent = 40 Prozent).
Durch unterschiedliche Gewichtungen der beiden Indizes findet man für jeden einzelnen Fonds die seinem Aktienanteil entsprechende Zielrendite. Schliesslich wird noch berechnet, wie gut der Fonds im Verhältnis zu seiner Benchmark abschneidet. Dabei ist ein geringer Rückstand auf die Benchmark normal, denn den Fonds werden die Kosten für das Portfoliomanagement und den Vertrieb belastet. Die Qualität eines Anbieters schliesslich entspricht dem Durchschnitt der relativen Renditen aller von ihm angebotenen Fonds. (es)
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