Wirtschaft
In drei Schritten zum einfachen Portfolio
16. Juni 2008, 05:01Mit nur drei Indexfonds ist es möglich, ein solides Portfolio zusammenzustellen und es auf die individuelle Finanzplanung auszurichten.
Von Erich Solenthaler
Frustriert von Anlagefonds, die nicht auf Touren kommen? Von Vermögensverwaltern, die nur ihre eigenen Taschen füllen? Oder sind Sie unsicher, welche Anlagestrategie zu Ihrer Situation passt? Überfordert vom komplizierten Finanzchinesisch? - Viele Anleger kapitulieren vor solchen Fragen, wenden sich ab, lassen das Vermögen auf dem Konto ruhen oder wursteln sich mit zweitklassigen Produkten durch.
Das muss nicht sein, denn mit nur drei Bausteinen und Entscheidungen ist es möglich, ein günstiges und effizientes Portfolio aufzubauen. Durch die Verschiebung der Gewichte kann es auf einfache Art und Weise auf die individuelle Situation des Anlegers abgestimmt werden.
Der Vorschlag folgt der Kern-Satelliten-Philosophie. Ihr zufolge wird das ganze Vermögen oder der grösste Teil in einem Kernportfolio untergebracht. Die viel kleineren Satelliten sind Ergänzungen und Spezialitäten. Zwingend nötig sind sie nicht.
Das Kernportfolio besteht vollständig aus Indexfonds oder Exchange Traded Funds (ETF). Der wichtigste Vorteil von Indexprodukten ist, dass ihre Entwicklung besser abschätzbar ist als jene von Einzeltiteln oder von aktiv geführten Fonds. Denn es ist ungefähr bekannt, was man von Obligationen oder Aktien ganz allgemein erwarten kann und wie sie zusammenspielen. Da hängt wenig vom Geschick des Anlegers oder Beraters ab. Glück und Zufall spielen eine geringere Rolle.
Sicherheit und Risiko
Im ersten Schritt unterteilen wir das Vermögen in einen Teil, der für Sicherheit sorgt und stabile Renditen bringt, und den Aktienteil, der eine zusätzliche Performance generiert, aber auch Schwankungen ins Depot bringt.
Aufgabe des sicheren Teils ist es, den realen Wert des Vermögens zu erhalten. Auch kommen nur erstklassige Schuldner in Frage, und Währungsrisiken haben hier keinen Platz. Er wird ausschliesslich in den Obligationen-ETF XMTCH on Swiss Bond Index Domestic Government 7+ investiert, der den Zins von Schweizer Regierungsanleihen mit einer langen Laufzeit wiedergibt (Tabelle). Die Wahl ist auf die längeren Laufzeiten gefallen, weil von ihnen eine etwas höhere Rendite erwartet werden kann als von den Kurzläufern. Dafür weist dieser ETF etwas höhere, aber tragbare Schwankungen auf.
Die erwartete Nettorendite (vor Steuern) dürfte langfristig bei 2,9 Prozent pro Jahr liegen. Wie Untersuchungen immer wieder zeigen, schaffen es gerade viele aktive Obligationenfonds wegen ihres ungünstigen Kosten-Ertrags-Verhältnisses nicht, die Benchmark zu schlagen. Der Obligationen ETF der Credit Suisse kostet nur 0,08 Prozent. Das ist fast gratis und hilft, das Anlageziel zu erreichen.
Der nächste Portfolio-Teil besteht aus einem ETF auf die börsengehandelten Schweizer Grosskonzerne, die im Swiss- Market-Index (SMI) zusammengefasst werden. Viele dieser Unternehmen zählen weltweit zur Elite. Dennoch hat der SMI einen gravierenden Nachteil: Nestlé, UBS, Novartis, Roche und Credit Suisse sind im Schweizer Leitindex so prominent vertreten, dass sie ein Klumpensrisiko bilden. Dass dieses nicht nur theoretischer Art ist, ist gerade jetzt zu erleben. Aus diesem Grund sollte das Gewicht des SMI im Portfolio beschränkt bleiben.
Franken und Fremdwährung
Der dritte und letzte nötige Baustein besteht aus der Gruppe Aktien Welt (alle Länder). Sie ergänzt die Schweizer Dividendenpapiere und bestimmt gleichzeitig die Fremdwährungsquote im Portfolio. Möglich ist dies mit einem einzigen ETF, dem iShares MSCI ACWI Index Fund. Dabei steht «ACWI» für All Country World Index.
Der Name ist unaussprechlich, aber der Indexfonds eine tolle Sache: Er ermöglicht es, sich mit einem einzigen Wertpapier an 2800 Unternehmen auf der ganzen Welt zu beteiligen. Der grösste Konzern im Fonds: Exxon. Sie wiegt nur 1,6 Prozent, was zeigt, wie breit der Index gestreut ist.
Dank seiner enorm breiten Abstützung ist der MSCI All Country ganz allgemein eine Beteiligung am Weltwirtschafts- und Gewinnwachstum grosser Konzerne. 39 Länder, darunter zahlreiche Schwellenländer und alle Wirtschaftssektoren, sind ihrer Bedeutung entsprechend vertreten. Eine bessere Diversifikation auf einen Schlag gibt es nicht.
Der iShares MSCI ACWI repräsentiert gleichzeitig den Fremdwährungsanteil im Portfolio. Da gibt es nicht mehr viel zu rechnen und addieren.
Mit den Fremdwährungen kommt aber eine zusätzliche Risikoquelle ins Depot. In den vergangenen zwanzig Jahren haben Schweizer Anleger an ihnen 1,2 Prozent jährlich verloren. Dennoch verbessert der Einbezug ausländischer Märkte das Ertrags-Risiko-Verhältnis des ganzen Portfolios.
Der erst vor wenigen Wochen lancierte ETF wird (noch) nicht an der Börse SWX gehandelt. Vorläufig muss man ihn wie eine Auslandaktie in den USA erwerben. Die Transaktionsgebühren fallen dadurch etwas höher aus. Aber da das Portfolio auf einer Kaufen-und-Halten-Strategie beruht, spielen die permanenten Gebühren eine grössere Rolle. Der Alle-Länder-Index hat eine Grundlast von 0,35 Prozent. Alle Alternativen sind teurer.
Schwellenländer separieren
Viele Anleger können sich mit einem Engagement in den Schwellenländern noch nicht recht anfreunden oder wollen jederzeit aussteigen können. Andere möchten die Emerging Markets permanent übergewichten.
Wer sich diese Optionen offen halten, will, muss einen Umweg einschlagen und den alle Länder umfassenden Indexfonds mit zwei Indexinstrumenten nachbauen: Mit dem MSCI World (ohne den Zusatz «All Country»), der die Industrieländer abdeckt, und mit dem MSCI Emerging Markets. Mit einer Gewichtung von 88,5:11,5 Prozent liefern sie genau das gleiche Resultat wie ihr wirklich globaler Bruder. Das Verhältnis verschiebt sich langsam zu Gunsten der Schwellenländer und muss gelegentlich angepasst werden.
Keine Erweiterungen nötig
Mit den drei Indexfonds für Schweizer Obligationen, für den SMI und den MSCI All Country (oder mit vier ETF, wenn die Schwellen- und Industrieländer getrennt werden) ist das Kernportfolio grundsätzlich vollständig. Mehr braucht es nicht zwingend. Erweiterungen - zum Beispiel Fremdwährungsobligationen - brächten zwar geringe Verbesserungen im Rendite-Risiko-Verhältnis. Mit ihnen würde aber die Komplexität überproportional zunehmen. Der grösste Vorteil unseres Vorschlags - die Einfachheit und Übersichtlichkeit des Portfolios - ginge verloren.
Je nach dem Umfang des Obligaionenanteils dürfte die gewichtete Gebührenquote der eingesetzten Exchange Traded Funds 0,1 bis 0,3 Prozent betragen. Um die Kosten zu optimieren, sollte man die Indexfonds online erwerben. Bei elektronischen Brokern sind Käufe und Verkäufe sogar fast gratis. So verlangt Swissquote unabhängig von der Grösse des Abschlusses 9 Franken pro Geschäft. Inklusive Depotgebühren dürften die gesamten Kosten des Portfolios bei 0,5 Prozent zu stehen kommen.
Einmal eingerichtet und sofern aufs Traden verzichtet wird, ist die Weiterführung des Portfolios einfach. Der Zeitaufwand sollte zwei Stunden pro Jahr nicht übersteigen. Man kann indes auch eine Bank mit der Hege und Pflege beauftragen.
Individuelle Anpassungen
Wie die drei bis vier Bausteine des Kernportfolios zu gewichten sind und in eine individuelle Vermögensplanung eingebunden werden können, wird in einem nächsten Artikel dargestellt. Dann geht es auch um die Satelliten. Nötig sind sie zwar nicht. Aber auf Indexfonds allein beschränken sich die wenigsten Anleger. Gegen einen kleinen Kick und Nervenkitzel ist auch nichts einzuwenden.
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