Wirtschaft

Länger arbeiten bringt mehr Rente

23. April 2004, 16:52

Das flexible Rentenalter machts möglich: Wer freiwillig länger arbeitet und später in Pension geht, erhält für den Rest seines Lebens höhere Renten von AHV und Pensionskasse.

Wer fit ist und über das Pensionsalter hinaus arbeiten kann, verbessert damit seine Altersvorsorge.
Wer fit ist und über das Pensionsalter hinaus arbeiten kann, verbessert damit seine Altersvorsorge.
Von Meinrad Ballmer

Noch nie war die Generation der jetzt 65 Jährigen so fit wie heute. Und noch nie war die durchschnittliche Lebenserwartung höher. Obwohl der Gesundheitszustand der 60- bis 70-Jährigen immer besser wird, sind Frühpensionierungen im Trend. Das flexible Rentenalter wird von vielen genutzt, die es sich heute dank der Kombination von AHV, Pensionskassenguthaben, dritter Säule, persönlichen Ersparnissen oder Erbschaften leisten können.

Das flexible Rentenalter bietet aber nicht bloss die Chance, vorzeitig in Pension zu gehen. Wer einen Job hat, kann auch über das ordentliche Pensionierungsalter hinaus weiterarbeiten und damit seine Altersvorsorge finanziell komfortabler gestalten. Nicht alle wollen möglichst rasch ihre Arbeit an den Nagel hängen. Jene, die auch im Pensionsalter noch eine Aufgabe möchten und Spass daran haben, weiterzuarbeiten, sind heute in der Minderheit. Doch es gibt sie. Zunehmend beliebt wird ein gleitender Übergang von der Vollzeitstelle über Teilzeitarbeit zur Rente.

Noch sind es vor allem Wissensarbeiter, Spezialisten, Kreative und Selbstständige, deren Arbeitskraft auch im Rentenalter gefragt ist. Doch die Situation auf dem Arbeitsmarkt könnte sich in Zukunft grundlegend ändern. Denn schon in wenigen Jahren rücken weniger junge Arbeitskräfte nach als in Rente gehen. Ohne stärkere Einwanderung wird deshalb die Zahl der 15- bis 64-Jährigen in der Schweiz ab etwa 2015 zurückgehen; das Angebot an Arbeitskräften für die Wirtschaft dadurch knapp werden. Gut möglich, dass die Unternehmen dann ältere Arbeitnehmer dazu motivieren werden, noch ein Jahr oder zwei Jahre anzuhängen.

10, 20 oder 30 Prozent mehr Rente ...

Wer freiwillig länger arbeitet, kann damit seine Altersvorsorge verbessern. Schon bisher liess sich der Bezug der AHV-Rente um eins bis maximal fünf Jahre aufschieben. Wer das tut, erhält danach zeit seines Lebens eine höhere AHV-Rente. Während des Aufschubs kann die Rente nach freier Wahl abgerufen werden. Man muss sich nicht im Voraus auf eine feste Aufschubdauer festlegen. Mit der Verschiebung des Rentenbezugs erhöht sich die spätere Rente. Der Zuschlag beträgt zwischen 5,2 nach einem bis zu 31,5 Prozent nach fünf Jahren Aufschub.

Sofern das Volk die 11. AHV-Revision am 16. Mai annimmt, gibt es für die Versicherten noch mehr Wahlmöglichkeiten, um die Altersvorsorge auf die persönlichen Bedürfnisse masszuschneidern. So lassen sich zum Beispiel künftig auch halbe Altersrenten vorbeziehen oder aufschieben.

... auch von der Pensionskasse

Altersguthaben aus der zweiten Säule, die auf Freizügigkeitskonti Zins bringen, darf man bis zum 70 Altersjahr dort liegen lassen. Im Bereich der Pensionskassen jedoch war das flexible Rentenalter, für jene, die länger arbeiten wollen, von Kasse zu Kasse bisher unterschiedlich geregelt. Unterschiede gab es bisher auch in der Praxis der Steuerbehörden von Kanton zu Kanton. Mit der 11. AHV-Revision würde nun der Aufschub der Pensionierung für die zweite Säule einheitlich geregelt. Die Gesetzesänderung sieht vor, dass der Bezug der halben oder ganzen Altersleistung analog zur AHV bis zum 70. Altersjahr aufgeschoben werden kann.

Wer später in Rente geht, erhält dadurch von der Pensionskasse eine höhere Altersleistung. Das Altersguthaben wächst durch die zusätzlichen Zinserträge weiter an. Wegen des Zinseszinseffektes bringen die letzten Arbeitsjahre vor der Pensionierung den grössten Zuwachs des Altersguthabens.

Wird das Altersguthaben später in eine Rente umgewandelt, wird ein höherer Rentenumwandlungssatz als bei der ordentlichen Pensionierung verwendet. Für jene, die länger arbeiten und ihre Pensionskassenrente später beziehen, gibt es höhere Rentenzahlungen bis an ihr Lebensende. Die Erhöhung der Pensionskassenrenten entspricht etwa dem Effekt, den der Aufschub der AHV-Rente hat.

Rentenaufschub spart Steuern

Wer immer noch ein Arbeitseinkommen erzielt, während er schon Rente bezieht, wird wegen des höheren steuerbaren Einkommens vom Fiskus stärker zur Kasse gebeten. Wer sich deshalb entscheidet, über den Zeitpunkt des Pensionierungsalters hinaus zu arbeiten, kann mit dem ganzen oder halben Aufschub der AHV- oder BVG-Rente Steuern sparen.

Von aktiven Alten profitieren alle

Wenn mehr fitte Alte wenigstens bis zum ordentlichen Pensionierungsalter oder sogar darüber hinaus arbeiten würden, könnten davon auch alle andern profitieren. Eine stärkere Beteiligung älterer Arbeitnehmer bringt nämlich zusätzliche Einnahmen für die Sozialversicherungen und den Staat.

Mehr erwerbstätige Alte führen keineswegs zu höherer Arbeitslosigkeit, sondern lassen im Gegenteil die Wirtschaft und damit das Jobangebot für alle wachsen. Den Beweis dafür haben in den letzten Jahrzehnten die Frauen geliefert, die ihre Erwerbsquote massiv gesteigert haben, ohne dass der Volkswirtschaft deswegen die Arbeit ausgegangen wäre.

Schafft der Staat Anreize für Frühpensionierungen, verschärft er damit die Finanzierungsprobleme der Sozialversicherungen und bremst zudem das ohnehin schon schwache Wachstum der Volkswirtschaft. (mba)

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