Wirtschaft

Credit Suisse gewinnt den ersten Parallel-Slalom

12. November 2007, 05:00

Erstmals lässt ein Multimillionär die Leistungen seiner Banken vom TA analysieren. Der öffentlich ausgetragene Wettbewerb soll sie zu Bestleistungen anspornen.

Ein Kunde, zwei Banken: Vermögende Kunden teilen ihr Geld auf, um die Leistungen zu vergleichen.
Ein Kunde, zwei Banken: Vermögende Kunden teilen ihr Geld auf, um die Leistungen zu vergleichen.
Von Erich Solenthaler

Vor einem Jahr hatte sich der vielfache Millionär von seinem Vermögensverwalter getrennt. Die Leistungen fielen unbefriedigend aus, und ein Streit um Fondsretrozessionen entzweite die beiden Parteien. Trotz der Enttäuschung wolle er seine Investments nicht selber in die Hand nehmen, erklärt der vermögende Pensionär: «Finanzanlagen sind mir eine zu trockene Angelegenheit.» Er hatte sein Unternehmen verkauft und wollte nun den Ruhestand geniessen.

Was liegt da näher, als bei einer Grossbank an Bord zu gehen? UBS und Credit Suisse wussten, dass sie gegeneinander antreten mussten - nicht aber, dass ihr Kunde von Anfang an auch mit dem TA in Kontakt stand. Wir sollten die Arbeit der Finanzinstitute nach einem Jahr analysieren und kommentieren, um eine erneute Enttäuschung zu verhindern.

Die beiden Banken sollen das Vermögen ausgewogen, also mit einem mittleren Aktienanteil, investieren. Alternative Anlageinstrumente sind erlaubt. Nach der Festlegung der Strategie hält sich der Kunde konsequent aus allen Entscheidungen heraus und bleibt während des ganzen Jahres bei den einmal festgelegten Vorgaben. «So ist klar, dass die ganze Verantwortung bei den Vermögensverwaltern liegt», erklärt er seine Idee. «Ich will nicht, dass sie mir die Schuld geben können, wenn’s nicht gut läuft.»

Mit rund 2,7 Millionen Franken schickte R. K. jede der Banken in den Parallel-Slalom. Das Vermögen wuchs bis Ende Oktober auf 2,8 Millionen Franken bei der UBS und auf 2,92 Millionen bei der Credit Suisse, die für ihren Kunden also 143 000 Franken mehr herausgeholt hatte als die Konkurrentin. «Schon etwas mager», kommentiert R. K. die Rendite des UBS-Portfolios. Während die Credit Suisse 9,1 Prozent erwirtschaftete, beläuft sich die Rendite bei der UBS auf 2,9 Prozent (siehe Tabelle).

Aktien waren Performancetreiber

Die Credit Suisse hat ihren Auftrag mit einem deutlich höheren Anteil von alternativen Anlagen umgesetzt als die UBS und dafür die Obligationen untergewichtet. Das war ein geschickter Schachzug, waren die Festverzinslichen in den vergangenen 12 Monaten doch der schwächste Renditeträger. Auch waren durchschnittlich 6 Prozent des Portfolios im Geldmarkt platziert.

Gleichzeitig flossen mehr Mittel als die für ausgewogenen Mandate typische Quote von 35 Prozent in Aktien. Die Übergewichtung zahlte sich aus, stammen doch zwei Drittel der Gesamtrendite von Dividendenpapieren.

In der Schweiz setzt Credit Suisse die Aktienstrategie vorwiegend mit direkten Investments um. Dabei pflegt sie einen äusserst aktiven Stil, indem sie sich auf wenige Titel beschränkt und in ihren Gewichtungen erheblich vom Index abweicht. Umgekehrt dominieren im Ausland Fonds der Equis-Familie, eine Serie von eigenen, ausschliesslich im Private Banking eingesetzten Aktienfonds, die auch Optionen einsetzen. Dazu kommt ein Portiönchen Private Equity, das in der ausgewerteten Periode die beste Rendite aller Positionen aufwies.

Überzeugend schliesslich die Präsentation der Ergebnisse. Am Jahresgespräch (zu dem der Journalist unangemeldet mitkam), ist neben dem Kundenberater der Portfolio-Manager anwesend. Gut dokumentiert, kann er alle Fragen detailliert beantworten und bringt sogar Schwachpunkte von sich aus zur Sprache. Das weckt Vertrauen, denn da scheinen Leute an der Arbeit zu sein, die Patzer korrigieren wollen.

Eineiige Fünflinge im Depot

Der Kundenberater der UBS ist weniger zahlenlastig. «Am Anfang waren wir zu zurückhaltend», erklärt er den langsamen Start des Portfolios und demonstriert seine Lebenserfahrung: «Im Nachhinein weiss man es immer besser.» Ganz zentrale Fragen - etwa: Wie sind die Währungen aufgeteilt? - bleiben indes unbeantwortet, weil die UBS aus technischen Gründen die Allokationen der einzelnen Fonds nicht auf der Portfolio-Ebene darstellen kann.

Auf Empfehlung des Kundenberaters kamen fünf hauseigene Mischfonds der Familien Strategy Xtra und Key Selection ins Depot. Sie werden sehr aktiv geführt, sind dabei aber strikte an die UBS-Anlagestrategie gebunden. Das ist der Grund, warum sie fast ganz im Gleichschritt ticken und die Korrelation, die sie untereinander aufweisen, hohe 0,95 beträgt. (Bei einer Korrelation von 1 wären sie identisch.) Mit andern Worten besteht das Portfolio zwar aus fünf Fonds, faktisch aber aus eineiigen Fünflingen.

Die geringe Diversifikation ist nicht nur ein theoretisches Risiko, sondern wirkte sich bereits während der Börsenkorrektur im vergangenen Herbst nachteilig aus: Bei der UBS war der Rückschlag gravierender als bei der Credit Suisse.

Die Auswahl der Fonds mag auch aus einer längerfristigen Warte nicht zu befriedigen. Vier der fünf Produkte schneiden in Vergleichen schlechter ab als andere Strategiefonds der gleichen Klasse, einer sogar massiv. Zudem verschiebt die gewichtete Ausgabenquote von 2 Prozent die Wertschöpfung der Fonds vom Kunden zur Grossbank. Vom Prinzip her falsch zusammengestellt, verschlafen am Anfang und teuer bis zum Schluss: So hatte die UBS-Fondskomposition eine geringe Chance gegen das Depot der Credit Suisse, die den ersten Lauf im Parallel-Slalom verdientermassen gewinnt.

Wie die UBS festhält, bestand allerdings kein formeller Vermögensverwaltungsauftrag, sodass der Betreuer das Portfolios nicht ohne Einwilligung des Kunden umstellen durfte. Dieser seinerseits erklärt, der rechtliche Rahmen sei für das Resultat bedeutungslos, weil er allen Empfehlungen seines Beraters zugestimmt habe. Für das Resultat sei und bleibe die UBS verantwortlich.

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