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16. Mai 2012, 23:34

Hintergrund
07.04.2008
Lebender Rohstoff mit Zinseszinseffekt

Holz als alternative Anlage wird publikumsfähig. Die Aussichten für den Rohstoff sind gut. Aber die Bewertungen sind schon hoch.

Von Christian Kaiser und Erich Solenthaler

Bei institutionellen Anlegern sind derzeit Investments in Wälder en vogue. Calpers, die grösste Pensionskasse der USA, gab Ende Februar bekannt, dass sie 2,4 Milliarden Dollar in die nachhaltige Forstwirtschaft investieren wolle. Ein ambitioniertes Ziel, denn Calpers würde damit unter die fünf grössten Waldbesitzer der Welt vorstossen. Schon lange vor Calpers haben die Universitätsstiftungen von Harvard und Yale, die zu den erfolgreichsten Investoren überhaupt zählen, im Holzgeschäft investiert. David Svensen, der Anlagechef von Yale, schwört darauf, dass die Aufteilung des Vermögens auf viele verschiedene Anlageklassen das Risiko reduziert und die Rendite verbessert.

Zudem bieten Holzanlagen einen ausgezeichneten Schutz gegen die Inflation, weil Bäume auch dann wachsen, wenn das allgemeine Preisniveau steigt. In dieser Beziehung sind sie meistens noch schneller als die Teuerung; das jährliche Baumwachstum liegt in den ertragreichsten Waldregionen zwischen 5 Prozent im Süden der USA und 16 Prozent in Neuseeland. Zudem bewegen sich die Holzpreise oft parallel mit den Lebenshaltungskosten. Dementsprechend sollte der Wertzuwachs von Bäumen die Geldentwertung mehr als wettmachen.

Die wachsende Weltbevölkerung mit ihrem steigenden Bedarf nach Papier, Bau- und Möbelholz sollte die Nachfrage hoch halten. China etwa kann seinen Bedarf nur noch zur Hälfte selbst decken, Indien ist ganz auf den Import des dort besonders beliebten Teak angewiesen. Auch Europa hat die Importe seit 1989 konstant erhöht.

Wachstum als Renditequelle

Umgekehrt nehmen die rationell bewirtschaftbaren Flächen ab. Langsam macht sich dabei auch der Klimawandel bemerkbar. Einige Regionen in den USA sind für Bepflanzungen bereits zu trocken, bei anderen ist dies absehbar. Auch ökologische Bedenken und politische Restriktionen wirken sich aus. Aus Kalifornien, dessen Wälder früher intensiv bewirtschaftet wurden, verabschieden sich die Forstbetriebe zunehmend.

Neue Nutzungsformen für Holz, das beispielsweise als CO2-neutraler Brennstoff (Pellets, Biotreibstoffe auf Zellulosebasis) eingesetzt werden kann, sollten künftig für eine gute Nachfrage sorgen. Zudem hoffen Waldbesitzer durch das Verstromen von Holzabfällen oder mit dem Handel von CO2-Zertifikaten Zusatzerträge zu erwirtschaften.

Noch aber ist das biologische Wachstum die wichtigste Renditequelle von Holzinvestments. Es sorgt für zwei Drittel des Wertzuwachses. Die Holzpreise sind seit 1987 um 27 Prozent gestiegen. Ein für die gleiche Zeit und für die USA berechneter Timberland-Index zeigt einen Gesamtertrag vor Steuern und Kosten von rund 15 Prozent pro Jahr. In der ganzen Periode kam es nur 2001 zu einem Verlust.

Dass zahlreiche Anleger das Anlagethema vernachlässigten, mag auf Befürchtungen über Krankheiten, Brände und andere Formen der Zerstörung von Nutzwäldern zurückzuführen sein. Heute stehen Anlegern aber Instrumente zur Verfügung, die international investieren und deren diversifizierte Portfolios unabhängig sind von lokalen Ereignissen. Diese Instrumente gewinnen an Beliebtheit, was sich auf die Holzbranche auswirkt: Heute seien vor allem Finanzinvestoren die Schrittmacher der Preise, nicht mehr die Holz- und Papierindustrie, erklärt Robert Saul von GMO (siehe Interview). Der strikt Value-orientierte Holzanalyst ist überzeugt, dass es zu einer Preiskorrektur kommen muss.

Umgekehrt glaubt die deutsche auf alternative Investments spezialisierte Aquila Capital, die in Zusammenarbeit mit einem Partner und dem WWF eben neue Holzfonds lanciert, nach wie vor an Renditen über 10 Prozent.

Private Anleger, welche auf Holz setzen möchten, können auf verschiedene Arten zu Waldbesitzern werden. Entweder kaufen sie Aktien von börsenkotierten Konzernen. Precious Woods, die sich auf nachhaltige Investments spezialisiert hat, ist die in der Schweiz bekannteste Firma dieser Art. Als noch kleines Wachstumsunternehmen mit wenigen Standorten birgt eine Investition in Precious Woods allerdings erhebliche Risiken.

Die grössten Waldbesitzer

Eine andere Einstiegsmöglichkeit bieten amerikanische Real Investment Trusts (Reits). Dabei handelt es sich um fondsähnliche, steuerbegünstigte und volatile Finanzprodukte, die nicht in Wertpapiere, sondern in reale Vermögenswerte investieren. Unter ihnen gehören Plum Creek (PCL), Rayonier (RYN) oder Potlatch (PCH) zu den weltweit grössten Waldbesitzern.

Auch die Zertifikateanbieter haben vor kurzem die Anlageklasse Holz entdeckt. Im März 2007 hat Société Générale das Timbex-Zertifikat lanciert. Es investiert in die weltweit 15 grössten Unternehmen im Bereich Holzwirtschaft. Auch die UBS (CH0024564863) und HSBC Trinkhaus (DE000TB0KWA8) haben Zertifikate auf Aktien aus der Holzbranche im Angebot.

Direktinvestitionen sind heikel

Vorsichtig sollten Kleinanleger bei Direktinvestments in Holzplantagen sein. So bietet derzeit Life Forestry Switzerland Privatanlegern Anteile an einer Plantage in Costa Rica mit 15-jähriger Laufzeit zum Kauf an. 900 dreijährige Teakbäume auf einer Fläche von einem Hektar kosten 39 600 Euros, obwohl laut Precious Woods für 18-jährige Teakbäume ein Ernteertrag zwischen nur 10 000 und 36 000 Dollar pro Hektar erwartet werden kann. Investoren laufen also Gefahr, nach 18 Jahren nicht einmal mehr ihre Anfangsinvestition zurückzuerhalten, geschweige denn die in Aussicht gestellte Verzinsung. Es wäre nicht das erste Mal.



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