Wirtschaft
Budget
Keine grossen Sprünge mit 9000 Franken
29. Januar 2004, 13:46Paare mit zwei Kindern verdienen durchschnittlich 96 500 Franken netto pro Jahr. Dennoch wird es für viele eng. Wir zeigen Ihnen, wo die Kosten anfallen.
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- Budgetbeispiele für eine Familie mit zwei Kindern
Die Zürcher Budgetberatungsstellen werden von Hilfe Suchenden derzeit förmlich überrannt (TA vom Montag). Der Grund: Die Lebenshaltungskosten steigen, derweil die Löhne stagnieren und manche Jobs wackeln. «Viele Leute sind verunsichert und fürchten, dass sie mit ihren Finanzen bald nicht mehr klarkommen», sagt Lydia Schlatter, Geschäftsführerin der Zentralstelle für Ehe- und Familienberatung. Wie also soll man in diesen unberechenbaren Zeiten sein Geld einteilen?
Wo stehen wir mit unserem Lohn?
Vielleicht hilft es schon ein wenig, wenn man seine persönliche Finanzkraft grob einordnen kann. Deshalb folgende Schlüsselzahlen aus dem Bundesamt für Statistik.
- Im Millionen-Zürich erarbeitet der durchschnittliche Haushalt ein Netto-Jahreseinkommen von rund 73 000 Franken (inklusive 13. Monatslohn).
- Das durchschnittliche Netto-Haushaltseinkommen von Paaren mit zwei Kindern beträgt in der Schweiz 96 500 Franken pro Jahr.
- Anderseits verfügen 60 Prozent aller Schweizer Haushalte pro Jahr über weniger als 69 000 Franken netto.
Folglich teilt die Budgetberaterin Schlatter die Haushalte in folgende Einkommensklassen ein:
- Zur unteren Einkommensklasse zählen die zuletzt erwähnten Haushalte, welche 69 000 Franken netto oder weniger pro Jahr verdienen.
- Die mittlere Einkommensklasse - laut Statistik 10 Prozent aller Haushalte - verfügt über ein Netto-Jahreseinkommen von 70 000 bis 119 000 Franken.
- 30 Prozent der Schweizer Haushalte können sich demnach eines hohen Einkommens von 120 000 Franken netto oder mehr erfreuen. Ab 150 000 Franken spricht Schlatter von einem «absoluten Spitzeneinkommen».
Die oben abgedruckten Budgetbeispiele für eine Familie mit zwei Kindern basieren auf einem Netto-Jahreseinkommen von 51 000, 72 000 und 108 000 Franken. Ein Vergleich mit den eigenen Verhältnissen lohnt sich, wobei man unbedingt die persönlichen und örtlichen Verhältnisse berücksichtigen muss. So machen die Mietkosten im Grossraum Zürich oft eher ein Drittel als nur ein Viertel des monatlichen Einkommens aus. Es ist zudem ein markanter Unterschied, ob man in der Stadt Zürich Steuern zahlt oder in einer der reichen Goldküstengemeinden, wo die Steuern deutlich tiefer sind. Der relativ bescheidene Betrag für den Posten «Franchise/Arzt/Zahnarzt/Optiker» reicht nirgendwohin, wenn grössere Rechnungen ins Haus flattern. Wichtige Ausgabenposten wie Verpflegung über Mittag oder Abonnemente für Kinder, die auswärtige Schulen besuchen, sind in den Budgets noch nicht einmal enthalten. Das Taschengeld für die Kinder ist marginal. Kommt ein Auto dazu und verreist die Familie in die Ferien, reichen selbst 9000 Franken netto pro Monat nicht mehr aus, um beispielsweise für die viel propagierte private Altersvorsorge (3. Säule) zu sparen.
Fazit: Wer teuer wohnt, krank ist oder grosse Kinder hat, muss an andern Posten sparen. Und: Der Respekt vor Eltern wächst, die es schaffen, mit einem Monatseinkommen von 6000 Franken netto ihre Familie über die Runden zu bringen.
Überrissene Ansprüche
Aus ihrer Beratertätigkeit weiss Schlatter, dass immer wieder dieselben Fehler gemacht werden. Viele durchschnittlich verdienende Familien glauben, einen selbstverständlichen Anspruch auf Ferien im Ausland zu haben. Oder sie leisten sich ein repräsentables (oft geleastes) Auto, auch wenn es die finanziellen Möglichkeiten sprengt. Oft fliesse zu viel Geld in die modernen Kommunikationsmittel (PC, Internet, Handys, elektronische Unterhaltung). Junge Erwachsene mit teils hohen Schulden seien keine Seltenheit: «Viele von ihnen wurden nie an Budgetdiskussionen beteiligt und hatten reichlich Taschengeld. Als sie das Elternhaus verliessen, waren sie überzeugt, sich alles leisten zu können.» Nun schleppen sie Verpflichtungen mit sich, die sie teils jahrelang an der Gestaltung ihrer Zukunft hindern.
Schlatter rät, Ende Monat jeweils eine halbe Stunde aufzuwenden, um gemeinsam über das Budget und dessen Einhaltung zu diskutieren. Man sollte das Geld nicht «vom grossen Haufen» nehmen, sondern getrennte Kässeli einrichten für den Haushalt, die Ferien oder Kleider. Die Überweisung eines festen monatlichen Betrags für die Steuern auf ein Sonderkonto erspare Ende Jahr das böse Erwachen. Achtung vor der Kredit- und Kundenkartenfalle! Nicht zuletzt habe es sich bewährt, dem Mann und der Frau gleich viel Geld zur freien Verfügung zuzuteilen. Dann gebe es keinen Streit, wenn er ein «zu teures» Hobby pflege und sie «zu viel» ins Theater gehe - beide müssten mit ihrer Summe selber klarkommen und könnten sich individueller entfalten.
Mit Sparideen aus dem Schneider
Der Schlüssel zum ausgeglichenen Budget heisst «Fantasie & Fakten». «Ich staune immer wieder über Frauen, die es mit wenig Geld, aber umso mehr Fantasie schaffen, ihre Familienfinanzen im Gleichgewicht zu halten», sagt Schlatter. Sie decken sich secondhand mit Kleidern ein, nutzen für die Kinder allerlei günstige Angebote, bringen zu Einladungen selbst Gemachtes mit und organisieren lustige «Uhu-Ferien» - Urlaub «ums Huus ume».
Aber selbst dann führt kein Weg an den Fakten vorbei. Je knapper das verfügbare Einkommen, desto wichtiger der Überblick über die Ausgaben und ein realistisches Budget. Man kann das mit einem einfachen Schulheft machen oder auf moderne Art im Internet: Zahlen eingeben, und der Computer sagt einem innert Sekundenbruchteilen, ob man schwarz schreibt oder rot.%perl>
Links
- Zürcher Frauenzentrale: www.frauen-zentrale.ch , Telefon 01 206 30 20.
- Zentralstelle für Ehe- und Familien- beratung: www.zefzh.ch , 01 242 96 60.
- Caritas Zürich, www.caritas-zuerich.ch , 01 366 68 68.
- Kirchlicher Sozialdienst: www.ksdz.ch , 01 268 50 10.
- Fachstelle für Schuldenfragen: www.schulden-zh.ch , 01 463 90 90.
Wie steht es um Ihr persönliches Budget?
Test im Internet
www.asb-budget.ch
->
«Erhebungsblatt». Füllen Sie Ihre Zahlen ins Budgetblatt ein, oder laden Sie das entsprechende Excel-File auf Ihren PC.
Hilfreiche Bücher
«Auskommen mit dem Einkommen», Ratgeber der Arbeitsgemeinschaft Schweizerisches Budgetberatungsstellen, Orell Füssli, 180 Seiten, 29.80 Franken.
«Mit Geld richtig umgehen», Beobachter, 96 Seiten, 19 Franken.
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