Wirtschaft
Zweitklassige Zinsen in der dritten Säule
13. November 2006, 21:24Kontosparer essen in der Säule 3a ein hartes Brot. Die Zinsen sind nicht marktkonform, und zwischen den Banken gibt es praktisch keine Konkurrenz.
Von Hansruedi Berger
Wer in einer UBS-Filiale die jährliche Einlage auf sein Säule-3a-Konto tätigen will und sich nach der Verzinsung erkundigt, staunt nicht schlecht. Wie schon im Vorjahr betrage der Zins unverändert 1,5 Prozent, sagt die Kassierin. Bei der andern Grossbank, der Credit Suisse, erhalten Kunden denselben Bescheid. Dabei wäre die Zeit längst reif für eine Erhöhung, weil die kurz- und langfristigen Zinsen seit Ende 2004 gestiegen sind. Dies haben die Raiffeisenbanken realisiert und seit August die Zinsen in 2 Schritten von 1,5 Prozent auf 1,75 Prozent erhöht.
Die Regionalbanken und die Migrosbank fahren im Kielwasser der grossen Anbieter. Im Kielwasser der Grossbanken offerieren sie seit Jahr und Tag ein Viertel- oder, wenns gut geht, ein halbes Prozentchen mehr und versuchen damit bei ihren Kunden die Illusion von Konkurrenz zu erzeugen. Nur die Wir-Bank macht dieses Spielchen nicht mit und entrichtet 2,25 Prozent, womit sie um die Hälfte höher liegt als die Grossbanken.
Die Konkurrenz kommt nicht zum Tragen, weil die gebundene Vorsorge 3a der Inbegriff von Steuersparen ist, die Verzinsung spielt eine untergeordnete Rolle, wie folgendes Beispiel zeigt: Eine Spareinlage von 1000 Franken senkt die Einkommenssteuer bei einem angenommenen Grenzsteuersatz von 25 Prozent um 250 Franken, ein halbes Prozent mehr Zins auf diesem Betrag macht hingegen gerade mal 5 Franken aus. Der Anleger ist sich meist nicht bewusst, dass selbst geringe Zinsdifferenzen bei der in der Säule 3a üblichen jahrzehntelangen Spardauer sich ganz schön auf den Endbetrag auswirken. So summieren sich 3000 Franken, jährlich auf die hohe Kante gelegt, bei 1,5 Prozent Zins nach 30 Jahren auf 114 305 Franken, mit 2 Prozent verzinst wären es aber rund 10 000 Franken mehr. Damit lässt sich bequem eine Weltreise finanzieren.
An den Sparern 115 Millionen gespart
Die Banken verwalteten Ende 2005 ein 3a-Vermögen von 33,9 Milliarden Franken, davon dürften etwa zwei Drittel oder rund 23 Milliarden auf das Kontosparen entfallen. Wäre dieser Betrag 2006 um ein halbes Prozent höher verzinst worden, so hätten die Sparer Ende Jahr 115 Millionen Franken mehr auf der hohen Kante.
Die Banken begründen die niedrigen Zinsen damit, dass sich Vorsorgegelder nur kurzfristig platzieren lassen. In der Tat hat der Sparer jederzeit die Möglichkeit, sein Guthaben – meist kostenlos – auf eine andere Bank überweisen zu lassen, in 3a-Fonds zu investieren oder für die Finanzierung des Eigenheims zu verwenden.
Das Argument der Volatilität der 3a-Gelder erklärt die tiefe Verzinsung nur teilweise. Anfang der Neunzigerjahre bewies die Credit Suisse, dass es auch anders geht. Bevor sie die Tiefzinspolitik der UBS zu imitieren begann und die Festsetzung des Kontozinses ihren Managern überliess, war der 3a-Kontosatz an die von der Nationalbank errechnete Rendite von Pfandbriefanleihen gebunden. Auf dieser Grundlage müsste die Grossbank heute die Vorsorgekonten statt mit 1,5 Prozent mit 2,75 Prozent verzinsen.
Eine gute Rendite – für den Staat
Eine eigenartige Rolle spielen auch die Kantonalbanken. Die Zürcher Kantonalbank imitiert seit Jahr und Tag die mickrigen Konditionen der Grossbanken. Passivzinsen auf diesem tiefen Niveau kann sie sich nämlich nur erlauben, weil sie dank der Staatsgarantie eine Top-Bonität vorweisen kann.
Wer anders als der Steuerzahlende, der meist mit dem Bankkunden identisch ist, trägt nun aber das Risiko der Staatsgarantie? Es kann ihn teuer zu stehen kommen, wie die Beispiele Bern und Waadt zeigen, wo die Kantonalbanken mit Abermillionen aus der Staatskasse saniert werden mussten. Auch in den Kantonen Aargau, Bern und St. Gallen zeigen die Staatsbanken dem Sparer die kalte Schulter. Rudolf Hochreutener, stellvertretender Direktionspräsident der Aargauer Kantonalbank, weiss: «Der Staat erwartet von seiner Bank eine gute Rendite.» Letztlich würden die überwiesenen Gewinne der Bank die Steuerbelastung reduzieren, meint Hochreutener.
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