Wirtschaft

Wer gesund lebt, zahlt tiefere Prämien

10. März 2008, 05:00

Nicht nur Raucher zahlen höhere Prämien. Auch zu Dicke und zu Dünne werden bei der Mobiliar zur Kasse gebeten.

Noch gibt es Versicherungen, die keinen Fitnesstest voraussetzen.
Noch gibt es Versicherungen, die keinen Fitnesstest voraussetzen.
Von Claude Chatelain

Raucher werden aus Flugzeugen, Zügen, öffentlichen Bauten, Grossraumbüros und zunehmend aus Bars und Restaurants verbannt. Selbst am Münchner Oktoberfest soll künftig das Paffen verboten sein. Und dann müssen die Nikotin-Hungrigen für bestimmte Leistungen erst noch höhere Preise bezahlen als andere - etwa für Risiko-Todesfallversicherungen. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz sterben in der Schweiz jährlich mehr als 8000 Personen an den Folgen des Tabakkonsums. Durchschnittlich sterben Erwachsene, die rauchen, 13 bis 14 Jahre früher als Nichtraucher. Unter den Männern gehen 90, unter den Frauen 80 Prozent aller Lungenkrebstodesfälle auf das Konto Rauchen, das auch Herzkrankheiten verursacht.

Versicherung mit Body-Mass-Index

Die Versicherer beantworten diesen statistischen Befund mit unterschiedlichen Tarifen für Raucher und Nichtraucher. Doch die Risikoselektion macht nicht nur vor Rauchern halt. Auch Dicke und Dünne leben ungesund, was sich ebenso in der Höhe der Prämie niederschlägt, zumindest bei der Mobiliar. Der Berner Versicherer, der bei den Risiko-Todesfallversicherungen mit einem Anteil von 23 Prozent mit Abstand Marktführer ist, hat vor zwei Jahren den so genannten Risk-Preferred-Tarif eingeführt. Risk Preferred steht für bevorzugte Risiken.

Man könnte den Tarif auch als Body-Mass-Tarif bezeichnen, denn ein perfekter Body-Mass-Index zwischen 20 und 26 ist eine Voraussetzung, um in die Gunst dieses Vorzugstarifs zu kommen. Ferner muss man seit mindestens drei Jahren dem Rauchen abgeschworen haben. Man darf keinen gefährlichen Beruf ausüben und sollte in der Freizeit weder dem Flugsport noch dem Flaschentauchen frönen.

Auch die Zürich denkt darüber nach, die Prämienkalkulation auf den Body-Mass-Index abzustützen. Entgegen anderslautender Medienartikeln ist aber noch nichts entschieden, bestätigt Zürich-Sprecherin Sarah Soland.

Anderes Risikobewusstsein

Auf Grund der gesundheitlichen Einschränkungen könnte man vermuten, nur gerade die Allergesündesten kämen in den Genuss von Vorzugstarifen. Daniel Lou, Leiter Vorsorge bei der Mobiliar, schlägt solche Vermutungen in den Wind: «53 Prozent der Versicherten erhalten den günstigen Risk-Preferred-Tarif», sagt er. Je rund 35 Prozent zahlen den Normal- und 13 Prozent den Raucher-Tarif.

Dieser Anteil von Rauchern liegt weit unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt von rund 30 Prozent. Lou erklärt, warum sich weniger Raucher versichern: «Nur Leute mit einer Risikosensibilität schliessen eine Lebensversicherung ab. Und wer für das Risiko eine Sensibilität entwickelt, lebt gesünder.»

Axa Winterthur macht die gleiche Erfahrung. Interne Auswertungen über alle Lebensversicherungsprodukte hätten ergeben, dass der Anteil der erfassten Raucher bei zirka 10 Prozent liegt.

Stephan Walther von Roth, Gygax und Partner in Gümligen: «Wenn wir einen Kunden mit der Mobiliar vermitteln, dann zum Preferred-Risk-Tarif. Wer einen Body-Mass-Index von über 26 aufweist, fährt bei anderen Versicherern besser.» Das gilt auch für Raucher. Bei Einheitstarifen, wie sie etwa von Swiss Life angeboten werden, zahlen Raucher nicht mehr als Nichtraucher. Ein Swiss-Life-Sprecher lässt sich sogar zur Bemerkung hinreissen, das Kriterium Rauchen hätte allein «keinen grossen Einfluss auf die Sterblichkeit». Auch Axa Winterthur führt einen Einheitstarif, verlangt aber für Raucher unter Umständen einen Prämienzuschlag.

Strengste Selektion bei Mobiliar

Kein anderer Lebensversicherer geht bei der Risikoselektion so weit wie die Mobiliar. Das führt dazu, dass der Body-Mass-Tarif fast unschlagbar günstig ist. Im Vergleich von «Info4Insider» aus Gümligen führt nur gerade Generali ein noch günstigeres Angebot. Allerdings sind die Italiener in diesem Segment ein Nobody. Ihre Stärke liegt bei den fondsbasierten Lebensversicherungen. Wie es scheint, will nun Generali auch bei den reinen Risikoversicherungen den geringen Marktanteil vergrössern. Dies tut sie, indem sie sehr knapp kalkuliert.

Stichwort: Body-Mass-Index
Der Body-Mass-Index (BMI) ist einfach zu berechnen: Das Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergrösse hoch zwei. Beispiel: Ein 95 Kilogramm schwerer und 1,80 Meter grosser Mann hat einen BMI von 29,3. Dies ist das Resultat von 95 geteilt durch 3,24. Ideal ist ein BMI zwischen 19 und 26. Menschen mit einem Body-Mass-Index von über 30 gelten gemäss der Weltgesundheitsorganisation als «krankhaft fettleibig». Bei der Mobiliar haben bereits Leute mit einem BMI von über 26 höhere Prämien in Kauf zu nehmen. (cc)
Fix und variabel

Die Todesfallversicherung mit konstanter Versicherungssumme ist der am weitesten verbreitete Typ. Man kann aber auch Verträge mit einer abnehmenden Versicherungssumme abschliessen. Das macht Sinn, denn mit zunehmendem Alter und wenn die Kinder heranwachsen, nimmt der Nutzen einer Lebensversicherung ab. Beide Formen zeichnen sich durch eine feste Laufzeit und eine vorgegebene Prämie aus.

Der dritte Typ nennt sich einjährige Todesfallversicherung mit steigender Prämie, die jedes Jahr dem Alter angepasst wird. Diese Art von Versicherung eignet sich für jüngere Personen, ist flexibel und kann ohne Kostenfolgen aufgelöst werden. (es)

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