Wirtschaft
Hahnenburger und Badewasser kosten mehr
25. Februar 2008, 08:14Die Wasserpreise steigen in diversen Zürcher Gemeinden massiv an. Wassersparen lohnt sich deshalb noch mehr als bis anhin. Der «Tages-Anzeiger» zeigt, wie es geht.
Von Reto Westermann
Wenn im Verlauf dieses Jahres die Wasserrechnungen in den Haushalten von Männedorf eintreffen, müssen die Empfänger tiefer ins Portemonnaie greifen als bisher: Statt 1.95 Franken wird der Kubikmeter Wasser 2.55 Franken kosten – das entspricht einer Preiserhöhung von 30 Prozent. Und der Grundtarif wird gar um 40 Prozent höher ausfallen. Grund für die Preisaufschläge sind laut dem Männedorfer Gemeinderat die Investitionen in die Infrastruktur sowie Rohrbrüche und sinkende Einnahmen, weil weniger neue Häuser gebaut werden, deren Anschlüsse Geld in die Kasse bringen. Alleine steht Männedorf mit der Erhöhung der Preise nicht da: In Effretikon beispielsweise wurden die Tarife schon vor vier Jahren um 66 Prozent erhöht. Für Alfred Besl, Bereichsleiter Wasser beim kantonalen Labor, sind die Aufschläge keine Überraschung: «Vielenorts war man stolz auf die tiefen Wasserpreise und hat trotz Rückstand beim Unterhalt keine Erhöhungen vorgenommen.» Das räche sich jetzt: «Viele Quellen müssen saniert werden, und auch die Anpassungen an die gestiegenen Gesetzesauflagen haben ihren Preis», sagt Besl.
Nicht jeder Preis ist gerechtfertigt
Erhöhungen um 60 Rappen pro Kubikmeter wie in Männedorf sehen zwar auf den ersten Blick nach wenig aus, doch hochgerechnet auf den Jahresverbrauch läppern sich die Kosten zusammen: Beim in der Schweiz üblichen Verbrauch von 159 Litern pro Person und Tag, steigen beispielsweise die jährlichen Kosten für eine vierköpfige Familie in Männedorf von 452 auf 591 Franken (ohne Grundgebühr).
Ausweichen kann man den steigenden Wasserpreisen als Konsument nicht, da die Wasserwerke ein lokales Monopol haben. Doch nicht immer sind die Preise gerechtfertigt. Preisüberwacher Rudolf Strahm hat die Wassertarife in letzter Zeit eingehend unter die Lupe genommen. Für die grossen Preisunterschiede zwischen verschiedenen Gemeinden fand er nur teilweise Erklärungen – etwa weil die Aufbereitungskosten von Seewasser höher sind als bei sauberem Quellwasser. Strahm macht deshalb derzeit politischen Druck für eine Überprüfung und Anpassung zu hoher Wassergebühren und hat zu diesem Zweck die Preise für 130 Gemeinden im Internet veröffentlicht. Hier zeigt sich: Auch im Kanton Zürich variieren die Preise massiv.
Sparen ist einfach
Bis die Bemühungen des Preisüberwachers greifen, kann es aber noch dauern. Schnellere Abhilfe gegen hohe oder steigende Wasserpreise bringt der sparsame Umgang mit dem kühlen Nass. Die meisten Massnahmen können leicht umgesetzt werden, kosten wenig oder nichts, schränken den Komfort nicht ein und haben einen weiteren Vorteil: Oft wird damit auch viel heisses Wasser gespart und so das Portemonnaie doppelt geschont. Der «Tages-Anzeiger» hat die wichtigsten Tipps zusammengestellt:
- Dichtungen bei tropfenden Hahnen austauschen: Pro Stunde geht hier ein Liter Wasser verloren. Das sind pro Jahr gegen neun Kubikmeter.
- Undichte WC-Spülkästen reparieren lassen: Ist die Dichtung beim Ausfluss zur Schüssel verdreckt oder defekt, läuft dauernd Wasser aus. Bis zu 20 Liter pro Stunde oder 175 Kubikmeter Wasser pro Jahr können so verloren gehen. Zu erkennen sind solche Undichtigkeiten einfach: Meist bilden sich in der Toilettenschüssel Kalkstreifen, die durch den Urin gelblich verfärbt werden.
- Wasserhähne und Dusche mit Energiespar-Aufsätzen (Durchflussbegrenzer) ausrüsten. Das reduziert den Wasserverbrauch bei gleichem Komfort um 50 Prozent (www.aquaclic.ch).
- WC-Spülkasten durch Modelle mit Stopp-Taste oder Doppeltaste ersetzen. So braucht man beim kleinen Geschäft nur noch ein Drittel so viel Wasser.
- Geschirrspüler und Waschmaschine nur ganz gefüllt laufen lassen. Ältere Geräte durch solche ersetzen, die auf der Energieetikette mit einem A gekennzeichnet sind. Im Vergleich mit einem Gerät der C-Klasse ist hier der Wasserverbrauch nur noch halb so hoch.
- Einhandmischer statt Wasserhähnen mit zwei Griffen montieren. So steht schneller Wasser mit der richtigen Temperatur zur Verfügung.
- Duschen statt Baden: Wer kurz duscht statt eine Wanne voll laufen lässt, spart pro Jahr bis zu 30 Kubikmeter Wasser.
- Wasser beim Einseifen unter der Dusche abstellen.
- Beim Zähneputzen und beim Nassrasieren den Wasserhahn abstellen.
- Rasen nicht zu häufig schneiden. Je kürzer der Rasen, desto schneller trocknet er aus, und umso mehr muss er bewässert werden.
- Regenwasser für das Giessen der Pflanzen im Garten verwenden oder ein Regenwassersystem installieren, das auch WC-Spülung und Waschmaschine speist.
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Grauwasser nutzen
Gesammeltes Regenwasser, von Fachleuten Grauwasser genannt, lässt sich problemlos im Haushalt verwenden: zum Giessen der Pflanzen, für die Waschmaschine oder die Toilettenspülung. Während für das Giessen der Pflanzen ein paar Fässer und ein Anschluss am Fallrohr der Regenrinne genügen, braucht es für den Einsatz im Haus ein eigenes Wassernetz, das durch einen im Boden versenkten Tank gespiesen wird. Am einfachsten und preisgünstigsten lässt sich ein Grauwassersystem beim Neubau eines Hauses oder bei grösseren Umbauten realisieren. Ganz günstig ist aber auch das nicht: 10'000 Franken und mehr kosten alle nötigen Installationen. Geld, das sich trotz den derzeitigen Wasserpreisen nur langsam amortisieren lässt. Der Anschluss an die Regenrinne und die Fässer zum Speichern des Wassers für das Giessen des Gartens hingegen kosten gerade mal ein paar Hundert Franken und rechnen sich schnell.
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