
Sommerträume, die crèmig-kühl vergehen

Wer die Wahl hat ...
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Den Trends der Ernährung auf der Spur, tüfteln die Glacemeister von Mövenpick an stets neuen Rohstoffkombinationen.
Sizilien: Sorbet zum Frühstück
Ägypten: Noch kein Glace-Land
China: Nostalgie-Eis am Stiel
Russland: Glace im Pelzmantel
Türkei: Das Eis von Maras
Deutschland: Nach Vorschrift
Schweizer essen 7,3 Liter pro Jahr
Von Annemarie Straumann
Als der Nahrungsmittelmulti Nestlé 2003 Mövenpick Ice Cream übernahm, befürchteten Feinschmecker das Schlimmste: Würde Mövenpick-Glace bald wie ein x-beliebiges Billigprodukt schmecken? Nichts dergleichen ist passiert. Mövenpick Ice Cream ist nach wie vor die beste industriell hergestellte Glace der Schweiz. Nestlé hat die Küche der Mövenpick-Geschmackstüftler da belassen, wo sie schon über 30 Jahre war: in Bursins im Kanton Waadt, zwischen Weinreben und Autobahn. Wie eh und je erfindet hier ein Team von «Maître glaciers» crèmig-kühle Gaumenkitzler.
Zum Beispiel die Sorbetlinie Délices de Fruit, die 2004 lanciert wurde. Délice bedeutet Hochgenuss, Wonne. Sorbets sind leichte, sommerliche Kreationen. Sie entsprechen dem aktuellen Trend zu leichterer Ernährung, wie er in feinen Restaurants zu beobachten ist. Zwei Jahre hatte die Entwicklung der fruchtigen Sorbets gedauert. Unzählige Münder kosteten unzählige Mischungen, bevor ein paar auserwählte Rezepte nach Rorschach geschickt wurden, wo die grossen Eismaschinen mit der Produktion begannen.
Lizenzen für Rezepte
Mövenpick-Eis ist in über 30 Ländern erhältlich. Die grosse Menge, für Europa und Asien, wird in der Nestlé-Fabrik in Rorschach hergestellt. Nach den Rezepten der Meister aus Bursins produzieren aber noch drei Lizenznehmer in Norwegen, Neuseeland und Saudiarabien sowie zwei Nestlé-Fabriken in Italien und Ägypten. In arabischen Ländern natürlich gemäss den Halal-Regeln: ohne Alkohol.
In den Regalen schweizerischer Grossverteiler verlocken momentan vier Mövenpick-Sorbets zum Kauf: Himbeer mit Erdbeerstücken, Zitrone mit Limette, Passionsfrucht mit Mango, Grapefruit mit Orange. Je nach Markt kreiert Mövenpick weitere Sorten, für die verschleckten Franzosen gar elf verschiedene. Der Franzosen liebstes Sorbet ist Cassis, die Schweizer stehen auf Himbeer.
Am Nerv des Geschmacks
Eine purpurrote, luftige Kugel auf einem weissen Teller serviert – wer könnte da widerstehen. «Am besten entfaltet sich das Aroma, wenn Sie das Sorbet aus dem Kühler nehmen und zehn Minuten stehen lassen, bis es zwischen minus 14 und minus 18 Grad hat, und dann die Kugel machen», sagt Martin Henck. Der Lebensmittelingenieur ETH muss es wissen: Henck ist der Leiter der Business Unit Mövenpick in Bursins, somit der Chef des guten Geschmacks.
Eine neue Glace beginnt mit einer Idee. Genauer gesagt, mit sehr vielen Ideen. Die Glacemeister, ein vierköpfiges Team bestehend aus Köchen, Confiseuren und Lebensmitteltechnologen, betreiben zunächst zusammen mit den Marketingleuten Marktforschung. Man holt sich Inspiration in Marktstudien, in Gourmetrestaurants, bei Rohstofflieferanten und auf Reisen in andere Länder. Was wird wo gegessen? Welche Rohstoffe könnte man kombinieren? Die Entwickler hören auch auf die Meinung potenzieller Kunden: Jedes Jahr sucht Mövenpick per Inserat zwanzig anspruchsvolle Glace-Esser, darunter Köche, Önologen und Feinschmecker, die zu ihren Wünschen befragt werden und monatlich zum Testschlecken kommen.
Aus den vielen Ideen für neue Geschmackskombinationen wählt das Team etwa zehn aus. Dann beginnt es, an Rezepturen zu tüfteln. Pro Idee werden schon mal zwischen 20 und 40 Rezepte getippt, dann in der hauseigenen Eismaschine angerührt, gekühlt und getestet. «Bevorzugt degustieren wir morgens um 10 Uhr, da sind die Geschmacksnerven am sensibelsten», sagt Entwickler Cédric Délez. Die besten Kreationen bekommen die Konsumentengruppen zum Urteil vorgesetzt. Am Ende schaffen es von vielleicht 200 probierten Rezepten 3 in die Produktion.
«Meisterwerke des Geschmacks» nennt Mövenpick ihre Kreationen. Grosse Worte. Was denn, Herr Henck, ist eine gute Glace? «Man muss den puren Geschmack des Rohstoffs erleben», sagt der Ingenieur. «Und auch die Textur muss stimmen: Qualitätseis schmilzt zart, ist crèmig. Auch hinterlässt es keinen Nebengeschmack auf der Zunge.» So wie er etwa durch den Zusatzstoff Mono-Diglycerid entstünde.
Sinnliches Erleben im Mund
Wenn Henck über Glace spricht, kommt er schon mal ins Schwärmen: «Glace, das ist eine Geschmacksexplosion. Man isst sie nicht nebenher wie Chips vor dem Fernseher. Eine Glace verlangt Aufmerksamkeit. Wer eine Glace isst, erlebt, wie sie schmilzt, sich von fest zu flüssig verwandelt. Fühlt zuerst die Kälte, dann entfaltet sich Süsse, und vielleicht, je nach Frucht, erlebt man dann einen sauren Eindruck. Probieren Sie nur mal das Sorbet Grapefruit mit Orange.» Um alldem noch ein Erlebnis hinzuzufügen, verfeinert Mövenpick ihre Glaces mit Fruchtstückchen oder je nachdem mit Schoko- oder Nussteilchen. «So knackt es auch noch», sagt Henck.
Der Clou der Mövenpick-Sorbets ist ihre Crèmigkeit. Als sich das Team der Entwickler an die Idee Sorbets machte, wurden potenzielle Kunden befragt, was sie an Sorbets mögen und was nicht. Die meisten fanden, Sorbets seien oft zu wässrig. Die Meister versuchten also, eine möglichst vollmundige Fruchtglace hinzukriegen – natürlich, wie sich das für Sorbets gehört, ganz ohne Rahm. Die Lösung war das Püree: Statt wie andere Hersteller Fruchtsaft-Konzentrat zu verwenden, pürierten die Maîtres die Früchte und verrührten den Brei (inklusive Fasern) mit Wasser, Zucker und natürlichen Gelierhilfen. Stolz ist man bei Mövenpick auf den hohen Fruchtanteil: Bis zu 50 Prozent der Sorbetkugel ist pure Frucht. Die intensiven Farben stammen allein von der Frucht, künstliche Farbstoffe sind tabu. Überhaupt verzichte Mövenpick grundsätzlich auf künstliche Zutaten, alle Glaces seien «100 Prozent natürlich», heisst es.
Besonderen Wert legt man auf die Wahl der Rohstoffe. Mangos zum Beispiel gibt es etwa 50 Sorten weltweit. Zwei davon verwendet Mövenpick: Eine liefert die Farbe, die andere den Geschmack. Die Qualität der Früchte wie auch der anderen Rohstoffe wird immer wieder getestet – schliesslich ist nicht jede Ernte gleich gut, und wenn ein Lieferant meint, eine noch bessere Frucht liefern zu können, wird auch das geprüft.
Business-Unit-Leiter Martin Henck hat schon von Glace geträumt. Herausgekommen ist dabei kein Sorbet, sondern das Rahmeis Panna Cotta für Mövenpicks Dessertlinie. Henck hat Glück: Er arbeitet an einem Ort, wo solche Träume wahr werden.
[TA | 22.07.2006]
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Sizilien: Sorbet zum Frühstück
Eigentlich, könnte man meinen, sollten die Sizilianer an den Sommer gewöhnt sein. Dennoch ist einer ihrer liebsten Sätze: «Si muore dal caldo» – man stirbt vor Hitze. Kein Wunder, ist eine Erfrischung immer willkommen, am besten in Form einer Glace. Und die hat in Sizilien Tradition: Ihr Ursprung reicht ins 9. Jahrhundert zurück, als die Araber die Insel eroberten. Sie brachten nicht nur Zitronen und Pistazien mit, sondern auch Sorbet-Rezepte.
Die Sizilianer können sich keinen Sommer ohne Glace vorstellen. Damit sie ja genug davon bekommen, beginnt schon das Morgenessen mit einer kühlen Verführung, und zwar mit Granita, einer Art Sorbet aus Zuckersirup. Die klassischen Aromen sind Zitrone und Kaffee. Serviert wird die Granita im Glas, mit oder ohne Rahmhäubchen, zusammen mit einem süssen Hefe-Weggli, genannt Brioche. Ein berühmter Granita-Fan ist der Schriftsteller Andrea Camilleri. Nicht nur lässt er seinen Kommissar Montalbano oft Granita essen, auch der Autor selbst füllt sich morgens eine Thermoskanne damit auf.
Die klassische Glace geniessen die Sizilianer am liebsten abends in Gesellschaft. Wenn die Temperaturen erträglich werden, schwärmen ganze Familien zu ihrem Lieblings-Glacestand aus. Selbstverständlich muss es hausgemachte Ware sein. Gegessen wird stehend, ein kleiner Becher kostet selten mehr als einen Euro. Aromen wie Zitrone, Pistazie oder Mandeln sind beliebt. Etwas ganz Besonderes sind Jasmin- und Maulbeerglace – sie schmecken so himmlisch, dass man sich wünschte, der Sommer würde nie enden. Anna Imfeld
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Ägypten: Noch kein Glace-Land
Sprache ist verräterisch. Wer in Ägypten eine Glace bestellt, fragt nach Ice Cream, Gelatti oder Dondurma, benützt also entweder das englische, das italienische oder das türkische Wort. Eine eigene arabische Bezeichnung ist nicht gebräuchlich.
Glace ist im Land der Pharaonen ein importiertes Produkt ohne tief verwurzelte Tradition. Entsprechend gering ist der Konsum der gefrorenen Köstlichkeit. Käufer sind vor allem Kinder und Jugendliche in der heissen Sommerzeit. Der Marketingfachmann nennt das Impulskäufe und versucht, mit Werbekampagnen die Gewohnheiten zu ändern, damit Glace vermehrt von Erwachsenen für zu Hause gekauft werde. Nur leider wächst der Markt langsamer, als die Verkäufer dies gerne hätten.
Eine Eistorte von Koueider macht sich als Mitbringsel immer gut. Die Vanilleglace mit dem Fruchtüberzug ist eine Spezialität der bekannten Kairoer Konditorei. Doch auch diesen klingenden Namen gibt es erst seit den 80er-Jahren. Etwas älter ist die Cassata vom Kaffeehaus Groppi, die früher die bekannteste Eisspezialität am Nil war. Fast verschwunden ist Buza, ein Eis, das gummiartig ist, Fäden zieht und einst im ganzen Nahen Osten verbreitet war.
Die kleinen gewerblichen Hersteller experimentieren schon mal mit neuen Sorten, etwa mit lokalem Karkadé, den roten Hibiskus-Blüten. Im Trend liegen jedoch wie überall auf der Welt Vanille und Schokolade, dann folgt allerdings die Mango, die als teure und edle Frucht gilt, und nicht Erdbeere wie in den übrigen Ländern. Generell sind im heissen Ägypten Fruchtaromen beliebt. Astrid Frefel
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China: Nostalgie-Eis am Stiel
Natürlich könnte sich Zhou Liqing ein echtes Eis kaufen. Von Nestlé, Wall’s über die heimischen Sorten Mengniu und Yili liegt alles in der Tiefkühltruhe. Doch Zhou, ein 40-jähriger Chinese, sucht heute nach einem Binggun. Ein einfaches Wassereis am Stiel, wörtlich mit Eisstiel zu übersetzen. Es besteht aus gefrorenem Wasser mit Geschmack – gewissermassen die Billigversion eines Eises am Stiel. Aber für Zhou gibts nichts Köstlicheres: «Binggun erinnert mich an meine Kindheit», sagt der Bauarbeiter, der einst Eisverkäufer werden wollte. Noch vor zwanzig Jahren gab es weder in Peking noch im Rest des Landes Eiscrème zu kaufen, doch an jeder Ecke stand im Sommer ein Binggun-Verkäufer mit seinem Bollerwagen. Darin hatte er die daheim eingefrorenen, viereckigen oder runden Wassereis-Lutscher in eine Bettdecke eingewickelt, zwecks Kühlung. Die einfachsten Lutscher bestanden aus gefrorenem Zuckerwasser, andere Eisverkäufer hatten Rotdornsaft und Wasser gemischt und eingefroren. «Bingguuuun, binguuuun», riefen sie, während sie den Wagen langsam durch die Altstadtgassen Pekings schoben, stets von einer Schar Kinder verfolgt.
Nach Jahrzehnten der Wirtschaftsreformen in China ist Binggun heute so etwas wie eine aussterbende Eis-Spezies geworden. An jeder zweiten Ecke gibt es in Peking inzwischen eine Häagen-Dazs-Filiale oder ein anderes Eiscafé. Wen es jedoch nach einem guten alten Binggun gelüstet, der muss inzwischen lange suchen. Noch immer lässt es für viele Pekinger alte Träume zurückkehren, während es auf der Zunge zergeht. Henrik Bork
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Russland: Glace im Pelzmantel
Die Russen mögen es kalt: Selbst wenn der Wind eisig durch die Strassen pfeift und es nicht aufhört zu schneien, versüssen sie sich den Tag gerne mit einer Glace. Klar, ein heisser Punsch oder ein Gläschen selbst gebrannter Schnaps würde besser passen zum garstigen Wetter. Aber die Glace hat sich irgendwie halten können als beliebte Takeaway-Verpflegung für jede Jahreszeit. Das mag auch an der Omnipräsenz der «Eisfrauen» liegen. Diese harren an ihren Freiluft-Verkaufsständen rund um Metrostationen und Bushaltestellen bei jeder Temperatur aus – wenn nötig auch mal im Pelzmantel.
Was die Glacesorten betrifft, hat sich in Russland Anfang der Neunzigerjahre eine wahre Revolution abgespielt. In sowjetischer Zeit war die Auswahl bescheiden, die Begeisterung für einzelne Sorten dafür umso grösser. Welcher Russe schwärmt nicht vom guten alten Zuckerröhrchen, einem einfachen Rahmglace mit Schokoladenguss. Dafür stand man gerne Schlange. Auch der Waffelbecher war ein Klassiker der sowjetischen Eisindustrie mit denselben Hauptingredienzen: Rahm, Zucker, Waffel. Mit dem Fall des Eisernen Vorhanges wurde Russland überschwemmt von Importglace. Als «Offenbarung» schildern einzelne Russen die Erfahrung, dass es Dutzende Glacesorten mit bisher undenkbaren Zutaten geben kann. Nachdem nun aber «Magnum», «Twister» und Konsorten durchprobiert sind, herrscht Ernüchterung. Viele sind sich einig: Am besten ist und bleibt das einfache Zuckerröhrchen, für das man schon zu Sowjetzeiten sommers wie winters Schlange stand. David Nauer
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Türkei: Das Eis von Maras
In Anatolien behaupten sie, sie hätten schon immer an den Gletschern gelutscht: Etwas Sirup drauf, und fertig war das Sorbet. Die Türken sind da bloss die Letzten in der Schlange all der anatolischen Leckermäuler, hinter den Hethitern, Römern, Byzantinern.
Die Türken haben aber ihre ganz eigene Sensation erfunden: das Eis von Maras. Maras liegt am Ahir-Berg, dort, wo die Ziegen grasen und sich über wilde Orchideen hermachen. Die Leute von Maras nahmen einfach die Milch der Ziegen und die zu Pulver zerriebenen Wurzeln der Orchideen, fügten Zucker und Zimt hinzu – und nach viel Kneten und Schlagen war es plötzlich auf der Welt, das Eis von Maras. 300 Jahre ist das jetzt her.
Das Eis von Maras isst man mit Messer und Gabel. Man hängt es an Fleischerhaken oder zerteilt es mit der Kreissäge. So fest ist es. Wie Toffee, sagen die einen. Wie Kaugummi, die Kinder. Die haben überhaupt ihren Spass: Ein Maras-Eisverkäufer, egal ob in Maras, am Strand von Izmir oder in der Fussgängerzone von Istanbul, verkauft nicht einfach Eis – er führt Kunststückchen vor: Eislöffel braucht er nicht, dafür ellenlange Spateln, die graben, schaben und stechen. Mal trommelt er ein Solo auf den Eistöpfen, mal lötet er die Waffel mit dem Dattel-, Schoko- und Granatapfeleis einfach an seiner Spatel fest, die er dir dann entgegenstreckt. Du willst zugreifen, denkst, jetzt hast du dein Eis. Reingefallen. Blitzschnell zieht er Spatel und Waffel zurück. Alle lachen auf deine Kosten. Doch irgendwann will auch er sein Geld. Dann machst du dich dran: ist mehr Abbeissen und Kauen als Schlecken. Aber du isst wilde Orchideen! Kai Strittmatter
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Deutschland: Nach Vorschrift
Das erste Eis verkaufte 1799 ein Franzose im Alsterpavillon in Hamburg. Als im 20. Jahrhundert die Glace populär wurde, antworteten die deutschen Behörden auf die Herausforderung, indem sie 1933 «Speiseeis» zu einem amtlichen Begriff machten. Damit klar ist, was der Deutsche isst, halten noch heute die «Leitsätze für Speiseeis und Speiseeishalberzeugnisse» vom 19. Oktober 1993, zuletzt geändert am 27. November 2002 minuziös fest: «Speiseeis ist eine durch einen Gefrierprozess bei der Herstellung in einen festen oder pastenartigen Zustand, z.B. Softeis, gebrachte Zubereitung, die gefroren in den Verkehr gebracht wird und dazu bestimmt ist, in diesem Zustand verzehrt zu werden; im aufgetauten Zustand verliert Speiseeis seine Form und verändert sein bisheriges Gefüge.»
Grob vereinfacht unterscheiden die deutschen Behörden acht Glacesorten: Crèmeeis, Sahneeis, Milcheis, Eiscrème, Fruchteis, Fruchteiscrème, Frucht-Sorbet und Wassereis.
Das mag etwas gar lustlos tönen, tut der Glacebegeisterung der Deutschen aber keinen Abbruch. Auf über acht Liter wird der jährliche Eiskonsum in Deutschland für letztes Jahr geschätzt. Wer auch nur einmal bei frostigen Temperaturen in Berlin beobachtet hat, wie die Berliner unverdrossen die nächste Eisdiele ansteuern, muss annehmen, dass es da eine grosse Dunkelziffer gibt. Wahrscheinlich zählen die Behörden nur während der Sommermonate mit, das Herz der Deutschen aber sehnt sich das ganze Jahr nach Sonne, und gestillt wird diese Sehnsucht am besten durch einen kühlen Schleck. Sascha Buchbinder
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Schweizer essen 7,3 Liter pro Jahr
Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz punkto Glacekonsum im hinteren Mittelfeld: Die Schweizer haben letztes Jahr 54,7 Millionen Liter konsumiert. Das sind 7,3 Liter Glace pro Mund. Das Rekordjahr in der Glacegeschichte war 2003 mit dem Hitzesommer; damals rutschten 61,3 Millionen Liter – oder 8,3 Liter – in Schweizer Mägen. Der grösste Teil der Glace wird zu Hause konsumiert (58 Prozent), gefolgt vom Impulskauf auf der Strasse und in Bädern (22 Prozent). Die letzten 20 Prozent werden über das Gastgewerbe abgesetzt.
Satte 94 Prozent der Glace, die die Schweizer essen, wurde industriell hergestellt. Marktführer unter den Produzenten sind die Migros, Nestlé (Marken Frisco und Mövenpick) und Unilever (Lusso). Mövenpick ist ein kleiner Hersteller (Marktanteil Schweiz: 11 Prozent).
Die Nummer 1 beim Glacekonsum weltweit sind die USA mit etwa 23 Litern pro Kopf und Jahr, gefolgt von Neuseeland (20 Liter) und Australien (18 Liter). In Europa sind die kühlen Schweden die heissesten Glacefans: Sie schlecken mit 14 Litern doppelt so viel wie die Schweizer. Im Vergleich dazu konsumieren Chinesen (1 Liter) und Ägypter (0,7 Liter) wenig Glace. Der beliebteste Glacegeschmack weltweit ist Vanille. (ast)
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