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Wissen – 14. Februar 2012
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Virenfreie Löwen für Namibia
Löwen
Leiden nicht an Immunschwäche: die vier Monate alten Löwenkinder und ihr Vater Mbali.

 
Cabara und Catali heissen die beiden Löwenbabys, die seit kurzem im Basler Zoo zu sehen sind. Sie sollen helfen, den von einem Virus bedrohten Löwenbestand in Namibia zu sichern.

Immunschwächevirus FIV

Von Felix Maise, Basel

Das freudige Ereignis fand kurz vor Weihnachten statt: Am 22. Dezember 2005 stellte der Tierpfleger im Stall der neuen Etoscha-Löwenanlage des Basler Zoos die Geburt von zwei Löwenkindern fest. Cabara und Catali, ein Weibchen und ein Männchen, sind die ersten in einem europäischen Zoo geborenen Namibia-Löwen. Seit kurzem sind sie in der naturnah gestalteten Aussenanlage zu sehen.

Einzigartig an den zwei Löwenbabys ist auch, dass sie seit ihrer Geburt nicht nur von ihrer Mutter umsorgt wurden, sondern vom ersten Tag an in der Gruppe heranwuchsen. So wurden sie nicht nur von ihrer vierjährigen Mutter Okoa gehegt und gepflegt, sondern auch von der zweiten Löwendame, der ebenfalls vierjährigen Cora, und dem Vater Mbali.

Okoa, Cora und Mbali sind Wildfänge und stammen aus zwei Reservaten in Südafrika. Anders als viele andere Zoolöwen sind sie relativ menschenscheu. In der Aussenanlage zeigen sie sich den Besucherinnen und Besuchern deshalb nicht immer so, wie diese es gerne hätten. Für ein grosses Stück Fleisch überwinden sie aber immer wieder ihre angeborene Scheu vor dem Menschen.

Ein eigenes Zuchtbuch

Speziell an der Basler Löwengruppe und an den Namibia-Löwen insgesamt ist, dass sie zusammen mit der ebenfalls kleinen Population der asiatischen Löwen frei sind vom so genannten felinen Immunschwächevirus FIV, einem zu den Lentiviren gehörenden Virus.

Die sehr viel zahlreicheren Zoolöwen aus Ost- und Südafrika dagegen sind zu 70 bis 80 Prozent vom so genannten Katzenaids-Virus befallen. Wenn der Basler Zoo FIV-freie Namibia-Löwen nachzüchte, leiste er damit auch einen Beitrag zur Erhaltung einer Reservepopulation, erklärt Zootierarzt Christian J. Wenker. Die Basler Löwen stammen aus den zwei Nationalparks Pilanesberg und Madikwe in Südafrika, wo es früher Löwen gab. Heute wildert man in den zwei Reservaten bewusst virusfreie Namibia-Löwen aus.

Neben dem Zoo Basel beteiligt sich bisher auch der Zoo von Oklahoma in den USA an der Nachzucht von Namibia-Löwen, für die ein eigenes Zuchtbuch geführt wird. Weitere Zoos sollen folgen, um die bedrohte Population fernab ihrer Heimat zu vergrössern, so die Idee. Hans Lutz vom Veterinärmedizinischen Labor der Uni Zürich ist einer der weltweit führenden Spezialisten für das Immunschwächevirus der Katzen. Nachdem das FIV-Virus 1987 in den USA erstmals festgemacht worden war, testete er eine damals im Zürcher Zoo erkrankte ältere Löwin, die allgemeine Schwächeanzeichen aufwies. Die Löwin war tatsächlich FIV-positiv, ebenso ihr Löwenmann und der gemeinsame Nachwuchs.

Eine afrikanische «Erfindung»

FIV-Tests in weiteren Zoos zeigten alsbald, dass 70 Prozent der afrikanischen Zoolöwen FIV-positiv waren. Und auch die meisten wild lebenden Löwen Ost- und Südafrikas vom Serengeti-Nationalpark in Kenya über Zimbabwe und Botswana bis in den südafrikanischen Krüger-Nationalpark sind von einem Lentivirus befallen, das dem klassischen Katzenaids ganz nahe verwandt ist.

FIV-frei ist im Gegensatz dazu die geografisch seit wahrscheinlich 10 000 Jahren abgetrennte, kleine Population der Namibia-Löwen im Südwesten Afrikas. Vom Virus verschont sind auch die ebenfalls kleine Restpopulation von asiatischen Löwen im indischen Gir-Forest sowie die übrigen in Asien beheimateten Wildkatzen wie etwa Tiger und Schneeleoparden. «Und auch die Wildkatzen Südamerikas scheinen FIV-negativ zu sein», so Lutz. Daraus lasse sich schliessen, dass die Lentiviren bei Löwen eine ost- oder südafrikanische «Erfindung» der Natur seien.

Im indischen Gir-Forest, dem ehemaligen Jagdreservat eines Maharadschas, hat eine Population von etwa 300 Tieren überlebt. Was Basel für die Namibia-Löwen tut, verfolgt der Zoo Zürich deshalb bereits seit 1991 für die indischen Löwen: Auch die Zürcher Löwen sind seither FIV-frei.

FIV-freie Tiere speziell gefährdet

Wichtig ist die Sicherung der zwei kleinen Löwenpopulationen in Zoos, weil zu befürchten ist, dass diese bei einem allfälligen Kontakt mit dem Immunschwächevirus in ihrer Heimat sehr viel empfindlicher reagieren würden als die seit Jahren infizierten Ostafrika-Löwen. Diese hätten inzwischen Mechanismen gegen das Virus entwickelt, sagt FIV-Fachmann Lutz. Noch ist unklar, ob ost- und südafrikanische Löwen Nachteile aus der Infektion mit dem Löwen-FIV davontragen. Das gleiche Phänomen kenne man bei Affen. Dort würden zum Beispiel grüne Meerkatzen mit Lentivirusinfektionen, dem so genannten SIV, gar nicht krank und Schimpansen, wenn überhaupt, erst in sehr fortgeschrittenem Alter. «Wenn FIV aber nach Etoscha zu den Namibia-Löwen gelangt, sind diese vermutlich voll empfänglich und entsprechend gefährdet», warnt Lutz.

«Reservepopulationen in Zoos werden deshalb immer wichtiger. Und je mehr Zoos bei der kontrollierten Nachzucht mitmachen, desto erfolgreicher ist die Strategie natürlich», sagt der Zürcher Veterinärprofessor. Im Gamgoas-Haus des Basler Zoos wissen Cabara und Catali nichts von alledem. Und auch die meisten Zoobesucherinnen und -besucher freuen sich ganz einfach an den ausgelassenen Jagdspielen der zwei Basler Löwenbabys in der Frühlingssonne und am friedlichen Zusammenleben der jetzt fünfköpfigen Löwengruppe. [TA | 26.04.2006]

Immunschwächevirus FIV

Das so genannte feline Immunschwächevirus (FIV) wird mit dem Speichel ausgeschieden, aber im Gegensatz zum felinen Leukämievirus hauptsächlich durch Bissverletzungen übertragen. Am häufigsten sind deshalb unkastrierte Kater mit freiem Auslauf infiziert, die ihr Territorium gegenüber anderen Katzen verteidigen. Die Häufigkeit von FIV ist von Land zu Land sehr unterschiedlich: Während in der Schweiz nicht einmal 2 Prozent der gesunden Katzen FIV-positiv sind, sind es in Frankreich 22 Prozent.
Die FIV-Infektion verläuft analog zur HIV-Infektion des Menschen in Phasen. Wenige Wochen nach einem infektiösen Biss bekommt die Katze Fieber, vergrösserte Lymphdrüsen, wird apathisch und frisst kaum mehr. Nach kurzer Zeit erholt es sich aber von dieser akuten Phase. Es folgt dann die asymptomatische Trägerphase: Das Tier ist während Monaten oder Jahren klinisch unauffällig, aber infiziert und kann andere Katzen anstecken.
In der dritten Phase kommt es durch Verlust bestimmter weisser Blutkörperchen, der CD4-Helferlymphozyten, zu einer Immunschwäche mit allmählicher Abmagerung und chronischen Entzündungen auf Grund von Sekundärinfektionen. Daran schliesst sich die eigentliche Aidsphase an. Schwerste Infektionen, Blutarmut, Auszehrung und Verhaltensstörungen führen zum Tod. Von der ersten Infektion bis zur Aidsphase vergehen bei Katzen im Durchschnitt rund vier Jahre.
Niels C. Pedersen von der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität von Kalifornien in Davis gelang es 1987 erstmals, das FIV aus Lymphozyten erkrankter Katzen zu isolieren. (mai)




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