Ausland

Rita-Flüchtlinge gestaffelt zurück

25. September 2005, 15:59

Hurrikan Rita hat nach einer ersten Einschätzung des Katastrophenschutzes weit weniger Schäden als befürchtet angerichtet. Um ein erneutes Chaos zu verhindern, soll die Rückkehr gestaffelt verlaufen.

Die Rückkehr der Flüchtlinge droht erneut zum Chaos zu werden.
Die Rückkehr der Flüchtlinge droht erneut zum Chaos zu werden.
Im US-Bundesstaat Mississippi starb gestern ein Mensch durch einen Tornado im Gefolge von Rita, sagte eine Sprecherin des Katastrophenschutzes des US-Bundessstaates. Menschen seien verletzt worden. Rita wurde zwar inzwischen zu einem Tropensturm herabgestuft, bleibt aber wegen der heftigen Regenfälle weiter gefährlich.
Noch keine Rückkehr in den kommenden 48 Stunden
Angesichts von Benzinmangel und Zerstörung riefen die Behörden alle Evakuierten auf, in den kommenden 48 Stunden nicht nach Hause zurückzukehren. Die Rückkehr soll über die nächsten drei Tage gestaffelt ablaufen.

Mit meterhohen Flutwellen und stundenlangen Regenfällen hatte Hurrikan Rita gestern an der US-Golfküste in Texas und Louisiana die schwersten Überschwemmungen der vergangenen vier Jahrzehnte ausgelöst.

Vier Wochen nach Wirbelsturm Katrina war Rita gestern Morgen (MESZ) bei Sabina Pass in Texas mit voller Wucht auf das Festland getroffen. Augenzeugen berichteten, der Sturm sei wie eine gewaltige Wasserwand über die Küste hereingebrochen. In den US- Bundesstaaten Texas und Louisiana gingen in 1,2 Millionen Haushalten die Lichter aus.

Lake Charles überflutet
Gegenden um die texanische Stadt Beaumont sehen nach Augenzeugenberichten aus, als ob ein riesiger Bulldozer über Häuser und Bäume gefahren wäre. Die besonders schwer getroffene Stadt Lake Charles in Louisiana versank teilweise in den Fluten. Die US-Armee will 500 Soldaten aus New Orleans abziehen und weitere 2400 Nationalgardisten in das Katastrophengebiet verlegen.

In verschiedenen Orten gingen Häuser in Flammen auf. In der Inselstadt Galveston zerstörten Brände mehrere historische Gebäude. Aber auch hier blieben die Schäden bei weitem hinter den Befürchtungen zurück. Grosse Erleichterung herrschte auch in Houston, das nur kleinere Schäden meldete.

Schäden in Louisianna
In New Orleans, wo bereits am Freitag ein Damm unter der Wucht der Ausläufer von Rita gebrochen war und Wasser den Stadtteil Ninth Ward erneut überflutet hatte, entstanden am Wochenende keine zusätzlichen Schäden. Die anderen Stadtteile blieben bis auf Regenwasser praktisch trocken, wie Bürgermeister Ray Nagin mitteilte.

In Abbeville in Louisiana wurden mehr als 100 Menschen mit Booten aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht. Dutzende Bürger warten nach Angaben der Behörden weiter auf ihre Evakuierung. Das Wasser stand in der Stadt mehr als drei Meter hoch.

Ölindustrie verschont
US-Präsident George W. Bush, der sich vor Ort über die Rettungsarbeiten informierte, rief für Texas und Louisiana den Notstand aus. Damit kann die Bundesregierung den Staaten finanzielle Hilfen gewähren.

Das befürchtete Fiasko für die Ölindustrie durch den Hurrikan blieb aus: Nur zwei Ölraffinerien in Port Arthur in Texas wurden durch die gewaltigen Winde von bis zu 200 Stundenkilometer erheblich beschädigt.

Kostenschätzung
Rita dürfte die Versicherungen und Rückversicherer in aller Welt nach ersten Expertenschätzungen nur 3 bis 6 Milliarden Dollar kosten. Die auf Risikoanalysen spezialisierte US-Firma Equecat hat erste Schätzungen sind nach unten korrigiert.

Vertreter der amerikanischen Streitkräfte haben von Präsident George W. Bush einen nationalen Katastrophenschutzplan verlangt. Bush informierte sich am Sonntag im Krisenzentrum für den Hurrikan Rita im texanischen San Antonio über den Verlauf der Rettungsarbeiten.

Generalmajor John White, ein Mitglied des Krisenstabs, verwies auf Koordinierungsschwierigkeiten nach dem Hurrikan Katrina, die jetzt nicht mehr aufgetreten seien, weil man vor Rita mehr Zeit zur Vorbereitung gehabt habe. «So viel Zeit haben wir nach einem Erdbeben oder einer ähnlichen Katastrophe vielleicht nicht», erklärte White. «Mit einem nationalen Plan können wir schneller an die Arbeit gehen und mehr Menschen retten.»

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