Cheney schiesst auf Kameraden

13. Februar 2006, 11:05

US-Vizepräsident Dick Cheney hat während eines Jagdausflugs in Texas versehentlich einen Kameraden angeschossen. Dieser wurde von mehreren Schrotkugeln in die rechte Wange, den Hals und den Brustkorb getroffen.

Dick Cheney forderte Einstellung des Verfahrens gegen ihn.
Dick Cheney forderte Einstellung des Verfahrens gegen ihn.
Das Opfer, der 78-jährige Harry Whittington, wurde auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Corpus Christi beobachtet. Das Krankenhaus bezeichnete seinen Zustand heute als stabil.

Der Vorfall hatte sich am Wochenende auf der 20’000 Hektar grossen Armstrong-Ranch in Texas ereignet. Eigentümerin Katharine Armstrong erklärte, zu dem Unfall sei es gekommen, weil Whittington sich Cheney von hinten genähert habe, ohne auf sich aufmerksam zu machen. «Der Vizepräsident hat ihn nicht gesehen», sagte Armstrong. Als Cheney dann einen auffliegenden Vogel ins Visier genommen habe, sei der 78-Jährige in die Schusslinie geraten.

Der Verletzte sei sofort von Ärzten im Gefolge Cheneys behandelt worden, anschliessend sei er von einem für den Vizepräsidenten bereitstehenden Krankenwagen in eine Klinik gebracht worden, sagte Armstrong weiter. Von dort wurde Whittington mit einem Hubschrauber nach Corpus Christi geflogen. Cheney habe ihn bereits besucht.

Glück im Unglück
Whittington liess von seinem Krankenhausbett mitteilen, er wolle sich aus Respekt vor Cheney nicht zu dem Zwischenfall äussern. Seine Tochter Sally sagte, ihr Vater habe grosses Glück gehabt, nicht schwer verletzt worden zu sein. Er stehe wegen einiger Schwellungen an den Einschussstellen unter Beobachtung. Auf der Jagd waren Whittington, Cheney und ein dritter Jäger. Alle trugen orangefarbene Westen.

Whittington ist seit langem bei den texanischen Republikanern aktiv. Er ist wie Cheney ein begeisterter Jäger und kommt regelmässig auf die Armstrong-Ranch. Armstrong sagte, Cheney komme etwa ein Mal pro Jahr zum Jagen und sei ein sehr umsichtiger Sportsmann. Es sei jedoch das erste Mal gewesen, dass die beiden dort zusammen unterwegs gewesen seien.

Über den Unfall berichtete als erste die in Corpus Christi erscheinende Zeitung «Caller-Times». Das Büro Cheneys nahm erst mit fast eintägiger Verzögerung zu dem Zwischenfall Stellung. Zur Begründung hiess es, man habe es Armstrong überlassen wollen, den Unfall auf ihrem Grundstück öffentlich zu machen. Der Vizepräsident kehrte gestern Abend nach Washington zurück.

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