Bush setzt auf Deutschland

07. Mai 2006, 12:35

Im Kampf gegen den Terrorismus und im Atomstreit mit dem Iran ist Deutschland in den Augen von US-Präsident George W. Bush ein entscheidender Partner.

Der Atomstreit mit dem Iran war ein Hauptthema der Gespräche in der vergangenen Woche.
Der Atomstreit mit dem Iran war ein Hauptthema der Gespräche in der vergangenen Woche.
In einem Interview der «Bild am Sonntag» würdigte US-Präsident George W. Bush in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Rolle von Bundeskanzlerin Angela Merkel: «Wenn sich die Bundeskanzlerin hinstellt und sagt, dass der Krieg gegen den Terror gewonnen werden muss oder wichtig für die Sicherheit unserer Völker ist, dann hören die Menschen auf der ganzen Welt zu.»

Bush betonte, dass Deutschland wie zur Amtszeit seines Vaters ein «Partner in einer Führungsrolle» sei. Dies sehe man auch im Atomkonflikt mit dem Iran, in dem Merkel stark gewesen sei. Es sei sehr wichtig, «dass die Iraner wissen, dass Deutschland mit anderen zusammenarbeitet, um eine klare Botschaft nach Teheran zu senden».

Atomstreit: «Alle Optionen auf dem Tisch»
Die Botschaft laute, das Streben nach einem Nuklearprogramm, nach Atomwaffen werde sie in der Welt isolieren. Zugleich unterstrich er, dass er eine diplomatische Lösung des Konflikts anstrebe. Gleichzeitig müssten jedoch «alle Optionen auf dem Tisch bleiben».

Der US-Präsident sagte, dass dem deutschen Volk viel an Frieden gelegen sei. Auf die Frage, ob er sich von der Bundesrepublik im Krieg gegen den irakischen Machthaber Saddam Hussein im Stich gelassen fühlte, erklärt er: «Ich habe langsam erkannt, dass es in der Natur der deutschen Bevölkerung ist, dass sie den Krieg verabscheut.» Dies gelte für jedes politische Spektrum.

Würdigung des deutschen Beitrags
Gleichwohl verteidigte Bush einmal mehr den Krieg gegen den Irak. Er habe seine Entscheidung damals «in dem vollen Bewusstsein getroffen, dass man Bedrohungen begegnen muss, bevor sie Realität werden».

Nun gehe es aber nicht darum, was in der Vergangenheit geschehen sei, so Bush, sondern unter anderem darum, im Irak die Demokratie einzurichten. Daher sei er Deutschland dankbar, dass es Ausbildungsmissionen übernommen und zur Entschuldung des Iraks beigetragen habe.

Bush nannte all diese Gesten «sehr bedeutend» und fügte hinzu: «Sie besagen, dass die Deutschen – obwohl sie mit der Entscheidung, in den Irak zu gehen – nicht einverstanden waren, heute der Auffassung sind, dass der Erfolg der Demokratie im Irak von grosser Bedeutung ist. So schätze ich unsere Beziehungen ein.»

Deutschland-Besuch im kommenden Juli
Ausdrücklich würdigte Bush in dem Interview Bundeskanzlerin Angela Merkel als Persönlichkeit: «Ich war sehr fasziniert davon, einer sehr starken Frau zu begegnen, die in einem kommunistischen Land erzogen worden ist.» Bush und die Kanzlerin hatten sich am vergangenen Mittwoch im Weissen Haus in Washington getroffen. Der US-Präsident will Mitte Juli zum dritten Mal Deutschland besuchen.

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