Ausland

Terroristen bauten Kofferbomben

18. August 2006, 17:32

Deutschland entging Ende Juli offenbar nur knapp einem Terror-Anschlag auf zwei Regionalzüge. Nur ein handwerklicher Fehler habe die Explosion von zwei Koffer-Bomben verhindert, sagt die Polizei.

Grosse Aufregung Ende Juli im Bahnhof Dortmund: Ein Polizist trug den gefundenen Koffer weg.
Grosse Aufregung Ende Juli im Bahnhof Dortmund: Ein Polizist trug den gefundenen Koffer weg.
Die 25 Kilogramm schweren Koffer-Bomben waren am 31. Juli auf Bahnhöfen in Dortmund und Koblenz in Zügen gefunden worden. Sie enthielten je eine 11-Liter Gasflasche und Benzin in je drei Plastikflaschen.

Der Chef des deutschen Kriminalamtes, Jörg Ziercke, sagte, die Zünder hätten zeitgleich um 14.30 Uhr ausgelöst werden sollen. Bei einer Explosion wären die betroffenen Waggons ausgebrannt und möglicherweise der Zug entgleist. Die Detonation und ihr Feuerball hätten viele Menschen töten und verletzen können.

Kein massenhaftes Blutvergiessen
Gemäss Ziercke wurden die Fehler bei der Herstellung der Bomben zwar nicht absichtlich gemacht. Anders als bei den Anschlägen in London und Madrid 2005 und 2004 hätten die Täter aber offenbar kein massenhaftes Blutvergiessen gewollt. Die Zünder seien so eingestellt gewesen, dass die Bomben auf freier Strecke zehn Minuten vor den Zielbahnhöfen explodieren sollten.

Ausserdem wurde eine relativ verkehrsarme Zeit gewählt, zu der die Züge schwach besetzt waren. Offenbar seien die Täter auch wieder aus den Zügen ausgestiegen. Es seien also keine Selbstmordattentäter, sagte Ziercke.

Hinweise auf Nahost-Konflikt
Auf Überwachungsvideos des Kölner Hauptbahnhofs sind zwei 20 bis 30 Jahre alte Männer mit südländischem Aussehen zur Tatzeit mit den Koffern zu sehen sind. Ziercke nannte es «vorstellbar», dass die beiden Männer «Signale setzen wollten im Hinblick auf den Konflikt im Nahen Osten». Ein arabisch beschriebener Zettel mit einer libanesischen Telefonnummer und Speisestärke-Tüten eines libanesischen Herstellers in den Koffern deuteten auf Verbindungen der Täter nach Libanon.

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