Mehr Migranten als je zuvor
06. September 2006, 17:20Die Zahl der Migranten hat weltweit einen neuen Höchststand erreicht. Inzwischen leben bereits mehr als 191 Millionen Menschen fern ihrer Heimat, weil sie bewaffneten Konflikten, Armut oder Hoffnungslosigkeit entrinnen wollen.
Migrantinnen und Migranten trügen durch Geldüberweisungen in ihre Heimatländer zwar nachhaltig zur Verbesserung der dortigen Lebensbedingungen bei und leisteten dadurch Entwicklungshilfe, heisst es im Uno-Weltbevölkerungsbericht 2006, der heute veröffentlicht wurde.
Allein 2005 überwiesen Migranten schätzungsweise 232 Milliarden Dollar in ihre Heimatländer. Davon flossen 167 Milliarden Dollar in Entwicklungsländer. Am meisten Geld wurde aus den USA in die Heimatländer der Immigranten überwiesen, auf den nächsten Plätzen folgen Saudi-Arabien, Deutschland und die Schweiz (9,4 Mrd).
Die Schattenseite der Arbeitsmigration sei jedoch, dass jedes Jahr Millionen von Migrantinnen Opfer von Menschenhandel, Misshandlungen und Ausbeutung am Arbeitsplatz würden. Vor allem ausländische Hausangestellte litten unter schlechter Bezahlung, Missachtung ihrer Privatsphäre und häufig auch Gewalt.
Mehr malawische Ärzte in Manchester als in Malawi
Durch die Abwanderung qualifizierter Fachkräfte aus dem Gesundheitsbereich gebe es in den Herkunftsländern zunehmende Mängel in der medizinischen Versorgung. Die Nachfrage nach Gesundheitspersonal in den Industrieländern locke qualifizierte Migranten an, vor allem Krankenschwestern, Hebammen und Ärzte.Das frappierendste Beispiel: Im englischen Manchester arbeiten mehr malawische Ärzte als im südostafrikanischen Malawi mit seinen elf Millionen Einwohnern. In den am schwersten von Aids betroffenen Regionen Afrikas ist der Anteil der auswanderungswilligen Beschäftigten des Gesundheitswesens besonders hoch.
Auf der Flucht vor sexueller Gewalt
Auch dem Thema Flüchtlinge widmet sich der Weltbevölkerungsbericht. Demnach waren im vergangenen Jahr weltweit die Hälfte der 12,7 Millionen Flüchtlinge Frauen. Diese seien auf der Flucht Gefahren wie sexueller Gewalt ausgesetzt.Die Probleme würden von den politischen Verantwortlichen zum grossen Teil ignoriert, heisst es weiter. Die restriktive Einwanderungspolitik vieler Länder verhindere eine sichere und legale Immigration. Dadurch würden Millionen von Migranten, darunter auch Frauen und Kinder, Opfer von skrupellosen Schleppern.
Fust: Grosser Handlungsbedarf
Der UNFPA appelliert deshalb an die Staaten, dazu beizutragen, dass die Migration weniger gefährlich und gerechter wird. Menschenhändlern müsse das Handwerk gelegt werden.Der Chef der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza), Walter Fust, schloss sich den Schlussfolgerungen des Berichts an. Gerade bei der Integration der Migranten bestehe ein grosser Handlungsbedarf, sagte Fust in Genf.
Der UNFPA-Bericht kommt nächste Woche in New York zur Sprache: Am 14./15. September sollen Migrationsprobleme am Uno-Hauptsitz auf Ministerebene erörtert erden.
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