Ausland

Zeitungsbericht zu Anschlägsplänen in Grossbritannien gesperrt

08. September 2006, 10:37

Ein brisanter Artikel der Zeitung «New York Times» über den Erkenntnisstand britischer Ermittler über die geplanten Anschläge auf Transatlantikflüge wird dem britischen Publikum vorenthalten. In einem ungewöhnlichen Schritt hat das Blatt den Zugang geografisch gefiltert.

Zeichnungen von zehn der Angeklagten im Prozess um die geplanten Terroranschläge auf Transatlantik-Flugzeuge.
Zeichnungen von zehn der Angeklagten im Prozess um die geplanten Terroranschläge auf Transatlantik-Flugzeuge.
Dies berichtet das Online-Magazin Telepolis des deutschen Heise-Verlags. Der am 28. August erschienene Artikel berichtet unter Berufung auf britische Geheimdienstkreise über den Stand der Ermittlungen und verneint eine kurzfristige Durchführung des Plans.

Der Zugang zur Online-Ausgabe der US-Zeitung wurde für britische Internet-Nutzer gesperrt. Auf Anraten von Juristen sei er in Grossbritannien nicht verfügbar, heisst es in einer beim Abrufversuch erscheinenden Meldung.

Stichprobe: Sperrung greift noch immer
Die britischen Gesetze würden die Veröffentlichung von Information aus einem Verfahren verbieten, die sich nachteilig für die Angeklagten auswirkten, erscheint auf dem Bildschirm.

Eine gestern durchgeführt Stichprobe mit einem Internetanschluss in London zeigte, dass die Massnahme noch immer greift. In der Schweiz hingegen war er mittels eines kostenlosen Zugangs zum New Yorker Blatt problemlos abrufbar.

Kritik an Einschränkung des Informationsflusses
Der besagte Artikel stand zudem weder in der internationalen Printausgabe der Zeitung noch in der «International Herald Tribune», die nach Grossbritannien geliefert wurden, wie Telepolis weiter schreibt.

Das deutsche Online-Magazin moniert, dass die Zeitung auf diese Weise das Errichten von virtuellen Mauern begründe und auf diese Weise der freie Fluss von Informationen noch stärker kanalisiert werde. Die Praxis werde auch von Ländern wie China zur Internet-Zensur benutzt.

Zeitungsbericht: Anschlagsplan in den Anfängen
Im besagten Bericht kommen die Autoren der «New York Times» aufgrund ihrer Recherchen zum Schluss, dass der «vereitelte» Anschlagsplan keineswegs untermittelbar bevorstand, wie die britischen und amerikanischen Ermittlungsbehörden und Regierungen zunächst erklärt hatten.

Die Planer hätten noch eine Menge konkrete Dinge zu tun gehabt, um den Anschlag ausführen zu können. Zum Beispiel hätten Pässe und Ticketbuchungen gefehlt. Der Zugriff durch die britischen Behörden sei wohl verfrüht gewesen und durch eine Verhaftung in Pakistan ausgelöst worden.

Anklage gegen mehr als zehn Verdächtige
Die mutmasslichen Terroristen hatten laut der britischen Regierung Anschläge auf Transatlantikflüge mit Flüssigsprengstoff geplant 24 Vedächtige aus dem radikal-islamischen Milieu wurden in diesem Zusammenhang festgenommen. Gegen mehr als zehn Personen wurde Anklage erhoben.

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