Empörung über Papst-Äusserung

16. September 2006, 08:18

Mit einem Entrüstungssturm haben Muslime in aller Welt auf die Äusserungen von Papst Benedikt XVI. zum Islam reagiert.

Vor dem Eingang einer Kirche in Gaza sei eine selbstgebaute Bombe gezündet worden; die Explosion habe Sachschaden angerichtet, teilte die Polizei mit. Hintergrund seien offensichtlich Äusserungen des Papstes.

Benedikt hatte in Regensburg jeglicher religiös motivierter Gewalt eine Absage erteilt. Dabei zitierte er aus einem Disput im 14. Jahrhundert zwischen dem byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaeologos und einem gelehrten Perser über den Jihad. Dort hiess es an einer Stelle, Mohammed habe der Welt nur Schlechtes und Inhumanes gebracht.

Vergleich zu Hitler und Mussolini
Der Vizechef der türkischen Regierungspartei AKP, Salih Kapusuz, sagte der Nachrichtenagentur Anadolu, der Papst werde wegen seiner Äusserung als negative Figur in die Geschichte eingehen wie Hitler und Mussolini. Der oberste islamische Geistliche in der Türkei, Ali Bardakoglu, erklärte, nicht der Islam, sondern das Christentum habe das Schwert zur Bekehrung genutzt. Davon zeugten die Kreuzzüge. Der Papst will am 28. November die Türkei besuchen.

Das pakistanische Parlament verurteilte Benedikts Worte einstimmig. Ein irakischer Geistlicher zog einen Vergleich zu den Mohammed-Karikaturen, die zu Jahresbeginn Massenproteste ausgelöst hatten. In Kairo versammelten sich etwa 100 Menschen zu einer Protestveranstaltung vor der Al-Ascher-Moschee.

Der oberste schiitische Geistliche im Libanon, Grossayatollah Mohammed Hussein Fadlallah, erklärte, er erwarte eine persönliche Entschuldigung des Papstes. Eine allgemeine Erklärung des Vatikans sei nicht ausreichend. Vatikansprecher Federico Lombardi hatte betont, es sei nicht die Absicht des Papstes gewesen, die Gefühle gläubiger Muslime zu verletzen.

Merkel nimmt Papst in Schutz
Deutsche Politiker wiesen die Kritik am Papst als ungerechtfertigt zurück. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte der «Bild»-Zeitung, wer den Papst kritisiere, verkenne die Intention seiner Rede. Sie sei eine Einladung zum Dialog der Religionen. «Was Benedikt XVI. deutlich macht, ist eine entschiedene und kompromisslose Absage an jegliche Anwendung von Gewalt im Namen der Religion», wurde die CDU-Chefin zitiert. Auch der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber bewertete die Rede positiv.
Vatikan weist Kritik zurück
Vatikansprecher Federico Lombardi wies inzwischen die Kritik aus der islamischen Welt zurück. Er sagte, dem Papst sei es um eine «klare und radikale Zurückweisung einer religiösen Motivation von Gewalt» gegangen. Der Papst habe die «Sensibilität islamischer Gläubiger» nicht verletzen wollen.

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