Ausland

Alternativer Nobelpreis für Schöpfer des Weltsozialforums

28. September 2006, 15:25

Der Brasilianer Whitaker «Chico» Ferreira hat heute den Alternativen Nobelpreis erhalten. Ferreira wurde für die Gründung des Weltsozialforums und seinen Kampf gegen die Korruption in seiner Heimat ausgezeichnet.

Veranstaltung mit Massenwirkung: Am sechsten Weltsozialforum im Januar in Caracas.
Veranstaltung mit Massenwirkung: Am sechsten Weltsozialforum im Januar in Caracas.
Wie die Stiftung «Right Livelihood Award» (»Preis für richtiges Leben») in Stockholm mitteilte, erhält der 1931 geborene Katholik Ferreira den nicht dotierten Ehrenpreis der Stiftung für seine «lebenslange Arbeit für soziale Gerechtigkeit», mit der er gezeigt habe, dass «eine andere Welt möglich ist».
Das erste Weltsozialforum organisiert
So lautete auch das Motto des ersten Weltsozialforums, das von Ferreira im brasilianischen Porto Alegre organisiert wurde. Das Forum sollte ein politisches Gegengewicht zum Weltwirtschaftsforum für Topmanager und Regierungsspitzen in Davos sein.

In den Prinzipien des Weltsozialforums heisst es, man biete eine offene Gesprächsplattform für alle, «die sich dem Neoliberalismus und Herrschaft der Welt durch das Kapital und jeder möglichen Form des Imperialismus widersetzen».

Ein Leben für die Menschenrechte
Der als Architekt ausgebildete Whitaker engagierte sich in den Sechzigerjahren gegen die damalige Militärdiktatur in Brasilien. Bis 1982 arbeitete er im Exil in Frankreich und Chile für Uno-Organisationen. Nach der Rückkehr in seine Heimat widersetzte er sich in São Paulo der Korruption und kämpfte für die Durchsetzung der Menschenrechte.
Weitere Preise an Publizisten, Frauenrechtlerin und Poesiefestival
Drei weitere Alternativen Nobelpreise gingen an den US-Publizisten Daniel Ellsberg, die indische Frauenrechtlerin Ruth Manorama und das kolumbianische Medellín-Lyrikfestival.

Ellsberg hatte als Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums Ende der sechziger Jahre die geheimen «Pentagon-Papiere» an Medien geschleust, mit denen unwahre Angaben der Regierung über den Vietnam-Krieg enthüllt werden konnten.

Die 1952 geborene Inderin Ruth Manorama erhielt einen Preis als Frauenrechtlerin und für die Bekämpfung des Kastensystems in ihrer Heimat.

Das seit 1991 durchgeführte Poesiefestival im kolumbianischen Medellín wurde ausgezeichnet, weil es trotz stark verbreiteter Gewalt durch Drogenhändler und anderen zeige, dass «Kreativität, Schönheit, freier Ausdruck und Kommunikation inmitten tiefer Angst und Gewalt blühen und beide überwinden können».

Preisverleihungen seit dem Jahr 1980
Die Alternativen Nobelpreise wurden 1980 vom Deutsch-Schweden Jakob von Uexküll gestiftet. Uexküll sagte über die diesjährigen Preisträger: «Sie rufen uns auf, für Wahrheit, Gewaltlosigkeit und Gerechtigkeit die Stimme zu erheben.»

Mit den Alternativen Nobelpreisen sollen besondere Leistungen beim Schutz von Frieden, Menschenrechten und Umwelt sowie der Bekämpfung von Armut und sozialer Ungleichheit gewürdigt werden. Die Auszeichnungen werden am 8. Dezember im schwedischen Reichstag überreicht.

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