Schröders Geschichtsschreibung
26. Oktober 2006, 16:17Gerhard Schröder hat die massive Kritik an der umfangreichen Medienkampagne zur Veröffentlichung seiner Memoiren zurückgewiesen. Die Interviews des Altkanzlers sollen lediglich die Medienarbeit unterstützen.
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Von Michael Fischer, AP
Das sagte Schröder heute auf der Pressekonferenz zur Vorstellung des 544 Seiten starken Werkes in der Berliner SPD-Zentrale. «Dass ich deswegen auch noch kritisiert werde, das verstehe ich nun gar nicht.»
Zur Arbeit seiner Nachfolgerin Angela Merkel wollte sich Schröder nicht äussern. In Interviews hatte er der CDU-Vorsitzenden zuvor Führungsschwäche vorgeworfen und heimste dafür von Unionspolitikern scharfe Kritik ein.
Pressekonferenz als Höhepunkt
Schröder betonte, dass er der grossen Koalition Erfolg wünsche. Er hoffe, dass die SPD dabei eine bedeutende Rolle spielen werde. Der frühere SPD-Vorsitzende bekräftigte, dass er nach der Bundestagswahl im letzten Jahr als Kanzler einer rot-schwarzen Regierungen zur Verfügung gestanden hätte.«Ich hätte das gemacht», erläuterte er und machte deutlich, dass er sich auch heute noch nicht als Wahlverlierer sieht. «Kann man wirklich von verlieren reden in dem Zusammenhang, wenn man sich die unterschiedlichen Ausgangspositionen vor Augen führt?»
Die Pressekonferenz war der Höhepunkt einer Medienkampagne, die Schröder bereits am vergangenen Wochenende mit Interviews und der Veröffentlichung erster Auszüge aus seinen Memoiren im «Spiegel» und der «Bild»-Zeitung gestartet hatte. Die Kooperation mit der «Bild» verteidigte er: «Man darf nicht ein Leben lang nachtragen.»
Nur noch begrenztes Boulevard-Objekt
Während seiner Kanzlerschaft hatte Schröder die Boulevardzeitung scharf kritisiert und ihr zeitweise jeden Interviewwunsch verweigert. Die «Bild»-Zeitung biete «eine Mischung aus Häme, aus Hetze, aus Verächtung der Akteure, garniert mit Halbwahrheiten», begründete Schröders Sprecher Béla Anda den Schritt damals.Der Altkanzler erklärte, er halte die damalige Berichterstattung nach wie vor für unfair. Heute avanciere er aber nur noch «begrenzt zum Objekt neuer Wahlkampfberichterstattung». Deswegen könne er zu dem Abdruck der Memoiren in der «Bild» jetzt auch sagen: «Vielleicht hilft es sogar, ein wirklich wichtiges Buch bekannt zu machen.»
Treibende Kraft in EU
Das Buch wurde auf der Pressekonferenz vom luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean Claude Juncker vorgestellt, der unter anderem die Verdienste Schröders um die europäische Integration würdigte.Die ersten europapolitischen Auftritte Schröders hätten zwar Irritationen in anderen Ländern ausgelöst. Am Ende seiner Kanzlerschaft sei er aber «die treibende Kraft in der Europäischen Union» gewesen.
Gelungene Aussenpolitik
Juncker verteidigte den Altkanzler gegen Kritik an seinen engen Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. «Dass man ihm Kumpanei mit Putin vorwirft, finde ich so nicht richtig», offenbarte der luxemburgische Ministerpräsident. Die Russland-Politik Schröders sei ein besonders wichtiger und gelungener Teil seiner Aussenpolitik gewesen.Auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil würdigte die Leistung Schröders an der Spitze der rot-grünen Regierung. Die SPD könne heute sagen: «Der Stolz wächst auf sieben Jahre Kanzlerschaft Gerhard Schröders.»
In acht Sprachen
Zu der Buch-Vorstellung waren auch Altbundespräsident Walter Scheel, der frühere Innenminister Otto Schily und der Schriftsteller Siegfried Lenz gekommen. Der Verkauf der Memoiren hatte bereits gestern begonnen.Das Buch erscheint in einer Startauflage von 160000 Exemplaren und soll bald in acht Sprachen übersetzt werden – darunter Chinesisch, Russisch, Türkisch, Französisch und Ungarisch.
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