«Warnschrei vor der Klimabombe»

29. Januar 2007, 16:58

Bis 2100 wird sich das Klima um 2 bis 4,5 Grad erwärmen und der Meeresspiegel um 13 bis 58 Zentimeter steigen. Dies heisst es in einem Uno-Papier über die Folgen des Treibhausgas-Effektes. Darüber beraten jetzt 500 Experten.

«Es ist nicht zu spät»: Greenpeace verlangt mit Banderolen am Eiffelturm mehr Einsatz für die Umwelt.
«Es ist nicht zu spät»: Greenpeace verlangt mit Banderolen am Eiffelturm mehr Einsatz für die Umwelt.
Es handelt sich beim heute beginnenden Treffen in Paris um eine der wichtigsten internationalen Klimakonferenzen seit Jahren. Die Schlussfolgerungen des Fachgremiums Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) sollen am Freitag veröffentlicht werden.

IPCC-Präsident Rajendra Pachauri kündigte Beweise dafür an, dass der CO2-Ausstoss den Klimawandel beeinflusse. Er hoffe, die Studie werde die Menschen schockieren und die Regierungen zum Handeln bringen. «Nie war der Bedarf an verlässlichen Daten zur Erderwärmung so gross wie heute», sagte er heute.

Schnelles Handeln gefordert
Seit dem letzten Bericht 2001 beschleunigte sich der Anstieg des Meeresspiegels ebenso wie das Schmelzen der Gletscher. Der Ausstoss von Treibhausgas ist weiter gestiegen. Die Uno-Wissenschaftler fürchten, der vom Menschen in Gang gebrachte Klimawandel könne nicht mehr gestoppt werden. Um dies zu verhindern müssten die globalen Treibhausgasemissionen spätestens ab 2020 sinken, zitierte die Zeitung «Le Monde» den IPCC-Vizepräsidenten Jean Jouzel.

Der Ausschuss legt seine Analyse, an der mehr als 2500 Wissenschaftler mitarbeiten, alle fünf Jahre vor. Über die genauen Formulierungen wird bis zum Freitag hinter verschlossenen Türen verhandelt, wenn ein erstes Kapitel über die wissenschaftlichen Erkenntnisse präsentiert wird. Über die Konsequenzen der Erderwärmung und über Gegenmassnahmen legt der IPCC im Laufe des Frühjahrs zwei weitere Berichte vor.

Es ist alles noch schlimmer
In französischen Medien wird der Berichtsentwurf als «Warnschrei vor der Klimabombe» angekündigt. Auch die britische Zeitung «The Independent» schreibt heute unter Berufung auf das Papier, dass die Folgen des Klimawandels deutlich drastischer ausfallen als erwartet: Eine Erhöhung gar von sechs Grad «oder mehr» könne nach 2100 nicht ausgeschlossen werden. Laut dem Uno-Bericht sind längere und häufigere Hitzewellen im Sommer absehbar, wie es im «Independent» heisst.

Auch Tropenstürme und Orkane würden an Stärke gewinnen und der Meeresspiegel werde bis zum Jahr 2100 drastisch steigen. Im Sommer werde die Arktis eisfrei sein und Gletscher in den Bergen würden vielfach nach und nach verschwinden.

Ein Grund für einen möglicherweise deutlich rasanteren Temperaturanstieg sei die schwindende Möglichkeit der Erde, bei steigenden Temperaturen Treibhausgase zu absorbieren, mutmasst der «Independent».

Damit könne die CO2-Konzentration in der Atmosphäre um 44 Prozent steigen, womit bis 2100 ein zusätzlicher Temperaturanstieg um 1,2 Grad programmiert sei.

Mensch ist schuld
Laut «Independent» zieht die Expertengruppe in ihrem vierten Bericht eine klare Verbindung zwischen vom Menschen verursachten Treibhausgasen und der Klimaerwärmung. «Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Erwärmung, die im vergangenen halben Jahrhundert beobachtet wurde, nicht ohne äusseren Druck erklärt werden kann» – also den Beitrag durch die menschliche Zivilisation.

Bereits in seinem viel beachteten ersten Bericht hatte das Fachgremium IPCC 1990 über zunehmende Ansammlungen der vom Menschen verursachten Treibhausgase in der Atmosphäre berichtet und vor einer steigenden Erderwärmung gewarnt. Damals ging der Uno-Ausschuss für Klimaveränderungen von einem Temperaturanstieg zwischen 1,4 und 5,8 Grad aus. Im letzten Jahrhundert hat die Erwärmung 0,8 Grand betragen.

Die IPCC-Studien hatten 1992 zu einer Rahmenkonvention beim Erdgipfel von Rio und 1997 zum Kyoto-Protokoll geführt.

Greenpeace-Demonstration
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace verlangte heute in Paris auf grossen Plakaten am Eiffelturm die massive Reduktion der Treibhausgase. Gelinge dies, könnte der Temperaturanstieg noch unterhalb von zwei Grad Celsius bleiben. Auf einem riesigen Banner war am Wahrzeichen von Paris die Aufschrift zu lesen «It is not too late» (Es ist nicht zu spät).

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