Für den Frieden Zeit schinden

22. Februar 2007, 20:21

Kommentar

Von Bernhard Odehnal, Wien

Eigentlich hätte sich Mohammed al-Baradei die Arbeit sparen können. Der jüngste Bericht der internationalen Atomenergiebehörde enthält wenig, was die Führung in Teheran nicht selbst zugibt: Präsident Mahmoud Ahmadinejad trompetet in jeder Rede, dass der Iran die Urananreicherung fortsetzen und ausbauen wolle, denn das Atomprogramm sei eine Frage des «nationalen Stolzes».

Dieser Nationalstolz ist das grösste Hindernis auf dem Weg zu ernsthaften Verhandlungen. Die Iraner sehen sich als älteste Kulturnation der Welt, sie wollen an einem Tisch mit der einzigen Supermacht der Welt sitzen, nicht mit deren Pudel in London, Paris oder Berlin. Russen und Chinesen trauen sie ohnehin nicht über den Weg. Von der amerikanischen Regierung aber bekommen sie klare Signale: Wer die Bombe schon hat, wie Indien oder Pakistan, wird als regionale Ordnungsmacht akzeptiert.

Wer ­ wie Nordkorea ­ zumindest so tut, als sei er dem Klub der Nuklearstaaten beigetreten, muss Sanktionen nicht mehr fürchten. Es wäre ein Wunder, wenn Teheran unter diesen Voraussetzungen auf die Entwicklung eines militärischen Nuklearprogramms verzichtet.

Vielleicht haben jene Experten Recht, die davor warnen, dass der Iran durch endlose Verhandlungen nur Zeit gewinnen will, um genügend Uran für den Bombenbau anzureichern. Zeitgewinn ist derzeit aber auch die einzige Chance für die Diplomatie, eine neue Katastrophe im Nahen Osten abzuwenden. Im November 2008 wählen die Amerikaner ihren Präsidenten, im Frühjahr 2009 die Iraner. In beiden Ländern stehen die Chancen gut, dass Pragmatiker an die Macht kommen, die persönlichen Kontakt suchen statt mit Luftschlägen zu drohen.

Bis dahin sind es noch fast zwei Jahre, in denen die Diplomaten von EU, Uno und IAEA ganz viel heisse Luft produzieren müssen. Konferenzen einberufen, Ultimaten setzen, Ultimaten verlängern, Sanktionen androhen, Sanktionen aussetzen, mit Handelsverträgen und technischer Hilfe locken: Alle Mittel sollen erlaubt sein, damit die Wahnsinnigen in Washington und Teheran keinen Vorwand zum Losschlagen finden.

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