Klimawandel hat fatale Folgen

07. April 2007, 23:30

Milliarden von Menschen werden die globale Erwärmung drastisch zu spüren bekommen. Das geht aus dem neuesten Klimabericht der Uno hervor.

Brüssel. ­ Nach tagelangem Ringen und einer Nachtsitzung verabschiedete der Weltklimarat IPPC in Brüssel den zweiten Teil seines Berichts, der von 2500 Wissenschaftlern vorbereitet worden war. Vor allem Saudiarabien, China und Russland hatten die Verhandlungen blockiert, weil ihnen Formulierungen in der Zusammenfassung für die Politiker zu weit gingen. Auch die USA hätten viele Anpassungen verlangt, sagte der Schweizer Wissenschaftler Andreas Fischlin, der als IPCC­Mitglied bei den zähen Verhandlungen dabei war. Die USA hätten aber auch sehr konstruktiv dazu beigetragen, Lösungen zu finden. Ähnlich verhielt sich Australien, das mit Waldbränden und Dürren bereits jetzt erlebt, was die Erwärmung bewirken kann. Während vor allem deutsche Experten bemängelten, der Bericht sei verwässert worden, ist Fischlin mit dem Resultat «sehr zufrieden». Auch Rajendra Pachauri, Vorsitzender des Weltklimarats, sprach von einem «guten Ergebnis».

Der Bericht gibt Anlass zu grösster Sorge. Die Experten rechnen mit Hitzetoten, Überschwemmungen, Missernten, Wirbelstürmen und tropischen Fieberkrankheiten. Milliarden von Menschen werden den Klimawandel zu spüren bekommen, treffen wird er vor allem die ärmsten Länder. Aber auch der Alpenraum gehört zu den Regionen, in denen die Erwärmung besonders grosse Auswirkungen hat. Die Uno-Experten rechnen hier mit mehr Hitze und Dürre. Kleine Gletscher verschwinden, grössere schmelzen bis 2050 um 30 bis 70 Prozent.

Die Schweiz müsse nun ohne zu zögern die Klimapolitik fortsetzen, sagte Harald Hammel, Sprecher des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek). Neben der CO2-Abgabe auf Brennstoffen, die Anfang kommenden Jahres eingeführt wird, brauche es aber auch ein Engagement auf internationaler Ebene. Umweltminister Moritz Leuenberger habe bereits im letzten November am Klimagipfel in Nairobi die Idee einer weltweiten CO2-Abgabe lanciert. Er will sich dafür laut Hammel auch an der Energiekonferenz der G-8- und EU-Länder in Berlin einsetzen.

Der WWF betont, die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels liessen sich nur verhindern, indem Industrieländer wie die Schweiz ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2020 verglichem mit 1990 um 30\x0fProzent verringern. Die Grünen kündigten für die Sommersession einen Vorstoss an, um vom Bundesrat zu fordern, dass er die Wirtschaft in der Umweltpolitik in die Pflicht nimmt.

Klimabericht in drei Teilen
Der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change) präsentiert seinen vierten Klimabericht in drei Teilen. 2500 Forscher und 450 Hauptautoren haben im Laufe von sechs Jahren an dem Bericht gearbeitet. Die Grundaussage der Forscher lautet: Der Mensch verstärkt den Treibhauseffekt, erhitzt den Planeten mit schwerwiegenden Folgen und muss entschieden gegensteuern.
TEIL I des Reports behandelt die wissenschaftlichen Grundlagen, etwa die aktuellen und historischen Beobachtungen der Klimaforscher sowie die Vorhersagen der Rechenmodelle über den künftigen Verlauf der Temperatur. Arbeitsgruppe I (»The Physical Science Basis») legte ihr Resultate am 2. Februar in Paris vor.
TEIL II hat die Auswirkungen des Klimawandels zum Thema, die möglichen Anpassungen daran und die «Verletzlichkeit des Menschen» durch die beobachteten Änderungen der Temperaturen. Arbeitsgruppe II (»Impacts, Adaptation and Vulnerability») hat bis Freitagmittag in Brüssel verhandelt.
TEIL III befasst sich mit den Möglichkeiten des Menschen, den Klimawandel mindestens zu bremsen, und macht entsprechende Vorschläge. Arbeitsgruppe III («Mitigation of Climate Change») präsentiert ihre Zusammenfassung am 4. Mai in Bangkok.

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