Alle gegen Sarkozy?

23. April 2007, 21:17

Kommentar von Dominique Eigenmann.

Trotz herrlichem Frühsommerwetter sind die Französinnen und Franzosen beim ersten Durchgang der Präsidentschaftswahl in Massen an die Urnen geströmt. Die Rekordbeteiligung von 86 Prozent widerspricht den Klagen vieler ausländischer Kommentatoren, der Wahlkampf habe nichts bewegt und nichts Neues gebracht. Im Gegenteil: Frankreich erwartet von seinen Politikern offensichtlich, dass sie das Land nach zwei Dekaden des Stillstands beleben und erneuern. Und sie vertrauen dabei auf eine neue Generation von Kandidaten, die mit eben diesem Anspruch antritt.

Nachdem die Franzosen bei der letzten Wahl 2002 im ersten Durchgang die Extremisten der Linken und Rechten den traditionellen Kandidaten vorgezogen hatten, schwenkten sie dieses Mal zurück, zu einem klassischen Duell zwischen Links und Rechts. Dem Konservativen Nicolas Sarkozy ist es genauso wie der Sozialistin Ségolène Royal gelungen, mehr als ein Viertel der Wähler auf Anhieb von sich zu überzeugen ­ das sind Anteile wie seit den 70-er Jahren nicht mehr. Der Kandidat der «radikalen Mitte», François Bayrou, konnte mit dieser Mobilisierung nicht mithalten.

Nun kommt es also zum lange erwarteten Zweikampf «Ségo vs. Sarko». Für Royal, die einen erratischen Wahlkampf geführt hat, ist der klare Einzug in die Stichwahl bereits ein Erfolg. Für einen Sieg gegen den klaren Favoriten Sarkozy braucht es nun aber mehr. Royals Stimmpotenzial für den zweiten Wahlgang ist jedoch beschränkt. Die Wähler der Linksextremen werden sicher für sie stimmen, aber sie kommen nur noch auf rund 11 Prozent. Bei den Bayrou-Wählern (fast 19 Prozent) kann sie weitere Wähler finden, Sarkozy freilich auch.

In dieser ungemütlichen Lage bleibt Royal nur eine Wahl: Statt weiter zu versuchen, mit ihrem widersprüchlichen Programm zu überzeugen, muss sie den zweiten Durchgang zu einem Referendum gegen Sarkozy umfunktionieren. Tatsächlich polarisiert der forsche Ex-Innenminister stark, bis hinein in gemässigte bürgerliche Kreise. Ob die Losung «Alles, nur nicht Sarkozy!» aber den Erwartungen der Wähler entspricht, ist zu bezweifeln.

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