G-8 findet Klimakompromiss
08. Juni 2007, 11:57Keine verbindliche Obergrenze beim CO2-Ausstoss, dafür ein weiterführender Klimaprozess unter Uno-Dach: Die G-8 feiert die Vereinbarung als Erfolg.
Von Judith Wittwer, Heiligendamm
Die Hunderte von Windrädchen im Rasen vor dem Ostseestrand drehten sich gestern unentwegt – und auch einige Kilometer ostwärts in den Sitzungszimmern von Heiligendamm kam endlich Schwung in die Debatte um einen besseren Klimaschutz. Am Nachmittag trat die diesjährige G-8-Präsidentin Angela Merkel vor die Medien, um im Top-Thema des Gipfeltreffens einen Durchbruch zu verkünden: Die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen und Russlands haben sich nach zähem Ringen auf gemeinsame Klimaziele geeinigt. Die deutsche Kanzlerin sprach von einem «Riesenerfolg».
Im Kern nannte sie zwei grosse Fortschritte: Die G-8-Staaten wollen nach Merkels Worten erstens bis zum Jahr 2050 «ernsthaft» eine Halbierung des Treibhausgas-Ausstosses «in Betracht ziehen». Damit weichen sie zwar massiv von den ursprünglichen Zielen der deutschen G-8-Präsidentschaft ab; im Kampf gegen den Klimawandel wollte diese die Grossmächte im Ostseebad eigentlich auf eine verbindliche Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen um 50 Prozent bis Mitte Jahrhundert verpflichten. Diese Kerngrösse gilt unter Wissenschaftlern als einzige Möglichkeit, die globale Erwärmung bis 2050 auf höchstens zwei Grad zu beschränken und damit den Klimawandel ohne grössere Umweltkatastrophen zu bewältigen. US-Präsident George W. Bush hatte jedoch von Anfang an gegen diese ehrgeizigen Pläne opponiert. Merkel war es trotz einer Charme-Offensive bis zuletzt nicht gelungen, ihn auf konkrete Reduktionen festzunageln. Den nun erzielten Kompromiss nannte sie gestern «das Höchstmögliche, was zu erreichen war».
Als zweiten grossen Fortschritt feierte die G-8-Gastgeberin die Übereinkunft, dass die Klimaschutzbemühungen in einen Prozess im Rahmen der Uno münden sollen. Auch dagegen hatte sich bisher vor allem die US-Regierung gesträubt. Bushs Entgegenkommen wertet Merkel als «starkes Signal». Jetzt sei der Weg frei, bei der Uno-Klimakonferenz in Bali am Ende des Jahres über ein Kyoto-Nachfolgeabkommen zu verhandeln.
Auch die Anliegen der USA kamen nicht zu kurz. So wollen die G-8-Staaten in Zukunft verstärkt auch wichtige Schwellenländer wie China und Indien in die Klimadebatte mit einbinden. Bush hatte in seiner vor einer Woche lancierten Klima-Initiative darauf gedrängt, die wachsenden Wirtschaftsrivalen in Asien mit ins Boot zu holen. 2004 verursachte die G-8 zwar noch fast die Hälfte des weltweiten CO2-Ausstosses. Bald dürften die Chinesen aber selbst den grössten Klimasünder USA überholt haben.
Greenpeace ist enttäuscht
Was die G-8 als Erfolg hervorstrich, stiess bei den Umweltorganisationen nicht auf ungeteilte Zustimmung: Greenpeace ist enttäuscht: «Das ist absolut zu wenig», sagte Klimaschutz-Experte Jörg Feddern. «Was wir brauchen, sind verbindliche Vorgaben.» Germanwatch lobte zwar die Fortschritte. Als eine «Schwäche des Ergebnisses» nannte die deutsche Umweltorganisation, dass das «Zwei-Grad-Limit nicht ausdrücklich» anerkannt wird.
Ausland
- 20:41Die markigen Sprüche des «Thilo Taktlos»
- 20:15«Sarrazin wird den Talkshows als Betriebsnudel erhalten bleiben»
- 19:30Nahostverhandlungen: Minimalziel erreicht
- 18:28Explosion im Golf von Mexiko: Erste Ölspuren entdeckt
- 17:18Sarrazin muss abtreten
- 15:54Spendenskandal: Bettencourts Günstling belastet Sarkozy









24 Stunden in Bildern






