Vatikan boykottiert Amnesty
13. Juni 2007, 23:17Der Vatikan hat alle Katholiken und katholischen Organisationen zum finanziellen Boykott von Amnesty International (AI) aufgerufen. Die Organisation habe ins Lager der Abtreibungsbefürworter gewechselt.
Der päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden teilte die Entscheidung in einem Communiqué mit. Kardinal Renato Martino, Präsident des Rates, erklärte darin, ein kürzlicher Entscheid des Exekutivrates von AI habe diese Massnahme unumgänglich gemacht.Dieser hatte entschieden, den erleichterten Zugang zu Abtreibungen für Frauen zu fördern, die Opfer einer Vergewaltigung geworden sind oder deren Gesundheit durch eine Schwangerschaft gefährdet wäre.
Ein Sprecher von Amnesty in Rom sagte hingegen, die Organisation habe nie Geld «vom Vatikan oder von Organisationen erhalten, die von der katholischen Kirche abhängen.»
Amnesty Schweiz distanziert sich
In einer an die Nachrichtenagentur SDA adressierten Mitteilung bestätigte die Sprecherin der Schweizer Sektion von AI, Manon Schick, dass Amnesty kein Geld von Regierungen akzeptiere und somit auch nie Geld vom Vatikan bekommen habe.«Es ist falsch zu sagen, Amnesty International sei eine Organisation geworden, welche die Abtreibung befürwortet», fügt sie an. AI vertrete eher einen Kompromiss.
Die Organisation spreche sich nicht für oder gegen die Abtreibung aus. Sie fordere vielmehr die Regierungen auf, die Repression gegen Frauen zu beenden, die abgetrieben haben. Zudem verlange sie die Legalisierung von Abtreibungen im Falle einer Vergewaltigung, eines Inzestes oder einer akuten Gefährdung der Gesundheit.
Manon Schick bedauert die Reaktion des Vatikans. Dieser konzentriere sich lediglich auf einen Aspekt der Arbeit von AI und vernachlässige all jene, bei denen die langjährige Zusammenarbeit zwischen Amnesty und katholischen Organisationen sich als fruchtbar erwiesen habe.
Massnahme gegen Unicef
Der Vatikan hatte bereits 1996 eine ähnliche Massnahme gegen das Kinderhilfswerk Unicef ergriffen. Er beschuldigte die Organisation ebenfalls, Abtreibungen zu unterstützen.Unicef verteilte damals in Flüchtlingslagern auf der ganzen Welt Informationsblätter zu einem Spermizid an junge Frauen oder Jugendliche, die vergewaltigt worden waren. Der Vatikan strich seine finanzielle Unterstützung von Unicef in der Höhe von 2000 Dollar pro Jahr.














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