Ausland

G-8 reif für die Insel

15. Juni 2007, 17:22

Der G-8-Gipfel in zwei Jahren wird auf der italienischen Insel La Maddalena stattfinden. Sicherer gehts kaum.

Von Oliver Meiler, Rom

Was für ein schöner Name für einen Ort: La Maddalena. Ein kleines Archipel ist das, an der Nordspitze Sardiniens gelegen, nur fünfzig Quadratkilometer insgesamt, 11’000 Bewohner. Auf einer der sieben Inseln liegt Giuseppe Garibaldi begraben, Italiens Übervater. Das Wasser vor den Stränden tendiert ins Türkise, hohe Palmen wiegen im Wind, die mondäne Costa Smeralda ist nicht weit. Ein Paradies? Bis vor kurzem waren hier ein stattliches Kontingent der US-Navy und eine Flotte U-Boote stationiert. Eine Reminiszenz aus dem Kalten Krieg. La Maddalena galt als geostrategischer Hotspot im Mittelmeer. Nun sind die Amerikaner dabei, ihre Soldaten abzuziehen. Bis Februar 2008 soll vollends demobilisiert sein.

Doch schon kündigen sich neue und prominente Gäste an: acht Mächtige, die G-8. Beobachtet von solchen, den Anti-G-8, die deren Treffen etwas stören möchten - diesmal wohl nur von weitem. In zwei Jahren, wenn wieder die Italiener dran sind, findet der G-8-Gipfel auf La Maddalena statt. Romano Prodi, Italiens Premier, sagt, das sei schliesslich einer der schönsten Orte dieser Welt. Ausserdem sei man den Maddalenini etwas schuldig, haben sie sich doch 35 Jahre lang der Weltpolitik gebeugt. Nun dürfen sie ins Schaufenster, dürfen der Welt die Schönheit ihrer Insel zeigen. Man träumt von Investitionen, Touristen, Luxushotels. Kürzlich war schon der Giro d‘Italia mit einer Etappe zu Gast. Vielleicht schwappt etwas Glamour der Costa Smeralda rüber.

Meeranstoss ist gut, eine Insel besser
Nun, in Wahrheit ist alles viel unglamouröser. Die rauen Felsen der Maddalena sollen wie Dämme gegen den Protest wirken. Die Insel lässt sich leicht abschotten von der Aussenwelt. Darum hat sie den Zuschlag erhalten. Die Globalisierungskritiker (und der Schwarze Block) werden Mühe haben, sich der Insel überhaupt zu nähern. Und auf dem Wasser demonstriert es sich nun mal nicht sonderlich gut. Prodi verschweigt den Sicherheitsaspekt zwar nicht, er säuselt aber nur von ihm. Italien will «bella figura» machen. Diesmal schon. Vor sechs Jahren, als Italien den Gipfel zum letzten Mal organisiert hatte, artete die Konfrontation zwischen «No-Globals» und der Polizei in wüsten Strassenschlachten aus. Das war in Genua. Seither meiden die Mächtigen grosse Städte und bunkern sich ein. Meeranstoss ist gut, eine kleine Insel noch viel besser.

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