Hoffnung für die Westsahara
17. Juni 2007, 19:40In New York, unter Ägide der Uno, beginnen die Westsahara-Gespräche. Am Tisch sitzen Marokkaner, Saharaui und Algerier - fast sensationell.
Von Oliver Meiler, RomZehn Jahre haben sie nicht miteinander geredet. Über einander schon und nur schlecht. Morgen Montag beginnt nun in Manhasset bei New York unter der Ägide der Vereinten Nationen (Uno) die erste Runde der Westsahara-Gespräche zur Lösung des langlebigsten, zermürbenden Konflikts in Afrika.
Eingeladen sind Delegationen aus Marokko, der Besatzungsmacht, und der Polisario, der saharauischen Befreiungsfront. Dazu die mehr oder weniger einflussreichen Nachbarn Algerien und Mauretanien. Plus einige «befreundete Staaten», zu denen sich Spanien, Frankreich und die USA zählen.
Unvorstellbare Schmach
Es geht wieder einmal um alles: um die politische Zukunft des 266'000 Quadratkilometer grossen, dünn besiedelten, phosphatreichen Stücks Wüste am Atlantik. Der Konflikt um die Westsahara, 1975 von Spanien an Marokko abgetreten, verhindert jede regionale Zusammenarbeit. Ihr postkoloniales Schicksal vergiftet das Klima zwischen Marokko und Algerien. Algier bewaffnet, finanziert und beherbergt die Polisario in einem Zeltlager im Südwesten des Landes, in Tindouf. Und hofft noch immer auf einen direkten Zugang zum Atlantik.Für Marokko und dessen König wäre ein Verlust der Westsahara eine unvorstellbare Schmach. Darum gehts in diesem Konflikt. Seit 1991 schweigen die Waffen. Seit zehn Jahren auch die Vermittler. Jetzt reden sie wenigstens wieder miteinander.
Ein marokkanischer Plan
Auf dem Verhandlungstisch liegt ein neuer Vorschlag der Marokkaner, den diese mit viel Betonung als ausgewogen, gerecht und konstruktiv anpreisen. Marokkanische Diplomaten sind um die Welt gereist, um ihn zu vermarkten, und sie verkündeten nach jeder Etappe, wie sehr man sich über die Initiative des Königreichs freue. Tatsächlich befeuert jede Aussicht auf Bewegung in diesem Dossier die ermüdete Aufmerksamkeit der «befreundeten Staaten» - und der Uno, die in al-Aiun, dem Hauptort der Westsahara, seit 16 Jahren eine Mission stationiert hat.Der Plan sieht eine «weit reichende Autonomie der saharauischen Provinzen innerhalb des marokkanischen Staates» vor. Genauer: Die ansässige saharauische Bevölkerung, etwa 300'000 Personen (noch einmal 160'000 leben im Exil in Tindouf), soll ein eigenes Parlament, eigene Gerichte, eine eigene Regierung erhalten. Ihrer Verwaltung soll ein Budget für die Entwicklung des Gebiets zugesprochen werden. Der ganze, grosse Rest bleibt aber marokkanisch: die Währung, die Hymne, die Fahne, die Grenze. Und den Premier der Saharaui bestimmt auch der marokkanische König Mohammed VI, Oberhaupt aller Gläubigen.
Ausgewogen? Gerecht? Konstruktiv? Die Polisario sieht das natürlich anders. Und weil es die Polisario anders sieht, sieht es auch Algerien anders. Sie bestehen auf dem alten Versprechen der Uno, wonach die Saharaui selber über ihre politische Zukunft bestimmen können - und zwar in einem Referendum. Eine kleine Öffnung ist dennoch zu vermelden. Bisher standen zwei Optionen zur Wahl: Unabhängigkeit oder Verbleib bei Marokko. Nun heisst es aus Tindouf, man sei durchaus bereit, diesen Plan der Besatzer dannzumal als dritte Option auf den Wahlzettel zu schreiben. Und wenn sich die Saharaui denn für diese dritte Option, die Autonomie, entscheiden sollten, dann würde man das auch akzeptieren.
Verhaltener Optimismus
Die Polisario reicht also die Hand, es ist aber nur eine halbe. Zentral bleibt das Festhalten am Recht auf Selbstbestimmung - also am Referendum. Die Marokkaner waren nie bereit, das Risiko einzugehen, die Abstimmung zu verlieren. Sie besiedelten die «südlichen Provinzen» mit Leuten aus dem Norden und drängten dann bei der Uno auf eine Aufstockung der Wählerlisten um diese Zuzüger. Die Saharaui wehrten sich. So ist die Volksabstimmung zur Fata Morgana verkommen.Der Optimismus vor dieser ersten Verhandlungsrunde ist denn auch äusserst verhalten, allem marokkanischen Diplomatencharme zum Trotz. Die marokkanische Presse zweifelt am guten Willen der Algerier; die algerische Presse zweifelt am guten Willen der Marokkaner. Es ist wie immer, und es ist viel Spannung da. In marokkanischen Grossstädten sind in den letzten Wochen saharauische Studenten am Demonstrieren gehindert und übel verprügelt worden.
Als auf dem Internet-Videoportal Youtube kürzlich kleine Filme von regimekritischen Aktionen in der Westsahara liefen, war in Marokko plötzlich der Zugang zu Youtube blockiert. Der Widerstand passt nun einmal nicht ins Bild. Marokko will sich als generöser Geber verstanden wissen, der dem Feind eine «brüderliche Hand» zustreckt. Auch nur eine halbe.
Ausland
Meistgelesen in der Rubrik Ausland
Body Coach
-
Der BodyCoach hilft Ihnen, gesund und nachhaltig abzunehmen. Er stellt einen individuellen Ernährungsplan zusammen, erstellt Einkaufslisten, schlägt Rezepte vor und unterstützt Sie beim Training.





24 Stunden in Bildern







