Offenbar 500 Tote bei Anschlägen im Nordirak
15. August 2007, 23:57 Von Astrid FrefelAuf mindestens 500 Tote beziffern die Behörden die Zahl der Opfer einer Serie von Anschlägen gegen Yeziden im Irak. Das Muster deutet auf die al-Qaida hin.
Iraker wollen übernehmen
Die Provinz Ninive, mit der zwei Millionen-Stadt Mosul, soll in den nächsten Wochen der irakischen Sicherheitskontrolle unterstellt werden. Das US-Militärkommando im Irak ist der Auffassung, die Sicherheit in dieser Region mit einer langen Grenze zu Syrien lasse diesen Schritt zu. Ausgerechnet in dieser Gegend ereigneten sich jetzt die schlimmste Anschlagsserie in diesem Jahr und eine der tödlichsten seit dem Krieg überhaupt.
Hauptverdächtiger für die Bluttat ist nach Angaben eines US-Militärsprechers al-Qaida. Dafür sprechen die präzise Koordination und das Ausmass. Einwohner berichteten zudem, vor einer Woche seien Flugblätter aufgetaucht, in denen vor bevorstehenden Anschlägen gewarnt worden sei, mit der Begründung Yeziden seien anti-islamisch.
Opfer sind viele Frauen und Kinder
Die Rettungsarbeiten kamen nur mühsam voran. Die Helfer mussten sich in den zerstörten, aus Lehmziegeln erbauten Häusern von Hand vorarbeiten, weil schweres Räumgerät noch mehr Schaden angerichtet hätte. Unter den Opfern waren viele Frauen und Kinder, denn der Anschlag galt drei Wohngebieten dieser kurdischen Minderheit in der Kleinstadt Qahataniya, rund 120 Kilometer westlich von Mosul.
In den Abendstunden des Dienstag waren in kurzen Abständen fünf Autobomben, darunter ein mit Benzin gefüllter Tanklastwagen, in mehreren Siedlungen von Yeziden explodiert. Die lokalen Kliniken konnten die vielen Opfer nicht mehr alleine behandeln. Verwundete musste in die Spitäler von Dohuk transportiert werden. Nach den Anschlägen verhängten die Behörden über die ganze Region ein Ausgehverbot. US-Truppen halfen den irakischen Sicherheitskräften bei den Rettungs- und Aufräumarbeiten.
Der irakische Premier Nouri al-Maliki, mit Vorbereitung für einen Krisengipfel beschäftigt, der seine Regierung retten soll, machte terroristische Kräfte für die Anschläge verantwortlich, die einen Religionskrieg anheizen und der nationale Einheit schaden wollten. Die kurdische Regionalregierung in Arbil sprach von feigen und barbarischen Attentaten und sagte der Zentralregierung in Bagdad ihre Hilfe zu.
Ausweichen in den Norden
Seit der massiven Verstärkung der US-Truppen in Bagdad und im Zentralirak gruppieren sich die Aufständischen neu und weichen zunehmend in entlegene Gebiete im Norden aus, wo die Dichte der Sicherheitskräfte gering und die Zahl der «weichen» Ziele gross ist. Die Liste der letzten Ziele - auch Kirkuk war verstärkt betroffen - lässt darauf schliessen, dass al-Qaida auch versucht, die Kurden stärker in die blutige Auseinandersetzung hineinzuziehen.
In Bagdad sowie den Provinzen Diyala und Anbar sprechen die amerikanischen Offiziere von Erfolgen. In Anbar zum Beispiel konnten sie in den letzten Monaten mehrere sunnitische Clans dazu bringen, sich ihrem Kampf gegen al-Qaida anzuschliessen. Deshalb drängt Washington auch darauf, dass diese Zusammenarbeit auf militärischem Gebiet von Maliki durch mehr Mitsprache auf der politischen Ebene honoriert wird Seit Beginn der Woche läuft eine neue Militäroffensive, an der 10'000 US-Soldaten und 6000 Mann der irakischen Streitkräfte teilnehmen. Sie konzentriert sich nördlich von Bagdad auf Gebiete in den Provinzen Diyala und Salaheddin und richtet sich gegen sunnitische Aufständische, die mit al-Qaida verbunden sind und schiitische Milizen.
Diese Gegend gilt als eines der Rückzugsgebiete der Aufständischen. Amerikanische Spezialkräfte haben im Laufe der Operation mehrere al-Qaida-Mitglieder festgenommen, die zur Führung der Organisation im Irak gehören sollen.
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