Burmesische Armee mobilisiert Truppen
25. September 2007, 22:09 Von Dominique EigenmannTrotz Warnungen der Militärjunta demonstrierten in Burma erneut Mönche und Gegner des Regimes. Nun bereiten sich die Machthaber offenbar darauf vor, den Aufstand niederzuschlagen.
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Als die Mönche, Studenten, Oppositionellen und Sympathisanten in Rangun bei glühender Hitze erneut zur Shwedagon- und Sule-Pagode strömten, um den achten Tag in Folge gegen das Regime Burmas zu protestieren, wurden sie von Lautsprecherwagen empfangen. Aus ihnen plärrten Stimmen, die sie im Namen der Regierung davor warnten, erneut zu demonstrieren - «ansonsten sehen wir uns gezwungen, die Proteste mit Militärgewalt aufzulösen». Zuvor hatten in der Nacht schon verschiedene Junta-Mitglieder in den staatlichen Medien gewarnt: Die Mönche würden das Gesetz brechen, hiess es, wenn sie sich von in- und ausländischen «destruktiven Elementen» aufwiegeln liessen.
Weder die geistlichen noch die zivilen Regimegegner liessen sich von den Warnungen beeindrucken: Rund 30000 Mönche und 70000 weitere Demonstranten zogen erneut durch die Strassen und forderten Demokratie sowie ein Ende des «unmenschlichen Militärregimes». Beobachtern vor Ort fiel auf, dass in der protestierenden Menge immer mehr Anhänger der unter Hausarrest stehenden Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi auszumachen waren. Auch nahm erstmals eine grosse Anzahl von Studenten mit Fahnen und Transparenten offen an den Protesten teil, obwohl an den burmesischen Universitäten zurzeit Prüfungen abgelegt werden.
Nächtliches Ausgehverbot
Erstmals wurden die Proteste allerdings auch von einem grossen Aufgebot an Soldaten und Bereitschaftspolizei sichtbar begleitet. Augenzeugen berichteten von mehreren hundert Sicherheitskräften, die sich an strategischen Orten positionierten. Etwa auf dem Platz zwischen Sule-Pagode und Stadthalle: Dort war 1988 der letzte grosse Aufstand vom Militär blutig niedergeschlagen worden; schätzungsweise 3000 Menschen wurden dabei getötet. Am Dienstag hielten sich Polizei und Soldaten allerdings noch zurück und liessen die Demonstranten trotz der Warnungen gewähren. Am Abend erliess das Regime dann allerdings ein Ausgehverbot für die Nacht und ein Versammlungsverbot für die nächsten 60 Tage. Beobachter rechnen denn auch mit einer baldigen Konfrontation.
Der starke Mann Burmas, General Than Shwe, rief die Militärführung des Landes zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Gleichzeitig begann das Regime damit, grössere Truppenverbände aus anderen Landesteilen abzuziehen und nach Rangun zu bringen. Unter ihnen soll sich auch die berüchtigte 22. Division befinden, die bereits an der Niederschlagung des Aufstands von 1988 beteiligt war. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete überdies mit Verweis auf eine «gut unterrichtete Quelle», dass Aung San Suu Kyi festgenommen und ins berüchtigte Gefängnis Insein gebracht worden sei; diese Nachricht wurde allerdings vorerst nicht bestätigt.
China reagiert nicht
Angesichts der sich zuspitzenden Situation in Burma wurde das Militärregime am Dienstag bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen (Uno) in New York von vielen westlichen Staaten dringlich dazu aufgerufen, sich mit Gewalt zurückzuhalten, die Demonstranten gewähren und mehr politische Freiheit zuzulassen. Angeführt wurden die Ermahnungen von Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon, dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush, Bundeskanzlerin Angela Merkel und vielen weiteren europäischen Regierungen. Dem Appell schloss sich aus Bern auch die Schweiz an. Die chinesische Regierung dagegen, in den vergangenen Jahren der wichtigste Bündnispartner Burmas, erklärte am Dienstag erneut, sich nicht in die «inneren Angelegenheiten» seines Nachbarn einmischen zu wollen.
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